Ohne „Lappen“, mit Drogen im Leihwagen unterwegs

Lüdenscheid - Mit knapp 19 hatte er schon ausgeprägte Vorlieben: für schnelle Autos, fünf bis sieben Joints am Tag und ab und zu eine deftige Keilerei. Und offensichtliche Abneigungen: gegen Schule, Ausbildung und Arbeit. Jetzt, mit knapp 20, sitzt er zum vierten Mal vor dem Jugendschöffengericht. Und ist bestens vorbereitet.

Die Vorwürfe von Staatsanwältin Melanie Hantke sind keine Kleinigkeiten. Diesmal geht es um unerlaubten Drogenbesitz in fünf Fällen, Fahren ohne Fahrerlaubnis in vier Fällen sowie Verstoß gegen das Waffengesetz. Ein Jahr Gefängnis mit Bewährung hat er nach der jüngsten Verurteilung in den Akten. Eine saftige neue Strafe sowie der Widerruf der Strafaussetzung zur Bewährung droht. Der Kölner Strafverteidiger Peter Syben hat alle Hände voll zu tun.

Die Erklärungsversuche seines Mandanten – stämmig, auffällig frisiert und vernarbt – klingen nach bekannten Ausreden. „Es sind viele Sachen passiert. Mein Bruder kam in den Knast, meine Mutter hat schwere Depressionen, mein Vater ist Taxifahrer und immer nur weg.“

Immer wieder haben Polizisten ihn erwischt. Wie er mit Marihuana im rechten Socken oder in der Unterhose durch die Stadt lief. Oder wie er ohne „Lappen“ in einem schicken Mietauto herumkurvte. Oder gleich beides auf einmal: im Leihwagen mit „Gras“ in der Tasche unterwegs. Melanie Hantke: „Ihnen muss klar sein, dass jetzt hier nicht mehr gekuschelt wird.“ Doch Verteidiger Syben und die Bewährungshelfer im Gerichtssaal schaffen den Stimmungswechsel.

Denn beim Angeklagten hat es im Sommer ‘14 „Klick“ gemacht, wie ein Sozialarbeiter sagt. Sein Klient hat einen festen Job in einer Fabrik und legt dem Gericht ein glänzendes Zwischenzeugnis vom Schichtleiter vor. „Ich habe sogar Aussicht auf eine Ausbildung“, sagt er dazu. Außerdem habe er Kontakt zu einer Drogenberaterin aufgenommen und wolle drogenfrei leben und den Führerschein machen. Und mit seinem Chef habe er schon abgestimmt, dass er Urlaub bekomme für den Fall, dass er ein paar Wochen in den sogenannten Warnschuss-Arrest muss.

Doch das ist nicht nötig. Die Anklägerin plädiert für eine letzte Chance. Unter Einbeziehung des jüngsten Urteils verhängt das Gericht ein Jahr und neun Monate mit Bewährung. Der 19-Jährige strahlt. „Vielen Dank auch!“

Von Olaf Moos

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