Geständnisse und Vorwürfe

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Nina Petri und Nicki von Tempelhoff in „Gift – eine Ehegeschichte“.

Lüdenscheid - Es war ein ungewöhnliches Kammerspiel, eines der leisen Töne, das da am Mittwochabend auf der Kulturhausbühne gezeigt wurde. Erdacht von der niederländischen Autorin Lot Vekemans, uraufgeführt 2009 in Gent: „Gift – eine Ehegeschichte“.

Das dicht inszenierte Konversationsstück, in dessen Hauptrollen Nina Petri und Nicki von Tempelhoff agierten, ist eine Begegnung in einer Friedhofshalle. Bewusst wird auf Namen verzichtet – er ist „er“ und sie ist „sie“. Das Bühnenbild – ein offener Pavillon, im Hintergrund die Weite der Natur, ein Käfig und der hoffnungsvolle Blick in die Zukunft zugleich.

Auf dem Friedhof liegt das gemeinsame Kind begraben. Zehn Jahre haben die beiden sich nicht gesehen. Sie verfiel in Trauer, er floh aus der zerbrechenden Ehe in ein neues Leben. Sie schrieb ihm, er müsse zurückkommen. Gift im Grundwasser mache das Umbetten des Kindes notwendig. Eine Lüge, wie sich später herausstellt. Sie will nur eins: Reden.

Dem vorsichtigen Taxieren folgt das Belauern. Dann Anschuldigungen, schließlich Gewaltausbrüche, dann wieder Entschuldigungen, ein Pingpongspiel der Geständnisse und Vorwürfe.

Nina Petri und Nicki von Tempelhoff spielen an diesem Abend zwei ganz normale Menschen nach der wohl größten Katastrophe, die Eltern heimsuchen kann. Sie spielen ihre Rollen großartig, nachvollziehbar, sorgen für atemlose Stille im Kulturhaus, für Gänsehaut, hier und da sogar für mitfühlende Tränen.

Die obligatorische Pause kommt wie ein Bruch in der Geschichte daher. Im zweiten Teil flacht die Spannung ab. Geständnisse, Erinnerungen an das sterbende Kind zwischen Rotwein und Käsestückchen auf der Friedhofsbank. Fast so, als hätte Regisseur Wolfgang Stockmann zwingend nach einem versöhnlichen Ende gesucht.

Die Reihen im Kulturhaus sind an diesem Abend nur spärlich und nach der Pause noch spärlicher besetzt. Schwere Theaterkost an einem kalten Mittwochabend im Februar scheint nicht massentauglich zu sein – schade.

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