Erco: Nochmals 35 Entlassungen

Wieder Entlassungen bei Erco: 35 Beschäftigte sind betroffen.

Lüdenscheid - 35 Entlassungen bei Erco: Zum 1. November baut die Lüdenscheider Lichtfabrik erneut Arbeitsplätze ab, nachdem bereits im Vorjahr zur selben Zeit 60 Entlassungen ausgesprochen wurden. In Lüdenscheid verbleiben damit noch etwa 560 Mitarbeiter, hinzu kommen weltweit 350 im Vertrieb.

In monatelangen Verhandlungen hatten Geschäftsführung und Betriebsrat den Interessenausgleich für die Betroffenen ausgehandelt. Sie arbeiten überwiegend in der Produktion, aber auch in der Verwaltung. Der Vertrag umfasst nach Angaben beider Seiten die unmittelbare Übernahme und individuelle Betreuung der 35 Kräfte durch die Transfergesellschaft Peag sowie Abfindungszahlungen „deutlich über dem ortsüblichen Niveau“.

Hinzu kommen nach Angaben des Betriebsrates aber auch Änderungskündigungen und zahlreiche innerbetriebliche Versetzungen. Dem Betriebsrat gelang es laut dem Vorsitzenden Richard Reinke zudem, die Ausgliederung der Logistik, die 45 Beschäftigte zählt, abzuwenden – und das noch auf fünf Jahre hinaus. „Trotzdem: Das ist für uns heute ein schrecklicher Tag.“

Als Gründe für den erneuten personellen Einschnitt wurden am Dienstag in der Betriebsversammlung die interne Umstellung auf die weniger aufwändige LED-Produktion und der weiter schwache Markt in Südeuropa benannt. Für das Unternehmen betonte Sprecher und Marketingleiter David Kuntzsch später, der neuerliche Schritt sei niemandem leicht gefallen, „und kein Betroffener wird allein gelassen“.

Doch auf dem eingeschlagenen Weg zum Unternehmensziel „100 Prozent LED“ sei dies letztlich unvermeidbar gewesen, und Erco habe dabei bankenunabhängig und aus freier Entscheidung gehandelt. Die Lichtfabrik sei finanzstark, gut aufgestellt und wolle ihren Vorjahres-Umsatz von gut 125 Millionen Euro 2013 erneut erreichen.

Dagegen rechne der Zentralverband der Elektroindustrie (ZVEI) für alle Mitgliedsunternehmen mit Umsatz-Rückgängen von durchschnittlich 17 Prozent. Kuntzsch: „Bei den personellen Maßnahmen der Umstrukturierung gehen wir davon aus, jetzt den Schlussstein gesetzt zu haben.“

Schon 2012 habe man indes geglaubt, dass 60 Entlassungen ausreichen würden, räumte Kuntzsch ein. Dann aber seien mit dem letzten Quartal des Vorjahres und dem ersten Quartal 2013 überraschend schwache Phasen gefolgt, sodass man sich erneut mit der Senkung von Personalkosten habe befassen müssen.

Das jüngste Quartal sei wieder sehr stark gewesen, doch verhindern konnte es die Entlassungen nicht mehr. Gleichwohl starte man mit 800 neuen Produkten ins kommende Jahr.

Kritisch zum 100-Prozent-Kurs des Unternehmens äußerte sich indes Richard Reinke: „Als Arbeitnehmervertreter können wir nur hoffen, dass die Strategie der Geschäftsführung künftig aufgeht.

Im Moment stellen wir uns damit selbst auf ein Bein, obwohl auf dem Weltmarkt die konventionellen Leuchten noch immer drei Viertel des Marktes bestimmen.“ Die Ausrichtung auf LEDs sei im Grunde richtig, doch gebe es Zweifel an der Ausschließlichkeit, mit der dieser Kurs bei Erco verfolgt werde.

Von den 60 entlassenen Kollegen aus 2012 hat Peag laut Reinke bisher zwei Drittel in neue Arbeitsplätze vermitteln können.  

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