Nierhoff-Kuben: Nur ein Quader wird restauriert

„Die verformten Kuben“ von Ansgar Nierhoff sollen im Kulturhauspark einen neuen Standort finden.

LÜDENSCHEID ▪ Nach der Rettung von Ansgar Nierhoffs Edelstahl-Kuben, im Volksmund eher verächtlich denn liebevoll „Blechbüchsen“ genannt, durch die Kunstfreunde Lüdenscheid wird die dreiteilige Skulptur des 2010 verstorbenen Künstlers in der Duisburger Restaurationswerkstatt „Die Schmiede“ zur Wiederaufstellung im Kulturhauspark hergerichtet. „Die Schmiede“ wurde schon häufig von der Städtischen Galerie beauftragt, erklärte Stefan Frenz, Leiter des Stadt-Fachdienstes Kultur.

Derzeit liegen die Kuben immer noch ungeschützt wie Metallschrott auf einem Außengelände der Stadtreinigung. Unmittelbar daneben ruht auf diesem unsäglichen Kunstfriedhof der Kubus von Erich Hauser, der ebenso wie das „Wasserspiel“ von Hansjerg Maier-Aichen vor Jahren vom Rathausplatz abtransportiert wurde. Zumindest Nierhoffs Werk steht jetzt vor der Auferstehung.

Tatsächlich restauriert – im Sinne von Richtarbeiten und einer Rekonstruktion der Oberfläche – wird indes nur der am stärksten beschädigte Quader. Die beiden anderen sind lediglich zur Reinigung vorgesehen. Geschuldet ist diese ungewöhnliche Teilrestaurierung schlicht fehlendem Geld: Alle drei Bestandteile des Kunstwerks wieder von sämtlichen Spuren ihrer gewaltsamen Entfernung vom Rathausplatz im Jahr 2002 zu befreien, hätte bekanntlich 25 000 Euro gekostet. Allein die Beschränkung auf ein Exemplar erbrachte die 2011 als notwendig erachtete Kostensenkung. Und auch die akzeptierte der Stadtrat erst nach der Zusage der Kunstfreunde, alle Kosten oberhalb von 10 000 Euro zu übernehmen.

Wie bei Restaurationen dieser Art üblich, zählen die Bestandsaufnahme und eine Beschreibung des Vorgehens zu den Auftragsinhalten der Werkstatt. Wann der Transport nach Duisburg beginnt, wann die notdürftig wiederhergestellte Skulptur ihren neuen Platz einnehmen kann, ist laut Frenz noch unklar.

Die Lüdenscheider Kuben sind neben einer Skulptur in Moers die einzig verbliebene größere Arbeit Nierhoffs dieser Art, was ihren Wert nach Einschätzung von Fachbereichsleiter Wolff-Dieter Theissen in den sechsstelligen Bereich befördern dürfte.

In Arbeiten wie diesen wollte Nierhoff Grundelementen durch Verformung ihre geometrische Regelmäßigkeit nehmen, Gleiches ungleich machen und Spannungen im Raum schaffen. Dafür nutzte Nierhoff gern verschiedene Körper von ähnlicher Gestalt und aus dem gleichen Ausgangsmaterial, deren Verformung er sichtbar werden ließ. Daher stehen die Lüdenscheider Kuben für sein Werk nachgerade prototypisch. Wenn man sie denn lässt.

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