Oberösterreich kopiert Lüdenscheider Caritas-Modell

Oberösterreich kopiert Lüdenscheider Caritas-Modell

Caritas-Direktor Hans-Werner Wolff

Lüdenscheid - Oberösterreich kopiert das Lüdenscheider Caritas-Modell. Für Bettler soll es in den bedeutenden Städten Linz, Wels und Steyr Wertmarken statt Geld geben.

Gewerbsmäßiges Betteln soll in der Region verboten werden, so das Ergebnis eines Spitzengesprächs zwischen Politik, Bürgermeistern und Polizei von Anfang Juni. Dabei helfen soll ein Projekt, das sich die Österreicher in Lüdenscheid abgeschaut haben. Explizit am Vorbild der Caritas Lüdenscheid orientiert sich das Modell, Bettlern Wertmarken in den Hut zu werfen, die sie bei caritativen Organisationen einlösen können und dafür lebensnotwendige Dinge zu erhalten. Er werde sich in dieser Hinsicht mit der Caritas in Verbindung setzen, kündigt Landeshauptmann Josef Pühringer von der Österreichischen Volkspartei an, berichtet die Zeitung „Kurier“.

Die Stadt Salzburg überlegt ebenfalls, auf diese Weise gewerbsmäßigen Bettlern das Leben schwer zu machen. Auch dort sollen Spender künftig Wertmarken caritativer Organisationen kaufen und sie Bettlern geben. Salzburgs Caritas-Direktor Johannes Dines allerdings spricht sich gegen den Vorschlag aus. „Die Menschen kommen ja zu uns, um letztlich Geld zu erbetteln und ihren Familien damit das Leben zu ermöglichen. Wenn man ihnen Wertmarken gibt im Sinne von Lebensmitteln, können sie ihr Ziel, die Familie zu Hause zu ernähren, nicht erreichen“, zitiert der Radiosender „Antennesalzburg“ den Kirchenmanager.

Dass das Modell umstritten ist, räumt auch der Lüdenscheider Caritas-Direktor Hans-Werner Wolff ein, der es zu Beginn dieses Jahres in Lüdenscheid in die Wege geleitet hat. Stoßrichtung in Lüdenscheid war dabei allerdings nicht in erster Linie, gezielt gegen gewerbsmäßige Bettelei vorzugehen. Anlass sei vielmehr gewesen, potenziellen Spendern die Sorge zu nehmen, ihr Geld könne statt für sinnvolle Dinge vielmehr für Alkohol, Drogen oder Zigaretten ausgegeben werden.

Mit der „Wertmarke 1 Euro“, wie sie bei der Caritas heißt, könne diese Gefahr ausgeräumt werden. Viel wichtiger aus seiner Sicht sei, dass mittellose Menschen darüber überhaupt erst den Hinweis auf die Beratungsstelle und so auch den Einstieg in professionelle Hilfen erhielten, verteidigt Wolff die Idee im Gespräch mit den LN.

Für die Caritas gehe es ausdrücklich nicht um eine Co-Finanzierung der Beratungsstelle, die sie im Martinushaus am Schättekopf betreibt. Zwar seien beim Neujahrsempfang der Gemeinde St. Petrus und Paulus allein 200 der Marken verkauft worden, doch im Prinzip sei die Stoßrichtung, dass das Geld in den Gemeinden bleibt, bei denen die Marken auch weiter erworben werden können und in denen mittellosen Menschen vielfach direkt und unbürokratisch geholfen wird. Wer die Marke in der Beratungsstelle einlöst, kann dort seine Wäsche waschen, duschen oder eine warme Mahlzeit erhalten.

„Der Euro, der dem Bettler hingeworfen wird, ist lange nicht so nachhaltig wie die Wertmarken-Aktion, schreibt der Lüdenscheider Caritas-Direktor daher auch in einem internen Kommentar für den Caritas-Verband.  - flo

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