Kein Mozart im Kuhstall - Ohnsorg-Theater rockt im Kulturhaus

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Das Ensemble des Ohnsorg-Theaters war zu Gast im Kulturhaus.

Lüdenscheid - Ein polnischer Großvater kann viele Namen haben. Swarovski, Schimanski oder auch Kalaschnikow. Zumindest aber hatte Knecht Radek (Mark Derichs) am Donnerstagabend immer einen guten Rat jenes Großvaters parat, wenn’s mal wieder nicht rund lief auf dem Bauernhof in Poppenbüttel. Zu Gast im Kulturhaus war das Ohnsorg-Theater mit der Revue „Bauernhof-Rock“ von Sandra Keck.

Dreh- und Angelpunkt waren die Befindlichkeiten – allerdings nicht die von Bauer Bernd Meier (Fabrizio Barile), sondern die der tierischen Bewohner. Sie drückten ihre Sorgen und Nöte – wahlweise vor dem Schlachthof, vor der natürlichen Nahrungskette oder auch vor der Flinte des Bauern – durch Persiflagen auf weltberühmte Rock- und Poptitel aus.

Da sahen sich die Schweine den Schnitzeln nahe und kreischten der Beatles „Help“ mit eigenem Text, die Hühner scharrten sich um den neuen Hahn namens Michael in einer burlesken Show zu Shirley Basseys „Big Spender“ und schließlich um Hahn Michael (Flatley) als irischer Stepptänzer.

Die passende Kopfbedeckung symbolisierte das Tier, die Menschen waren eher nur ein Zwischenspiel in einer gewöhnungsbedürftigen Show, deren Höhepunkt der theatralische Auftritt der Kuh Berta mit Madonnas „Don’t Cry for Me Argentina“ zum Film Evita (Peron) wurde, wollte sie doch auf keinen Fall ihr Leben im Schlachthof lassen. Schmunzeln in den Rängen, aber so rechte Disco-Stimmung wollte nicht aufkommen im großen Saal.

Nach der Pause nahm der Bauernhof-Rock plötzlich Fahrt auf, nicht zuletzt dem grandiosen Strip von Meiers Nachbar Hannes (Guido Maria Kober) geschuldet. Ganz oben auf dem Empfindlichkeitsskala der Kühe: Kein Mozart mehr im Stall, sondern Hardrock – passend dazu gab’s „Eye of the Tiger“ mit Kühen im Matrix-Mantel.

Eine Rock-Revue wäre keine richtige ohne ein Medley aus Abba-Texten, bei denen das Publikum erst zögerlich, dann aber doch rhythmisch mitklatschte. Altmeister Tom Jones stand schließlich Pate auf dem Weg in die Zielgerade, hatte doch Sohn Bohle (Markus Gillich) auf dem Weg in die Dorf-Disco Vaters Daimler zerlegt. Rasch wurde aus dem Daimler die „Delilah“.

Der Schlussakkord gehörte dem King of Rock’n’Roll, Guido Maria Köber als Elvis mit „Bauernhof-Rock“. So bescherten zweieinhalb Stunden Pop und Rock mit ziemlich weit hergeholten deutschen Texten und Klavierbegleitung durch Andreas Bösch vielen Kulturhausbesuchern einen amüsanten Abend.

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