Der Tod im Stadtpark

+
Auch musikalisch stark: Michl Thorbecke, Bernd Kaftan und Gregor Höppner (v.l.). Dem N.N. Theater aus Köln gelang es einmal mehr, schwere Kost leicht verträglich auf die Bühne zu bringen.

Lüdenscheid - Es schadete nicht, ein bisschen sattelfest in der bayerischen Mundart zu sein, wollte man am Wochenende jedes Wort verstehen, das der „Brandner Kaspar“ von sich gab. Aber im Grunde war’s auch egal: Die Inszenierung, die die Neue Volksbühne aus Köln nach Lüdenscheid mitgebracht hatte, erklärte sich von selbst.

Ein grandioses Schauspieler-Trio, mit Ute Kossmann eine einfallsreiche Regisseurin, ein überdimensionales weißes Zelt und nicht zu vergessen die beiden Öltrichter als Allzweck-Requisite, die je nach Bedarf zum Alphorn werden oder auch zum Defibrillator, zum Fernrohr oder zur Milchkanne.

Wie gewohnt waren die Kölner mit marginaler Ausstattung in die Bergstadt gekommen, aus der sie das Maximum herausholten, um die Geschichte über den Tod und das ewige Leben umzusetzen. Dabei war der Boanlkramen, hochdeutsch heißt es Knochensammler, eigentlich ja angetreten, um den Brandner Kaspar zu holen. Wenn da nicht der böse Geist gewesen wäre, der Kirschgeist, um genau zu sein. Brandner macht den Tod betrunken und gaunert ihm mit einem Taschenspielertrick weitere 18 Lebensjahre ab, was Petrus nur in Maßen begeistert. Also schickt dieser seinen düsteren Seelenfänger wieder zurück auf die Erde, um den grantelnden Kaspar mitzubringen. Doch der Schnitter erweist sich als ehrliche Haut und will sein Wort, die 18 Jahre zu gewähren, nicht brechen. Und so taucht immer mal wieder in des Brandners Leben auf, um zu schauen, ob dieser nun endlich bereit ist, zu gehen.

Wie die Allzweck-Requisite, so auch die Schauspieler und ihr Zelt: Mit sichtlicher Freude schlüpften Michl Thorbecke (Tod), Gregor Köppner (Kaspar) und Bernd Kaftan im Eiltempo von Rolle zu Rolle, von der schönen Sennerin zum Brandner-Sohn Toni, vom Arzt zu Petrus (mit einem Hang zu hübschen Mächen) und zurück zu Kaspar. Das Zelt selbst war die Brandner-Hütte oder auch der Berg, die Himmelspforte, das Krankenhaus und am Ende sogar in einem beeindruckenden Schattenspiel eine ganze Kriegsschlacht, in der die Brandner-Söhne beide ihr Leben ließen. Einer der Gründe, warum sich Kaspar am Ende doch dazu bewegen ließ, sich ins Paradies aufzumachen.

Die ewig Geschichte vom Leben und vom Tod, umgesetzt mit vielen komödiantischen Elementen. Was anderes hätte man vom N.N. Theater – übrigens Träger des Ehrentheaterpreises 2012 der Stadt Köln – auch nicht erwartet. Einmal mehr ist den Kölnern gelungen, schwere Kost leicht verträglich zu machen. Das alles unter freiem Himmel und vor der Kulisse des Stadtparks, über die sich langsam die Dunkelheit senkte. Wen störte da wirklich, dass nach und nach die Kälte in die Glieder kroch… Stehende Ovationen waren die Folge und ein Beifall, der erst verebbte, als Gregor Höppner sagte: „Schluss jetzt!“ - Jutta Rudewig

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare