#Nofilter im MK

Coronaviren-Stopper für 500 Klassenräume nicht im Budget

Vier mobile Luftfilter hat das Zeppelin-Gymnasium nach einer privaten Spende erhalten. Sie werden allerdings nicht in Klassenräumen eingesetzt.
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Vier mobile Luftfilter hat das Zeppelin-Gymnasium nach einer privaten Spende erhalten. Sie werden allerdings nicht in Klassenräumen eingesetzt.

Um auch während der Pandemie Präsenzunterricht in den Schulen zu ermöglichen, gelten Luftfilteranlagen als optimale Lösung. Sie sollen Coronaviren in der Raumluft zuverlässig entfernen. Die Schüler und Lehrer könnten dann im Klassenraum sogar die Schutzmasken absetzen.

Lüdenscheid – Die Stadt Lüdenscheid wollte es genau wissen und veranlasste eine Prüfung, ob und wie die flächendeckende Installation von sogenannten raumlufttechnischen Anlagen (RLT-Anlagen) in den Schulen und den neun städtischen Kitas möglich ist. Die Ergebnisse sind ernüchternd – aus mehreren Gründen.

Die Stadtverwaltung legte eine Beispielrechnung vor, die sich an der Kalkulation der Stadt Büren orientiert. Demnach kostet die Installation einer RLT-Anlage pro Klassenraum 32 000 Euro. Hochgerechnet auf alle 500 Klassenräume in Lüdenscheid hat die Stadt einen Kostenbedarf von 16 Millionen Euro errechnet. In den 35 Räumen in den städtischen Kitas werden weitere 1,1 Millionen Euro fällig. Hinzu kämen Kosten für Projektsteuerung und Wartung.

Bürgermeister Sebastian Wagemeyer nannte in der Ratssitzung am Montag eine Investitionssumme von 20 Millionen Euro. Zwar habe der Bund ein Förderprogramm für stationäre RLT-Anlagen aufgelegt, bei einer 80-prozentigen Förderquote verbliebe aber immer noch ein Eigenanteil von rund vier Millionen Euro bei der Kommune. Für die klamme Stadtkasse eine „große Belastung“.

Wagemeyer wehrte sich im Rat gegen den Eindruck, der auf Bundes- und Landesebene erweckt werde, dass nämlich Corona-Filter vor Ort einfach umsetzbar seien. „Das ist unfair gegenüber den Kommunen“, sagt Wagemeyer. Es sei alles andere als einfach. Die Installation stelle einen intensiven baulichen Eingriff in jeden einzelnen Klassenraum dar. Der Bürgermeister plädierte zudem dafür, die „zweite Riesen-Baustelle Digitalisierung“ mit der Lüftung parallel zu schalten, um jeden Klassenraum nur einmal anzupacken.

Die Grünen wollten so lange nicht warten und beantragten, RLT-Anlagen kurzfristig in vier Lüdenscheider Grundschulen einzubauen. Ein Vorstoß, der auf wenig Gegenliebe stieß. „Vier Grundschulen haben Glück, und die restlichen schauen in die Röhre“, stellte SPD-Fraktionschef Jens Voß mit Blick auf den „Schnellschussantrag“ kopfschüttelnd fest.

CDU-Fraktionsvorsitzender Oliver Fröhling wunderte sich über den Vorschlag ohne Effekt: „Ganz sicher: Bei einem erneuten Lockdown sind auch diese vier Grundschulen betroffen.“ Fröhling schlug einen Kompromiss vor, worauf die Grünen ihren Antrag zurückzogen. Nun soll die Stadtverwaltung bis zur nächsten Ratssitzung Ende August eine Vorlage zur Erstellung eines Konzepts zur Ausstattung mit RLT-Anlagen in Lüdenscheider Schulen erarbeiten. Das neue Schuljahr hat dann schon begonnen.

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