Obdachlosenfreundeskreis feiert 20. Geburtstag

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Im vergangenen Jahr nahm das engagierte Team des OFK den Salzkorn-Preis der Landeskirche entgegen. ▪

LÜDENSCHEID ▪ Das Engagement von Monika Deitenbeck-Goseberg, gepaart mit einer von den Lüdenscheider Nachrichten initiierten Spendenaktion, legte die Grundlage für die Arbeit des Obdachlosenfreundeskreises (OFK). Das ist jetzt genau 20 Jahre her. Morgen feiert der OFK seinen runden Geburtstag mit einem Gottesdienst ab 10 Uhr und einem anschließenden Empfang im Kirchenhaus in Oberrahmede.

Nicht nur durch die Pfarrerin, sondern auch durch viele ehrenamtlich Engagierte, ist im Lauf der Jahre eine enge Verbindung zwischen der evangelischen Kirchengemeinde und dem OFK gewachsen, die aber nach wie vor weit über die Gemeindegrenzen hinausreicht. So findet beispielsweise das Montags-Bistro wöchentlich von 18 bis 22 Uhr mitten in der Stadt im Gemeindezentrum der Erlöserkirche statt.

Im Kirchenhaus in Oberrahmede gibt es in der Regel täglich ein Mittagessen für alle „Mitlebenden“ des OFK. Außerdem ist dort der Stützpunkt der „Möbelei“, die geschenkte Möbel abbaut und kostenlos weiterreicht. Auch eine Art Catering-Service entwickelte sich, der bei Veranstaltungen Bewirtungen, beispielsweise mit Kaffee und Kuchen oder Würstchen, übernimmt.

Angefangen hat alles 1992. 50 Menschen ohne Dach über dem Kopf wurden damals in der Bergstadt gezählt. Während die Johanniter einen ersten Container für die Unterbringung anschafften, wurde im November 1992 der Obdachlosenfreundeskreis gegründet. 56 Vertreter, beispielsweise von katholischen, evangelischen, freikirchlichen Kirchengemeinden, von Vereinen und Gewerkschaftsgruppen, waren der Einladung von Monika Deitenbeck-Goseberg gefolgt. Zeitgleich lief im November und Dezember in den LN die Aktion „Wir bauen ein Dach“. Dadurch kamen 143 000 D-Mark an Spenden zusammen. Die Johanniter konnten drei Container, die am Nattenberg postiert wurden, und zehn Wohnungen an der Hohen Steinert anschaffen.

Von Beginn an besuchten Mitglieder des OFK die Bewohner der Container wöchentlich, hörten sich die Lebensgeschichten an und nahmen sie mit zu Veranstaltungen wie Konzerten oder Gemeindefesten. Ab Januar 1994 begann das nächste Abenteuer für den Verein, indem der OFK erstmals selbst als Mieter von zwei Wohnungen auftrat. Daraus wurden in den folgenden Jahren insgesamt 19 Wohnungen, die zunächst untervermietet wurden. Aufgrund der guten Erfahrungen, so Monika Deitenbeck-Goseberg, wurden diese Verträge Mitte später in eigenständige Mietverträge umgewandelt.

An die Stelle der Notschlafstellen in den Containern trat das Wohnheim für Obdachlose des Perthes-Werkes im Amalie-Sieveking-Haus. Außerdem entwickelte die Wohnungslosen-Beratungsstelle der Caritas mit Thomas Becker und Ulrich Birkner eine „engmaschige Beratung und Begleitung“, berichtet Monika Deitenbeck-Goseberg.

Ein festes Konzept für die Arbeit gab es bei Gründung des OFK noch nicht. Dies entwickelte sich erst im Lauf der Jahre. „Immer sind die Mitarbeitenden ihrem Herzen gefolgt. Immer haben sie getan, was in der jeweiligen Situation wieder dran war. Menschen mit Herz und zunächst ohne Erfahrung machten sich auf den Weg der Begleitung“, so beschreibt es die Pfarrerin.

Der OFK ist ein Beispiel dafür, wie aus einer Initiative eine feste Einrichtung wird, die aus der Stadt nicht mehr weg zu denken ist. Das erfolgreiche Konzept der individuellen Hilfe zur Selbsthilfe wurde im vergangenen Jahr mit dem „Salzkorn“-Preis der evangelischen Landeskirche von Westfalen ausgezeichnet. ▪ gör

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