Auf dem Weg zum Ölprinz

Familie Frimmel auf dem Weg nach Hause: „Wir halten hier, weil das nach dem Ruhrgebiet die erste Raststätte ist.“

Lüdenscheid - VEC, GG, MSP, WIL, OG, WGM – wir können uns zuerst gar nicht entscheiden, doch dann steuern wir auf MSP zu. Und das war – wie wir wenige Augenblicke später erfahren – eine gute Entscheidung. Es ist Ferienhalbzeit und für uns der Grund, dass wir an diesem Samstagmittag an der Raststätte Sauerland-West nach Urlaubern Ausschau halten.

Es ist 13 Uhr und wir treffen Siegfried Hopf und seine Familie beim Zwischenstopp auf dem Parkplatz der Raststätte. „Wir kommen aus Kreuzwertheim“, erklärt er und löst dann auch das Rätsel um sein Nummernschild auf. „MSP – das steht für Landkreis Main-Spessart.“ Siegfried Hopf kommt mit Frau, Sohn und Hund Brasko aus dem Urlaub. Den macht er aus Überzeugung nur in deutschen Landen. „Wir waren in Ostfriesland. Ich muss nicht ins Ausland fahren Es gibt doch hier noch so viel, was ich nicht kenne.“

Dazu kann Siegfried Hopf Lüdenscheid nicht wirklich zählen. Denn mit der Bergstadt verbindet er – „Briefmarken“. „Es gab hier früher einen Briefmarkenversand. 50 Marken konnte man bestellen und dann bekam man auch immer noch welche extra“, erinnert sich Siegfried Hopf. Mittlerweile ist Hund Brasko von seinem Auslauf zurück – und die Hopfs könne sich auf die letzte Etappe der Heimreise machen. „Wenn wir Glück haben, sind wir in zweieinhalb Stunden zuhause“, hofft Siegfried Hopf auf eine leere A45.

Das tun auch Cornelia Eype und ihr Mann Johannes Waterloo. Das niederländischen Paar ist mit dem Reisebus unterwegs nach Winterberg. „Wir fahren viel nach Deutschland, aber es geht zum ersten Mal nach Winterberg“, erklärt Cornelia Eype und lächelt dann verschmitzt. „Wollen Sie wissen, woher wir kommen? Aus Soest! Ja, sowas haben wir in den Niederlanden auch.“ Von Lüdenscheid hat das Ehepaar bisher noch nie gehört.

Ganz im Gegensatz zum Ehepaar Frimmel: „Wir haben immer mal wieder von der Sportklinik in Hellersen gehört und gelesen.“ Für Frimmels ist der Urlaub schon vorbei. Zwei Wochen waren sie in Friesland, mit ihrem Boot – und ihren Vierlingen. Wir staunen: Vierlinge, die so wenig Ähnlichkeiten haben? Wir können das Thema nicht vertiefen, denn Frimmels wollen nach Hause – Richtung Hessen. Die letzte Frage beantworten sie uns aber doch noch: Warum sie gerade hier an der Raststätte Sauerland-West Halt gemacht haben? „Weil das hier die erste Raststätte seit einer halben Ewigkeit war.“

Frimmels fahren zurück auf die Sauerlandlinie Richtung Hessen. Dorthin wollen auch zwei Familien aus Rotterdam. Während die Kinder auf dem Platz zwischen den Autos Fußball spielen, zeigen uns die Familienväter das Anschreiben der Ferienhaus-Vermieter. Es geht nach Gedern an den Rand des Vogelbergs. Ob es dort schön sei, fragen die Niederländer erwartungsvoll. Wir wissen es nicht, drücken aber die Daumen, dass sie Glück mit dem Urlaubsdomizil haben.

Neben den Rotterdamern parkt ein Wagen mit französischem Kennzeichen. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen. Auf Ferientour ist der junge Mann aus Straßburg aber nicht, wie wir sofort erfahren. Er habe seine Frau nach Dortmund gebracht, weil sie von dort aus einen Direktflug nach Donetz in die Ukraine bekommen habe.

Gerhard Hinrichs aus Leer in Ostfriesland ist mit seiner Familie unterwegs. „Nein, das ist kein Urlaub. Wir fahren nur fürs Wochenende nach Frankfurt.“ Plötzlich werden wir abgelenkt. Ein Dutzend Frauen macht es sich auf der Wiese neben dem Parkplatz gemütlich. Decken werden ausgebreitet, Tüten, Dosen und Flaschen ausgepackt – und ein Fäßchen Bier. „Wir sind auf dem Weg nach Elspe“, erklären die Frauen aus dem niedersächsischen Vechta. Den Ölprinz wollen sie sich anschauen. Warum? „Wir sind alle Reiter. Daher gefällt uns Winnetou einfach“, erklären die Damen unter lautem Gelächter.

Ihre Männer haben sie zuhause gelassen – „absichtlich“, wie sie kichernd anfügen. Lüdenscheid – ja, das kennen sie: „Loriots Herr Müller-Lüdenscheidt“, sagen die meisten. Nur eine der zwölf Damen hat noch mehr Wissen über die Bergstadt. „Mein Vater ist gebürtiger Lüdenscheider. Ich kenne das hier alles gut.“ Wir lassen die Damen allein, damit sie sich um ihr Hähnchen in Mandelkruste und den Obstsalat kümmern können. Ob wir auch etwas essen möchten? Wir lehnen ab und steuern wieder auf den Parkplatz zu. Und lesen weiter: AG, ES, FDS, BT, HHM …

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