Großer Andrang

Nur ein Pieks: Impfen ohne Termin in Lüdenscheid kommt gut an

Der Andrang an der Schützenhalle ist groß. Dem Aufruf des Märkischen Kreises, sich ohne Anmeldung impfen lassen zu können, folgen am Freitag etwa 430 Menschen.
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Der Andrang an der Schützenhalle ist groß. Dem Aufruf des Märkischen Kreises, sich ohne Anmeldung impfen lassen zu können, folgen am Freitag etwa 430 Menschen.

Selbst ein plötzlicher Wolkenbruch kann den Impfwilligen die Laune nicht verderben. Die Möglichkeit sich ohne Anmeldung in der Schützenhalle immunisieren zu lassen, spricht sich schnell herum.

Lüdenscheid – Der zur Parkfläche umfunktionierte Schützenplatz ist voll, auf dem Fußweg daneben stehen die Menschen an. Und sie stehen fast bis zur Straße.

Bereits eine Viertelstunde früher als geplant öffnet das Impfzentrum, einige Meter macht die Schlange gut, bis die ersten Personalien im Zelt vor dem Eingang aufgenommen werden. Auch das scheint gut zu klappen, denn die Menschen bewegen sich nun in einem stetigen Stakkato Richtung Schützenhalle.

Unter ihnen sind auch Ute und Joachim Thulfaut aus Menden. Sie haben aus der Zeitung von der Impfaktion erfahren und seien „extra zeitig“ angereist, sagt der 61-Jährige. Dass das Ehepaar jetzt warten muss, stört sie aber nicht, auch wenn die Entscheidung, sich gegen eine Coronainfektion zu schützen, weniger aus „Eigennutz“ zustande komme, sagt die 62-Jährige. „Wir kreisen eigentlich nur um unseren Kirchturm, haben aber Enkel in allen Altersklassen. Da überlegt man schon das Impfangebot anzunehmen“, sagt die Mendenerin und lacht. Zeit hätten sie genug mitgebracht, sagt ihr Mann.

Der Regen prasselt um kurz nach 15 Uhr auf die Wartenden nieder. Vom Ende der Schlange bis ins Zelt dauert es anfangs knapp 45 Minuten.

Ein paar Meter vor den Mendenern schiebt sich eine ergraute, elegant gekleidete Dame mit ihrem Rollator Stück für Stück dem Eingang entgegen. „Ich wohne gleich auf der anderen Straßenseite“, sagt die 90-Jährige, die für ein Gespräch kurz innehält. Aus gesundheitlichen Gründen habe sie sich bisher gegen die Impfung entschieden, sagt sie. Zwei Spritzen seien ihr daher nicht geheuer. „Eine Impfung kann ich hoffentlich ganz gut verkraften.“ Vor ihr in der Schlange hat sich ein Loch aufgetan, doch die Wartenden hinter ihr bleiben geduldig. „Es drängelt sich schon niemand vor. Es sind ja nicht nur Schufte hier unterwegs“, sagt die Lüdenscheiderin und schiebt ihren Rollator weiter, während die Leute hinter ihr entspannt auflachen.

Fast 70 Jahre jünger ist Chris Seidlitz aus Werdohl. Der 21-Jährige ist glücklich, durch das freie Angebot jetzt schon geimpft werden zu können. „Der Hersteller ist mir dabei egal“, sagt er.

Das sieht ein 26-jähriger Student aus Altena anders. Für ihn sei das wichtigste Auswahlkriterium des Impfstoffes gewesen, dass mit dem Vakzin von Johnson und Johnson keine zweite Impfung nötig ist. „Nur ein Stich in 14 Tagen. Das ist das Entscheidende.“

Sarah-Marie Tsakiridis aus Lüdenscheid sieht das Impfangebot auf Facebook und nimmt Ehemann Theoharis und Vater Hans-Joachim Wojciechowski gleich mit.

Auch „Impftouristen“ finden sich am Freitag vor der Schützenhalle ein. „Wir haben heute frei, also haben wir entschlossen nach Lüdenscheid zu fahren und uns impfen zu lassen“, sagt eine 51-jährige Iserlohnerin. Auch für das Paar sei es wichtig gewesen, dass es mit Johnson und Johnson nur eine Spritze braucht, führt ihr Ehemann aus.

Während die Kolonne auf das Impfzentrum zuwandert, schlägt ein Mann die Gegenrichtung ein, ruft in die Menge und winkt einige Personen wild gestikulierend an der Masse vorbei. Dieser Mensch ist Bernd Bentscheid vom Märkischen Kreis und die „privilegierten“ Personen sind Impflinge, die einen Termin gebucht haben.

Bentscheid ist zufrieden, wie gut alles funktioniert. „Wir konnten ja nicht vorhersehen, wie viele Menschen kommen werden“, sagt er. Die Stimmung sei aber gut und alle Altersklassen vertreten.

Das bestätigt auch Kreissprecher Alexander Bange. „Einige Menschen waren über 80 Jahre alt.“ Der Großteil der Impfwilligen sei mit 18 bis 40 Jahren deutlich jünger. „Heute haben wir etwa 430 Dosen verimpft“, sagt Bange. Gut 700 Dosen stünden am heutigen Samstag zwischen 10 und 12 und zwischen 14 und 18 Uhr zur Verfügung. Oder, wie Bentscheid den Wartenden bereits am Freitag entgegenruft: „Wir haben genug für alle da.“

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