Oberstes Ziel der Notaufnahme des Klinikums: Leben retten!

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Hier empfängt das Team der Notaufnahme des Klinikums Lüdenscheid im Jahr weit mehr als 30.000 Patienten.

[UPDATE: Kommentar zum Thema] LÜDENSCHEID ▪ 100 Prozent der Hochrisikopatienten in der Zentralen Notaufnahme (ZNA) des Klinikums Lüdenscheid werden spätestens nach einer Wartezeit unter zehn Minuten von einem Arzt behandelt.

68 Prozent der Patienten werden sogar innerhalb von nur fünf Minuten behandelt. Damit bleibt das ZNA-Team deutlich unter den Sollvorgaben etablierter Ersteinschätzungs-Organisationen, die eine Behandlung innerhalb von zehn Minuten vorsehen.

Diese Top-Ergebnisse einer dreimonatigen Auswertung von 4000 Patienten präsentierte das Team der Notaufnahme nach der Kritik von Eltern, die mit ihrer verletzten Tochter an einem Mittwochnachmittag zweieinhalb Stunden auf eine ärztliche Behandlung warten mussten. Wie berichtet, hatte die Dreijährige eine leichte Kopfplatzwunde erlitten.

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Lange Wartezeiten für Menchen mit leichteren Verletzungen oder Krankheiten seien in der Zentralen Notaufnahme für insgesamt 27 Fachabteilungen des Klinikums unvermeidbar, wenn es voll sei – was bei rund 34 000 Patienten pro Jahr an sehr vielen Tagen der Fall sei. Dies erläuterten Dr. Markus Bald, interdisziplinärer ärztlicher Leiter der Notaufnahme, und Bernhard Meyknecht, pflegerischer Leiter, am Mittwoch in einem Pressegespräch.

Vorrangige Aufgabe der Notaufnahme sei es, Patienten in lebensbedrohlichen Situationen schnellstmöglich zu helfen. Das gelte auch für Menschen, die innerhalb kurzer Zeit in akute Lebensgefahr geraten könnten. „Der Faktor Zeit spielt in der Notfallmedizin eine ganz entscheidende Rolle. Jede zeitliche Verzögerung beispielsweise bei Herzinfarkten oder Schlaganfällen kann die Heilungsprognosen der Patienten negativ beeinflussen“, sagte Dr. Bald.

Aus diesem Grunde arbeite die ZNA am Klinikum seit 2006 mit einem sogenannten Triagesystem (Triage=Dringlichkeitseinschätzung). Ziel des Systems sei es, aus der Vielzahl eintreffender Menschen in der Notaufnahme zuverlässig und zielsicher den am stärksten gefährdeten Patienten zu identifizieren und so zeitnah als eben möglich zu behandeln, erklärte Meyknecht.

Die in der Lüdenscheider ZNA praktizierte Ersteinschätzung sei überregional bekannt. Viele Kliniken in der Größenordnung des Klinikums Lüdenscheid – zuletzt das Klinikum Dortmund – kämen auch von weit her, um sich über die Praxis des Systems zu informieren.

Weil die Ersteinschätzung so wichtig sei, werde sie von einer erfahrenen Pflegekraft der Notaufnahme durchgeführt. Zudem sei der Aufnahmeschalter ausschließlich mit medizinischen Personal besetzt. Die Erfahrungen seit 2006 zeigten, dass sämtliche Einschätzungen leichterer Verletzungen oder Erkrankungen korrekt gewesen seien – was betroffenen Patienten im Extremfall sehr lange Wartezeiten von teilweise mehreren Stunden beschere, sagte Klinikum-Pressesprecher Thomas Köppelmann. Das gelte auch für die Dreijährige mit der leichten Kopfplatzwunde, die nach der Begutachtung durch den medizinischen Koordinator während der Wartezeit auch gemalt habe.

Unser Kommentar: Viel zu viele Nicht-Notfälle

Sobald ein Bericht über die Zentrale Notaufnahme (ZNA) des Klinikums Lüdenscheid erscheint, hagelt es Kommentare und Anrufe: Überwiegend melden sich Patienten oder Angehörige, die über schlechte Erfahrungen und unzumutbar lange Wartezeiten klagen. Es melden sich aber auch Menschen, die vehement Partei ergreifen für das Team der Notaufnahme und gegen Meckerer, die wegen leichter Verletzungen in der ZNA auftauchen.

Ein Kommentar von LN-Redakteur Wolfgang Kleinfeld.

Klar ist, dass Stresssituationen in der Notaufnahme programmiert und aktuell einfach nicht zu vermeiden sind – aus zwei Ursachen: Zum einen das mit rund 50 Köpfen viel zu kleine Team der ZNA für mehr als 34.000 Patienten pro Jahr; zum anderen zu viele Patienten, die mit leichten Erkrankungen oder Verletzungen gar nichts in der Notaufnahme zu suchen haben. Wegschicken können die Helfer keinen, der vor den Anmeldeschalter tritt. Auch nicht, wenn er morgens um 7 Uhr mit 37,5 „Fieber“ auftaucht – weil er zu bequem ist zu warten, bis eine Stunde später sein Hausarzt die Türe öffnet.

Die Ärzte haben eine Behandlungspflicht. Das bedeutet, dass sie die Grundtests bei allen Patienten durchführen müssen, ehe sie sie nach Hause schicken. Und das kann an manchen Tagen sehr, sehr viel Zeit kosten. Angesichts der finanziellen Ausstattung von Krankenhäusern wird sich an der Personalstärke nichts ändern. Ändern könnte sich nur etwas, wenn jeder Erkrankte prüft, ob er wirklich ein Notfall ist. Zum anderen sollte sich jeder aus dem ZNA-Team täglich bewusst machen, wie emotional aufgewühlt und besorgt ein Begleiter ist, dessen schwer kranker Angehöriger stundenlang warten muss, weil andere Patienten noch schlimmer dran sind. Ein Wort des Trostes oder eine Rückmeldung der Helfer trotz ihres Arbeitsstresses könnten da Wunder wirken. - Wolfgang Kleinfeld

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