Urteil nach Lkw-Unfall: Fahrer war übermüdet

Tod und Chaos auf der A45: Der Verursacher des Unfalls am 5. September 2012 ist zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Lüdenscheid - Ein 44-jähriger Mann ist zu 14 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er ist verantwortlich für einen tödlichen Verkehrsunfall auf der Sauerlandlinie. Der Unfallfahrer war offenbar übermüdet.

Von Olaf Moos

5. September 2012, 7.25 Uhr, Sauerlandlinie bei Lüdenscheid Süd: In den letzten Sekunden seines Lebens sieht der Lastwagen-Fahrer (56) aus Dortmund einen roten Volvo-Sattelschlepper auf sich zurasen. Er versucht zu bremsen, die Blockierspur wird 28 Meter lang, doch die Katastrophe nimmt ihren Lauf. Der Dortmunder ist sofort tot, zermalmt in seinem Führerhaus. Jetzt verurteilte das Schöffengericht den Unfallverursacher auf Bewährung zu 14 Monaten Gefängnis.

Der Angeklagte, ein 44-jähriger Pole mit breiten Schultern und derben Gesichtszügen, schaut traurig und ratlos drein. Er ist unter anderem schuldig der fahrlässigen Tötung und des Fahrens unter dem Einfluss berauschender Mittel, wie es auf Juristendeutsch heißt. Er hat keinen Job mehr, keinen Führerschein, ist in Psychotherapie und ein Versorgungsfall für seine Eltern.

Und seine Verteidigungsstrategie ist brüchig. Rechtsanwalt Arnold Fetzer aus Görlitz setzt auf vermeintliche Widersprüche zwischen einzelnen Zeugenaussagen. Sein Mandant erzählt, er sei plötzlich ohnmächtig geworden – und habe direkt nach der Kollision auf der Gegenfahrbahn Tabletten genommen. So sei der Wirkstoff in seinem Blut zu erklären. „Mehr weiß ich nicht mehr.“

Aber für Staatsanwalt Marco Klein gibt es keinen Zweifel. „Der Angeklagte war übermüdet.“ Er hätte, spätestens als er sich den ersten Schlenker auf die Standspur geleistet habe, „die Notbremse ziehen“ und anhalten müssen. Doch der Volvo, beladen mit 21 Tonnen mannshoher Papierrollen, schlingert über die Sauerlandlinie und durchbricht die Mittelschutzplanke. Kfz-Sachverständiger Lutz Bölter aus Neuenrade schließt technische Mängel an dem Lastwagen aus.

Einem Zeugen, Iserlohner und selbst seit 37 Jahren als Trucker auf Tour, hat der Angeklagte in Höhe des Rastplatzes Drögenpütt die Vorfahrt geschnitten. Der Fernfahrer sagt: „Die Auswärtigen fahren ja meistens wie die Schweine.“ Ein weiterer Autofahrer, der den roten Sattelzug kurz vor dem Unfall mit einem Lieferwagen überholt hat, erinnert sich an den Seitenblick auf den Mann am Steuer. „Der hat sich geräkelt und gereckt und gegähnt.“

Richter Thomas Kabus zitiert einen weiteren belastenden Passus aus den Akten. „In den vier Wochen vor dem Unfall hat der Angeklagte 16 Verstöße gegen die Vorschriften für Lenk- und Ruhezeiten begangen.“ Und die Tabletten könne er nur vor dem Unfall eingeworfen haben, nicht aber direkt danach. „Das sind Schutzbehauptungen.“

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