Gelenkersatz: „Niemand wird vorschnell operiert“

Referent Dr. Joachim Hagenah mit einem Prothesenmodell.

LÜDENSCHEID - „Gelenkersatz – wie lange kann ich warten?“ Der Vortrag von Dr. Joachim Hagenah, Chefarzt der Abteilung für Endoprothetik, im Rahmen des Gesundheitsforums der Sportklinik stieß auf großes Interesse und lockte etwa 160 Zuhörer an. Michael Wiek, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit, begrüßte die Anwesenden.

Muss ein schmerzendes Gelenk immer operiert werden? Welche Risiken gibt es? Es waren Fragen wie diese, die Dr. Hagenah in seinem Powerpoint-gestützten Vortrag beantwortete. Um es vorwegzunehmen: Niemand werde in Lüdenscheid vorschnell operiert. Die Entscheidung falle im Arzt-Patienten-Gespräch, in dem das Für und Wider genau abgewogen werde, teilte Hagenah mit. Und: Die LN-Information vom 8. Februar, eine Prothese halte mehr als 30 Jahre, sei falsch: „Die durchschnittliche Lebensdauer liegt zwischen 15 und 30 Jahren“, so der Fachmann. Umso wichtiger sei es auch im Blick auf das Patientenalter, den richtigen Zeitpunkt für eine Operation zu finden. Typische Beschwerden bei einer Hüftarthrose seien Leisten- und Rückenschmerz, Schmerzen unter Belastung sowie beim Losgehen. Auch bei der Kniearthrose tauchten Schmerzen beim Losgehen und unter Belastung auf. In beiden Fällen sei die Beweglichkeit eingeschränkt und ein die Muskulatur kräftigender Sport und Bewegung unter Entlastung zum Beispiel durch Schwimmen sinnvoll. Knorpelaufbauende Spritzen ins Knie und entzündungshemmende Medikamente könnten helfen. Doch wer beständige Schmerzen auch im Ruhezustand habe, kurz, wenn die Lebensqualität sich erheblich verschlechtere, sollte über eine Operation nachgedacht werden. Dr. Hagenah riet zum frühzeitigen Beratungsgespräch. Es helfe, sich im Dschungel zahlreicher auch im Internet kursierender Informationen zurechtzufinden und die richtige Entscheidung zu treffen.

Dann ging es in den virtuellen Operationssaal: Immer werde zunächst ein Probeimplantat vor der endgültigen Prothese eingesetzt und geprüft. Hagenah ging auf Techniken, Prothesetypen und Pfannen-Inlays ein. Letztere haben den Vorteil, dass auch mal ein Teil ausgetauscht werden könne, ohne die komplette Prothese entfernen zu müssen.

Im Anschluss beantworteten der Mediziner sowie Ulrich Müller, „Gesundheitsleiter“ der AOK, Fragen der Zuhörer. Verschiedene Implantate lagen aus und konnten von den Anwesenden in Augenschein genommen werden. Das Gesundheitsforum fand in Kooperation mit dem Gesundheitsforum Hellersen sowie der AOK Lüdenscheid statt. - Yasmin Alijah

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