ÖPNV im Kreis MK: Gegen den bundesweiten Trend

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Im Märkischen Kreis nutzen immer weniger Menschen öffentliche Verkehrsmittel. ▪

LÜDENSCHEID ▪ Der Trend geht zu Bus und Bahn: Laut einer bundesweiten Studie des Instituts für Mobilitätsforschung (ifo) lassen vor allem Jugendliche das Auto häufiger stehen und nutzen vermehrt die Dienste öffentlicher Verkehrsmittel. Eine Entwicklung, die sich allerdings nicht auf Lüdenscheid und den Märkischen Kreis übertragen lässt.

„Die Nutzerzahlen im Märkischen Kreis gehen gegen den Bundestrend zurück, und das teilweise deutlich“, sagt Peter tünch. Der Fachdienstleiter des Kreises für Bauen und Planung begründet diese Entwicklung mit der Alterung der Gesellschaft, von der die Region „besonders stark“ betroffen sei. „Kunden brechen weg, vor allem bei den Schülern, von denen es hier von Jahr zu Jahr weniger gibt“, erklärt Tüch. Ältere Menschen dagegen seien es gewohnt, das eigene Auto weiterhin zu nutzen. Gleichzeitig sei die Märkische Verkehrsgesellschaft (MVG), die im Märkischen Kreis 92 Prozent des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) stelle, durch Kostendruck zu Einsparungen gezwungen.

Problem: ÖPNV nicht

flächendeckend

Die Folge: Kein flächendeckender ÖPNV. „Gerade in den Außenbezirken können wir aus wirtschaftlichen Gründen oft nur Bedarfsfahrten anbieten“, sagt Jochen Sulies, Pressesprecher der MVG. Das bedeutet: Entweder kommen Linien zum Einsatz, die nur selten fahren, oder Bürgerbusse, die ebenfalls nur eingeschränkt unterwegs sind.

Jugendliche sind Jochen Sulies zufolge daher im Märkischen Kreis auf ein Auto angewiesen – vor allem abends und am Wochenende. Dass das Ergebnis der Studie einen bundesweiten Trend darstellen soll, lässt der Pressesprecher der MVG so nicht gelten. „Richtig ist, dass bei Verkehrsteilnehmern in Ballungsräumen, also Großstädten, eine Verlagerung hin zum ÖPNV zu beobachten ist. In ländlichen Regionen wie dem Märkischen Kreis allerdings ist das nicht der Fall“, erklärt Sulies.

Das sieht Jürgen Huhn genauso. „In ländlichen Gebieten ist man ohne Auto aufgeschmissen“, erklärt der Inhaber der Fahrschule Jürgen Huhn. Er gibt auf Nachfrage von yourzz.fm ebenso wie andere Fahrschullehrer aus Lüdenscheid an, dass sich die Trendwende im Verhalten der Verkehrsteilnehmer bislang nicht negativ auf sein Geschäft ausgewirkt habe. Im Gegenteil: „Ich habe in den letzten Jahren sogar zusätzliche Fahrschullehrer einstellen müssen“, so Huhn weiter.

An Wochenenden ist

das Auto ein Muss

Auch die Fahrschullehrer Jens Bracht und Frank Ecker können nach eigenen Angaben nicht über geringeren Zulauf junger Kunden klagen. „Lüdenscheid und Umgebung sind durch den ÖPNV eher schlecht versorgt“, findet Jens Bracht. „Vor allem an den Wochenenden müssen Jugendliche auf ein Auto zurück greifen, denn auch mit der Bahn kommt man von Hagen oder Dortmund aus zu später Stunde kaum oder gar nicht nach Lüdenscheid.“

Oliver Becker dagegen ist der Ansicht, dass sich für Lüdenscheid nicht nachvollziehen lässt, ob weniger Jugendliche den Führerschein machen wollen. „Die Anzahl der Fahrschulen und damit der Konkurrenten schwankt“, sagt der Fahrschullehrer.

Einzig Herbert Meier-Ewert beklagt einen Rückgang bei jungen Führerscheinaspiranten. Der ist seiner Meinung nach allerdings nicht einem veränderten Verkehrsnutzungsverhalten junger Menschen zuzuschreiben. Vielmehr macht der Fahrschullehrer die „geburtenschwachen Jahrgänge ´95 und ´96“ für weniger Anmeldungen verantwortlich – und die Wirtschaftslage: „Mittlerweile fehlt es sicherlich auch einigen am nötigen Geld, um sich den Führerschein leisten zu können“, sagt Meier-Ewert. ▪ Sven Prillwitz

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