Lüdenscheid will sich Vorkaufsrecht sichern

Lüdenscheid: Novelis schließt Werk mit 200 Arbeitsplätzen - mehr Platz für junge Familien

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Das Unternehmen Novelis schließt sein Werk an der Wiesenstraße 2020. Anschließend soll der Komplex verkauft werden. Geht es nach der Stadtverwaltung könnten hier ein Neubaugebiet entstehen.

Lüdenscheid – Die Stadt Lüdenscheid plant den Kauf des Novelis-Geländes an der Wiesenstraße. Dort produziert der Weltkonzern noch bis Mitte nächsten Jahres Alufolie.

  • Novelis schließt das Werk an der Wiesenstraße in Lüdenscheid
  • Die Produktion soll im Sommer 2020 auslaufen
  • Die Stadt Lüdenscheid sichert sich ein Vorkaufsrecht für das Areal

Im Sommer hatte Novelis angekündigt, den Betrieb in Lüdenscheid aufzugeben. Die Immobilie solle anschließend vermarktet werden. Erster Interessent: die Stadt Lüdenscheid. 

Novelis-Areal: Stadt Lüdenscheid will sich drei Teilbereiche sichern

Wie aus einer Beschlussvorlage für den Stadtplanungs- und Umweltausschuss am Mittwoch (18 Uhr, Ratssaal) hervorgeht, will sich die Stadt das Vorkaufsrecht für das gesamt Novelis-Areal beidseitig der Wiesenstraße sichern, zusätzlich die angrenzenden ehemaligen Firmengelände der Unternehmen Markes und Kostal

Dafür hat die Stadtverwaltung eine Satzung „zur Ausübung eines besonderen Vorkaufsrechts“ für die genannten Flächen vorgelegt, über die die Ratsmitlieder in der Ratssitzung am 2. Dezember entscheiden. Das Vorkaufsrecht gilt auch für den Novelis-Parkplatz nördlich der Wiesenstraße.

Novelis-Standort: Lüdenscheid will Vorkaufsrecht anwenden

Kommunen können sich das Vorkaufsrecht sichern und damit auch private Investoren ausbremsen, um eine „geordnete städtebauliche Entwicklung“ in ihrem Einflussbereich zu gewährleisten. 

Ein Vorkaufsrecht ist dabei nicht gleichbedeutend mit dem tatsächlichen Kauf. Der Verkäufer muss aber im Verkaufsfall zunächst mit der Stadt verhandeln. Nur wenn die Stadt verzichtet, kommen private Investoren zum Zuge. Der Preis orientiert sich immer an der Marktsituation.

Stadt Lüdenscheid plant ein Neubaugebiet auf dem Novelis-Gelände

Zur Begründung des Vorkaufsrechts verweist die Stadt Lüdenscheid auf die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt. Sie plant demnach nach einem möglichen Kauf des Areals an der Wiesenstraße ein Wohngebiet. Laut Stadtverwaltung ist die Lage für innerstädtisches Wohnen ideal und der Ausweisung von Baugebieten im Außenbereich („grüne Wiese“) in jedem Fall vorzuziehen. 

Das Zentrum Lüdenscheids liegt laut Beschlussvorlage nur rund 720 Meter entfernt. Im Nahbereich befinden sich zudem die Tinsberger Schule, sieben Kindertagesstätten sowie der Lidl-Discounter an der Altenaer Straße – perfekte Bedingungen für junge Familien. 

Stadt Lüdenscheid steht vor großen Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt

Nach eigenen Angaben steht die Stadt vor „großen Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt“. So hat das Handlungskonzept Wohnen (HWK) für Lüdenscheid einen Bedarf von 1.000 neuen Wohneinheiten bis 2025 ermittelt – etwa die Hälfte davon in Ein- und Zweifamilienhäusern. Das Areal an der Wiesenstraße – in unmittelbarer Nachbarschaft zur neuen Feuer- und Rettungswache – könnte das größte innerstädtische Neubaugebiet Lüdenscheids werden.

Novelis kündigte im Sommer die Schließung an

Am 11. August wurden die Pläne für die Schließung des Novelis-Werks in Lüdenscheid an der Wiesenstraße erstmals öffentlich bekannt. Nach einer Mitteilung des Konzerns zwängen sinkende Erlöse bei der Produktion von Aluminiumfolien das Unternehmen dazu, den Standort vollständig aufzugeben, hieß es. Die Entscheidung stieß in Lüdenscheid auf heftige Kritik

Mit der Schließung des Aluminium-Walzwerks geht in Lüdenscheid eine hundertjährige Aluminium-Tradition zu Ende. 2012 hatte Novelis bereits drei Folienproduktionsstandorte in Rugles (Frankreich), Dudelange (Luxemburg) und Berlin verkauft. Die endgültige Stilllegung des Lüdenscheider Werks ist für den Sommer nächsten Jahres geplant. 

Davon betroffen sind rund 200 Arbeitsplätze in der Kreisstadt. Die Produktionslinie „extrudiertes Kabel- und Rohrband“ als zweite Sparte des Standortes Wiesenstraße wird nach letzten Planungen ins Werk Plettenberg-Ohle verlegt. Der Werkleiter bedauerte die Schließung in Lüdenscheid, begrüßte aber die Verlagerung nach Plettenberg. 

Interessant auch aus Lüdenscheid: Bei einer Hochhaus-Kontrolle in Lüdenscheid stellte die Stadt lebensgefährliche Mängel an Fassaden fest. Derweil sorgt eine Bahn-Studie für Aufregung im MK, denn die Region ist erst gar nicht untersucht worden. Dennoch wird eine S-Bahn von Lüdenscheid nach Köln gefordert. 

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