Ohne Einsatz freiwilliger Helfer aufgeschmissen

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Die Ehrenamtlichen der Lebenshilfe treffen sich in regelmäßigen Abständen zum Austausch.

LÜDENSCHEID - 23 Millionen Menschen engagieren sich in Deutschland ehrenamtlich. Ihnen ist der internationale Tag des Ehrenamtes (Donnerstag) gewidmet. Auch in Lüdenscheid gibt es zahlreiche Institutionen, Vereine oder Verbände, die ohne das herausragende und ehrenamtliche Engagement ihrer freiwilligen Helfer aufgeschmissen wären.

Einige stehen mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit im Rampenlicht oder werden regelmäßig belobigt, viele aber helfen im Verborgenen. So auch bei der Lebenshilfe Lüdenscheid.

Jemand, der ein massives Zeitvolumen in die ehrenamtliche Arbeit bei der Lebenshilfe steckt, ist Friedrich Linden. Der 70-Jährige ist seit fast zwölf Jahren Vorsitzender des Vereins Lebenshilfe. „Ich war mein ganzes Leben ehrenamtlich tätig, während meiner beruflichen Tätigkeit als Geschäftsführer der Linden GmbH eher berufsbedingt – im Arbeitgeberverband oder der Industrie- und Handelskammer – oder als Ratsherr. Ich glaube, ehrenamtliches Engagement wird den Menschen mit in die Wiege gelegt. Nach dem Ruhestand wollte ich dann endlich etwas Soziales machen. Bevor ich bei der Lebenshilfe zugesagt habe, habe ich mir ausgiebig Gedanken gemacht, ob ich Berührungsängste zu Menschen mit Behinderungen haben könnte. Aber: Sie sind genauso wie wir: mal traurig, mal lustig, aber immer viel ehrlicher in ihrer Emotionalität als ein gesunder Mensch.“

Der 74-jährige Lothar Hardebusch ging damals vorzeitig in den Ruhestand. „Mir war von vornherein klar, dass ich mich ehrenamtlich betätigen wollte.“ 14 Jahre war er bei der Lüdenscheider Tafel, bevor er zur Lebenshilfe kam und seit einiger Zeit einen jungen Mann in der Wohnstätte Wigginghausen betreut. „Das ist eine sehr sinnvolle Aufgabe, bei der ich selbst in meinem Alter noch etwas dazulernen kann. Wir kickern, gehen spazieren, machen das, wozu wir gerade Lust haben. Zudem habe ich ein großes Repertoire an neuen Musikstilen kennen gelernt“, lacht der rüstige Rentner. „Das Vertrauen des jungen Mannes zu besitzen, ist für mich Dank genug.“

Dietmar Hoffmann zog 2003 nach Lüdenscheid und hatte wenig Kontakte. Durch die Ehrenamtbörse wurde er zur Lebenshilfe vermittelt, wo er wochentags die Besucher der Tagesbetreuung fährt. „Mittlerweile bin ich sogar im Vorstand der Ehrenamtbörse“, berichtet er stolz. Seit kurzem unterstützt er mit seinem handwerklichen Geschick die Jugendlichen im Heim für jugendliche Diabetiker, um deren Eisenbahnanlage wieder „auf Vordermann“ zu bringen. „Ich habe eine Aufgabe, freue mich auf den Tag und stehe morgens gerne auf.“

Der gebürtige Düsseldorfer Rolf-Dieter Wöhlke kam nach dem Tod seiner Frau nach Lüdenscheid. Früher war er immer ehrenamtlich in Kirchengemeinden tätig, doch als der Bundesfreiwilligendienst auch für Senioren geöffnet wurde, kam er als Bufdi zur Schule an der Höh. Die Schule ist eng verbunden mit der Lebenshilfe, bei der seine Lebensgefährtin im Vorstand tätig ist. Nach den 18 Monaten kam er so zur Lebenshilfe, wo er mit den Besuchern der Tagesbetreuung Holzprojekte macht. „Ich habe die gewisse Empathie – und bin traurig, wenn ich miterleben muss, wie hart es manche Familien trifft. Aber: Hier ist mein Platz, ich möchte meine Arbeit nicht missen“, so der 63-Jährige.

