Betriebsrat auf den Barrikaden

 "Nacht- und Nebelaktion": Unternehmen im MK verlegt Maschinen

Das Unternehmen Linden im MK baut Maschinen ab. Der Betriebsrat habe davon per WhatsApp erfahren.
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Das Unternehmen Linden im MK baut Maschinen ab. Der Betriebsrat habe davon per WhatsApp erfahren.

In Zeiten des Coronavirus sät ein solches Zeichen Unsicherheit: Ein Unternehmen im MK baut Maschinen ab und transportiert sie ins Ausland. Doch da hat eine Partei noch nicht mitgesprochen.

Lüdenscheid - Der Abbau und Abtransport einiger Industriemaschinen hat am Samstag in Lüdenscheid für Zoff gesorgt. Dort ließ der Autoteile-Hersteller Linden per Kran mehrere Kunststoffspritzmaschinen verladen und von der Kalver Straße in andere Werke der Firmengruppe im Kosovo und in Tschechien transportieren. An einem weiteren Standort an der Nottebohmstraße wurden die dazugehörigen Werkzeuge verladen. Günter Jütte, Betriebsratsvorsitzender der Firma mit rund 170 Mitarbeitern fiel aus allen Wolken: "Ich habe heute morgen per WhatsApp davon erfahren. Das ist eine Betriebsänderung ohne Kenntnis des Betriebsrates. So eine Betriebsänderung verstößt gegen das Betriebsverfassungsgesetz."

Sofort habe er seine Betriebsratskollegen und die IG Metall mobilisiert, doch in Zeiten der Corona-Krise sei es schwierig, einen angemessenen Protest zu organisieren. Der Betriebsrat der zur Heinze Gruppe gehörenden Linden GmbH geht davon aus, dass der Zeitpunkt bewusst gewählt worden sei. Nach seiner Befürchtung hängen an den sechs demontierten Maschinen hängen etliche Arbeitsplätze, die nun wegfallen könnten. "Das ist eine Nacht- und Nebelaktion", beurteilt Jütte das Vorgehen der Geschäftsleitung.

Linden in Lüdenscheid: IG Metall erwägt juristische Schritte

Das sieht auch die IG-Metall so. Bevollmächtigter Torsten Kasubke spricht von Wild-West-Methoden, hat sogar versucht, den Abtransport mit juristischen Mitteln zu verhindern. Auf dem Firmengelände kommt es zum Eklat mit lautstarken Anschuldigungen, auch die Polizei muss anrücken. Die Beamten sehen das aber als zivilrechtlichen Fall und konnten deshalb lediglich beschwichtigen.

Gewerkschaft und Betriebsräte werfen den Verantwortlichen vor, an einem Samstag mitten in der Corona-Krise klammheimlich Fakten zu schaffen. Zwar sei es grundsätzlich möglich, derartige Aktionen per einstweiliger Verfügung zu stoppen, doch dies gestaltet sich am Wochenende als praktisch unmöglich. Zwar gäbe es durchaus Richter in Bereitschaftsdiensten, so Kasubke, aber es handele sich hier um einen Fall für das Arbeitsgericht. So ein komplexes Thema fasst am Wochenende keiner an.

Linden in Lüdenscheid: Mangelnder Protest wegen Coronavirus?

Dazu kommt: Viele Linden-Mitarbeiter befinden sich derzeit Corona-bedingt in Kurzarbeit, so sei es auch schwierig, Protest zu organisieren. Der obendrein wegen Corona derzeit verboten ist. Ob ein Eilantrag beim Arbeitsgericht in der kommenden Woche helfen kann, steht in den Sternen. Nach Angaben der Gewerkschafter ist auf Seiten der Firma ein Manager involviert, der bereits beim Automobilzulieferer DURA in Plettenberg Erfahrung damit gesammelt hat, wie solche Aktionen ohne angemessene juristische Würdigung durchgezogen werden.

Dirk Lütgert, Sprecher der Heinze-Gruppe, will die Sache entschärfen. Auf Anfrage teilt er telefonisch mit, der Abbau habe schon am vergangenen Donnerstag begonnen, keinesfalls hinter dem Rücken der Belegschaft. Auf den Maschinen sei ohnehin schon länger nicht mehr produziert worden. Wie lange genau, konnte er nicht präzisieren. Er verweist auf die schon seit längerem laufenden Gespräche mit Gewerkschaft und Betriebsrat, die seiner Ansicht nach von deren Seite nicht sehr kooperativ geführt würden.

Linden in Lüdenscheid: Abbau von Arbeitsplätzen nicht geplant

Außerdem sei kein konkreter Abbau von Arbeitsplätzen am Standort Lüdenscheid geplant. Die heutige Reaktion der IG Metall sowie der Betriebsräte sieht er als völlig überzogen an. Der Abbau von ungenutzten Fertigungskapazitäten sei ein in der Wirtschaft üblicher Vorgang. Die Arbeitnehmervertreter hingegen machen sich konkret Sorgen um etwa 30 Arbeitsplätze, die mit den demontierten Maschinen verbunden seien.

Auch IG-Metall-Vertreter Kevin Dewald bestätigt, dass die Verlagerung der Maschinen durchaus schon einiger Zeit ein Thema war. Er betreut den Linden-Betriebsrat schon seit langem und ist sich in einem Punkt mit Unternehmenssprecher Lütgert einig: Die Gespräche zwischen Geschäftsleitung und Gewerkschaft verlaufen zäh und schwierig. Dewald sieht mit dem Abtransport einen großen Vertrauensverlust verbunden. Das wird die Verhandlungen in Zukunft sicherlich belasten. Die Arbeitnehmervertreter kündigten an, nicht aufzugeben, sondern versuchen zu wollen, die Maschinen zurückzubekommen. Illusionen macht man sich allerdings nicht, allen ist klar, wie schwierig das wird.

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