Adolf-Reichwein-Gesamtschule

Nur noch mit 2G: Schule aus MK erwägt, nicht mehr alle mit auf Klassenfahrt zu nehmen

Schulgebäude bei Sonnenschein
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Wer darf mit auf Klassenfahrt? Die Frage polarisiert dieser Tage an der Adolf-Reichwein-Gesamtschule am Lüdenscheider Wehberg.

Impfdruck oder Risikoabwägung? Die Meinungen gehen auseinander. Die Adolf-Reichwein-Gesamtschule in Lüdenscheid erwägt, nur noch geimpfte und genesene Schüler mit Klassenfahrt zu nehmen.

Lüdenscheid – Die Corona-Pandemie und ihre immer wieder neuen kniffligen Fragestellungen: Die Quarantäne für die Schüler hat das Land NRW nach den Beratungen der Gesundheitsminister am Montag inzwischen auf ihre Art beantwortet. Aber wie soll man es eigentlich zum Beispiel mit Klassenfahrten halten? Wie sinnvoll sind sie in dieser Zeit? Und vor allem: Unter welchen Rahmenbedingungen erscheinen sie durchführbar?

An der Adolf-Reichwein-Gesamtschule am Wehberg, mit 1300 Schülerinnen und Schülern ein Koloss in der Lüdenscheider Schullandschaft, ist Anfang des Monats für Siebtklässler mit Blick auf eine geplante Klassenfahrt nach Amrum ein Fragebogen an die Eltern versandt worden.

Drei Antwortmöglichkeiten hatte die Elternschaft: Entweder konnte sie mit einem Kreuz bestätigen, dass ihr Kind die Reise geimpft antreten wird. Oder es konnte die Aussage angekreuzt werden, dass das Kind nicht geimpft wird, die Eltern es aber im Falle eines positiven Corona-Tests persönlich im privaten Pkw von der Insel abholen würden. Die dritte Alternative: Keine Impfung, keine Abholmöglichkeit. In diesem Fall stellte die Schule in Aussicht, dass eine Teilnahme an der Klassenfahrt nicht möglich sei.

Nur noch mit 2G: Schule aus MK nimmt nicht mehr alle mit auf Klassenfahrt

Ein Teil der Elternschaft rebelliert nun gegen diesen Weg. Im sozialen Netzwerk Facebook ist von Erpressung und Impfdruck die Rede. Die Mutter eines Schülers, die anonym bleiben möchte, weil sie Nachteile für ihren Sohn befürchtet, sagt im Gespräch mit der Lokalzeitung: „Ich finde es nicht so prickelnd, Kinder so unter Druck zu setzen. Wir sind grundsätzlich überhaupt nicht gegen das Impfen. Und natürlich möchte mein Sohn auch mit auf Klassenfahrt fahren. Aber ist es der richtige Weg, so einen Druck auszuüben? Und wie verhält es sich bei Kindern, die sich aus nachvollziehbaren Gründen gar nicht impfen lassen dürfen? Vielleicht auch aus religiösen Gründen. Ich kann das nicht verstehen – auch das Argument mit dem Abholen nicht. Das würden die Eltern doch sowieso aus Sorge machen, wenn so etwas festgestellt würde...“

Frank Bisterfeld ist der Schulleiter am Wehberg. Natürlich freut es ihn nicht, wenn nun in Mails mit dem Ausdruck der Empörung verteilt wird, dass er als Schulleiter ausschließlich Geimpfte zur Klassenfahrt zulassen würde. Bisterfeld widerspricht dieser Aussage auch vehement.

„Im Moment ist alles in der Schwebe“, sagt er, „wir warten auf eine Verfügung des Landes, die so etwas ganz klar regelt. Aber klar ist auch, dass man bis dahin sehr vorsichtig das Risiko abwägen muss bei Klassenfahrten. Ich werde meiner Verantwortung als Schulleiter gerecht, wenn ich sehr, sehr gut prüfe, ob und wie eine Klassenfahrt möglich ist. Genauso ist es mit der Bezirksregierung auch abgesprochen. Auch mit meinem Dezernenten ist vereinbart, dass eine Klassenfahrt im Zweifel nicht genehmigt wird.“

Wer trägt die Kosten, wenn etwas schiefläuft?

Es geht Bisterfeld um die Risikoabwägung und in diesem Kontext natürlich auch um den Impfstand, denn wenngleich sich auch Geimpfte und Genesene infizieren können mit dem Virus, so ist die Gefahr bei Ungeimpften doch eine statistisch höhere. Und das erhöht eben auch das Risiko, das die Schule bei einer Klassenfahrt möglicherweise vor Problemen stehen könnte. Wie verfährt man mit positiv Getesteten? Wie mit den Schülern, die in Quarantäne müssen? Wer trägt die Kosten in diesen Fällen? Wer übernimmt die Verantwortung, wenn Long-Covid-Fälle auftreten? Es sind Fragen, die auch Bisterfeld nicht beantworten kann. Das Land hat dazu nichts festgelegt. Nur eines steht für Bisterfeld fest: Einen Kostenersatz für Stornierungen vom Land wie im Jahr 2020 wird es nicht mehr geben. Seinerzeit flossen aus der Landeskasse 57 000 Euro an die Reichwein-Gesamtschule.

„Grundsätzlich freut sich die Schule über jeden Klassenlehrer, der auf Klassenfahrt fahren will und das Risiko auf sich nimmt“, sagt Bisterfeld und führt das Positiv-Beispiel einer geplanten Skifreizeit an. Die Schüler, die dort mitfahren, werden allesamt geimpft sein. Es ist für ihn der Königsweg: „Das Beste ist, wenn alle geimpft sind“, sagt Bisterfeld, „dann können alle fahren. Und trotzdem gilt: Nachsteuern kann man immer noch. Es bleibt unterm Strich immer ein Risiko. Man sollte die Dinge immer sensibel handhaben. Das ist der Status quo. Und nun warten wir mal ab, was die Landesregierung am Ende dazu festlegen wird.“

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