Änne Suntrup behauptet von sich lachend: „Ich habe das Helfersyndrom.“ Bei der Lebenshilfe sieht sie sich als „Mädchen für alles“. Überall, wo gerade eine helfende Hand gebraucht wird, ist die 64-Jährige zur Stelle. „Meine schwerbehinderte Tochter lebt bei der Lebenshilfe und wird super betreut. So ist es mir ein Anliegen, etwas zurück zu geben.“

„Ich wollte Freude in das Leben behinderter Menschen bringen“, erklärt Kornelia Michalik ihren Entschluss, eine geistig behinderte Frau mit psychischer Erkrankung in ihrer Freizeit zu begleiten. „Ich war für diese Arbeit nicht ausgebildet, habe aber durch die Lebenshilfe jegliche Unterstützung bekommen. Die Frau, die ich betreue, ist viel offener geworden, das bestätigt mich in meiner Arbeit. Wir haben eine tolle Beziehung zueinander aufgebaut. Es ist wichtig, den Leuten Respekt entgegen zu bringen. Menschen mit Behinderungen sind ehrlich, können sich noch richtig freuen – und das auch zeigen.“

Ingrid Requard wusste ihr Leben lang, dass sie etwas Soziales machen wollte, ging aber beruflich in eine ganz andere Richtung. „Dadurch“, so sagt sie lachend, „habe ich ein Defizit.“ Im letzten Jahr ihrer Berufstätigkeit nahm sie ihre ehrenamtliche Tätigkeit auf. „Ich las in den LN, dass in der Wohnstätte Wigginghausen Hilfe gebraucht wird, habe aber Wochen gebraucht, bis ich zum Hörer griff und mich meldete. Seitdem betreue ich eine gleichaltrige Frau, die mittlerweile zu einer guten Freundin wurde. Zudem betreue ich über die Lebenshilfe eine Nigerianerin mit ihrem behinderten Kind, helfe, die sprachlichen Barrieren zu überwinden. Die Kontaktaufnahme zur Lebenshilfe habe ich nie bereut, etwas Schöneres gibt es nicht. Wenn ich nach Wigginghausen komme, habe ich das Gefühl zu Hause zu sein.“

„Ich habe viel Freizeit gehabt und wollte diese sinnvoll füllen“, berichtet Gisela Gunia-Schröer. Sie betreut zwei behinderte Frauen aus Wigginghausen und erfreut sich an den geselligen Stunden miteinander. Und: Nach 13 Jahren beim Familienunterstützenden Dienst, bei dem sie sogar eine finanzielle Aufwandsentschädigung für ihre Dienste als Integrationshelfer bekam, ist sie heute noch „ehrenamtliche Oma“ für die mittlerweile erwachsen gewordene Frau.

Uta Diegmann ist ein gutes Beispiel, dass man sich auch neben seiner beruflichen Laufbahn ehrenamtlich betätigen kann. Die selbstständige Fotografin wurde seinerzeit von der Lebenshilfe beauftragt, Fotos für Flyer zu erstellen. „Dabei habe ich den Umgang mit behinderten Menschen kennen gelernt. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ein Fotoprojekt daraus entstand, bei der die Lebenshilfe-Bewohner im Studio nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera stehen dürfen.“

Ob für Fahrdienste, als Helfer bei Veranstaltungen oder für die Freizeitbegleitung – ehrenamtliche Helfer werden bei der Lebenshilfe dringend gesucht. „Es gibt bei uns viele Möglichkeiten, sich ehrenamtlich zu engagieren“, so Sandra Schemm. Interessierte können sich mit ihr unter Tel. 0 23 51/6 68 02 20 in Verbindung setzen. - CG

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