Notaufnahme: Lange Wartezeiten, defekte Toilette, Patienten im Gang - das sagt das Klinikum

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Vieles spielt sich in der Notaufnahme hinter den Kulissen ab, ohne dass die Patienten es bemerken.

Lüdenscheid – Die Notaufnahme des Klinikums Lüdenscheid hat einen Sicherheitsdienst beauftragt, um die Mitarbeiter zu schützen. Dass Patienten allerdings etwa wegen langer Wartezeiten verärgert sind, ist laut LN-Leserin Rosemarie Schröder verständlich.

Sie selbst machte erst kürzlich negative Erfahrungen in der Notaufnahme, weshalb sie sich an unsere Redaktion wandte und die Ereignisse schilderte. Doch nicht alle Eindrücke der Patienten entsprächen auch den tatsächlichen Umständen, äußerte sich das Klinikum dazu auf Nachfrage. 

Aber von vorne: Anfang November suchte Rosemarie Schröder die Notaufnahme zur Mittagszeit auf. Wie sie erzählt, litt sie seit mehreren Tagen unter Magen-Darm-Problemen und befürchtete eine Austrocknung. 

Frauentoilette defekt, andere verdreckt

Bereits vor einigen Jahren sei sie das erste Mal daran erkrankt und habe das Krankenhaus in Altena (inzwischen geschlossen) aufgesucht, wo sie auf der Isolierstation mit Infusionen versorgt worden sei. In der Lüdenscheider Notaufnahme angekommen habe man ihr gesagt, dass sie mit einer längeren Wartezeit von mindestens zwei Stunden rechnen müsse, da es sehr voll sei. Im „Warteraum waren aber nicht viele Personen anwesend“, sagt Schröder. 

Die einzige Frauentoilette sei defekt gewesen und die Männertoilette stark verdreckt. Dreieinhalb Stunden später war sie nach wie vor unbehandelt, erzählt sie und erinnert sich: „Seitlich abgestellt schrie eine Frau vor Schmerzen. Erst nach eineinhalb Stunden wurde diese Frau abgeholt. Wieso lässt man diese Patientin so lange leiden?“, fragt sie. 

Nach Rücksprache mit einer Mitarbeiterin sei ihr gesagt worden, dass es nur einen Arzt gebe. Nach vier Stunden Wartezeit habe sie sich schließlich abholen lassen, „ich möchte nicht wissen, wie lange ich dort noch gesessen hätte. Man kann nicht verstehen, warum Krankenhäuser ringsherum geschlossen werden – alles muss nun nach Lüdenscheid, um Stunden zu warten, bis einem endlich geholfen wird“. 

Elf Fälle, sechs davon in Lebensgefahr

Wie es zu solchen Situationen kommen kann, erläuterte Corinna Schleifenbaum als Leiterin der Unternehmenskommunikation des Klinikums. Das Team der Notaufnahme habe den Tag nach Möglichkeit rekonstruiert, „aus Datenschutzgründen können wir aber natürlich keine Details bekanntgeben“, betont Schleifenbaum und ergänzt: „Ich kann die Verärgerung auch nachvollziehen, ein wartender Patient bekommt nicht mit, was in anderen Bereichen der Notaufnahme passiert.“ 

Das erwecke schnell einen falschen Eindruck. An dem besagten Tag Anfang November ist das laut Schleifenbaum der Fall gewesen: „Als die Patientin in die Notaufnahme kam, waren zwischen 11 und 16 Uhr elf internistische Fälle zu versorgen – sechs davon in akuter Lebensgefahr. Der zuständige Arzt und das Team waren sehr beschäftigt, die Menschen zu retten.“ 

"Kein akuter Notfall"

Natürlich gebe es mehrere Ärzte in der Notaufnahme, betont sie. Aber für verschiedene Fachbereiche. „Die Patientin war ein Fall für den Internisten, der mit den vielen Fällen an diesem Tag beschäftigt war.“ Und bei Rosemarie Schröder habe es sich aus Sicht der Ärzte um keinen akuten Notfall gehandelt. Daher seien die anderen Fälle vorgezogen worden. 

Zu den hygienischen Umständen der Toiletten sagt Schleifenbaum: „Man kann das leider nicht immer vermeiden, zwischen den Reinigungsintervallen kann es vorkommen, dass die Toiletten dreckig hinterlassen werden. Aber die Mitarbeiter der Notaufnahme freuen sich über Hinweise, da sie das sonst nicht mitbekommen.“ 

"Niemand liegt dort unversorgt rum"

Warum eine Frau an diesem Tag seitlich abgestellt geschrien habe, lässt sich laut Schleifenbaum nicht mehr rekonstruieren, „aber das kann verschiedene Ursachen haben. Sicher sagen kann ich: Das Team der Notaufnahme hat die Patienten im Blick und niemand liegt dort unversorgt rum“. 

Eine Möglichkeit sei, dass sie Schmerzmittel erhalten habe, die noch nicht wirkten, vielleicht dement war oder es sich um eine Delir-Patientin handelte – ein Verwirrtheitszustand, der unter anderem aufgrund eines Schocks oder Unfalls eintreten könne. 

„Manche Patienten bleiben im Gang liegen, eben damit sie vom Team gesehen werden.“ Der Ärger sei nachvollziehbar, „aber Ärzte schätzen die Situationen oft anders ein als ein Patient sie sieht“.

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Kommentare

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Kommentare

Andreas SchmidtAntwort
(0)(0)

Wenn andererseits in Hellersen alles noch so gut funktionieren würde wie Labor und Notaufnahme, wäre ich schon hochzufrieden...

LäuferAntwort
(0)(0)

Ich glaube eigentlich nicht, dass Hein so blöd ist.

LäuferAntwort
(0)(0)

Das mag sein.