„Nie wieder arbeiten“ mit furiosem Finale

Bernd Jäger van Boxen und Claudia van Veen, die für die erkrankte Silvia Seidel einsprang.

LÜDENSCHEID - Er ist ein Schauspieler, wie man ihn sich nur wünschen kann. Einer, der auf der Bühne wandelbar ist wie ein Chamäleon und dem der Spaß am Spiel ins Gesicht geschrieben steht: Bernd Jäger van Boxen gab am Abend im Kulturhaus den Lehrer Werner, der seinen Beruf und vor allem die Schüler leid ist. Ein verknöcherter Pauker, dem permanente Belehrungen in Fleisch und Blut übergegangen sind.

Gemeinsam mit Freund Tom (hier sprang Jens Hadek für den erkrankten Martin Zuhr ein), einem ebenso berufsmüden Polizisten, täuschte er psychische Defekte vor mit dem Ziel: Frührente – „Nie wieder arbeiten“. Vor nahezu ausverkauftem Saal spielte das Ensemble der Kempf Theatergastspiele das gleichnamige Stück aus der Feder Horst Pillaus zum Start in die Tournee im Kulturhaus. Gezeigt wurde eine spritzige Komödie, die an manchen Stellen durchaus auch gesellschaftskritische Töne durchließ. Denn Tom und Werner fühlten sich wie die Prügelknaben der Nation. Keinen Respekt mehr gäb's für Lehrer und Polizisten, sie würden ausgelacht und verachtet. Da bliebe ja schließlich nur eins: Einen guten Psychiater suchen, der die Arbeitsunfähigkeit attestiert. Und dann – ja, dann könnte das Leben so schön sein, wenn einem nicht die arbeitswütigen Ehefrauen Nina (Tanja Schumann) und Nicole (Claudia van Veen, eingesprungen für die ebenfalls erkrankte Silvia Seidel) einen dicken Strich durch die Rechnung machen würden. Immerhin betrieben die beiden eine florierende Tanzschule.

Richtig schönes traditionelles Theater wurde da geboten, ein Umbau hinter geschlossenem Vorhang, Musik der Comedian Harmonists („Ich wollt', ich wär ein Huhn“ natürlich, dann hätte ich ja nichts zu tun), großartige Schauspieler, sehr schöne Überraschungseffekte und ein energiegeladenes Finale. Denn die beiden Frührentner wurden nach und nach zu Schlaffis auf dem Sofa, sahen tatenlos zu, wie die Ehefrauen entsetzt über die männliche Mutation das Weite suchten und erwachten erst nach dem symbolischen Tritt von „Tante Flo“ (Dagmar Hessenland) und ihrem Liebchen, Herrn Schulz (Hans Richter) aus ihrer Lethargie. Das aber dann mit Macht: Wieder zurück im wirklichen Leben präsentierten sich Werner und Tom als nahezu perfekte Tanzlehrer und bescherten so dem Publikum ein furioses Finale. Sie lieferten sich mit ihren Herzensdamen einen Tanzwettstreit zu Grönemeyers „Männer“ und Cyndi Laupers 83er-Jahre-Hit „Girls Just Wanna Have Fun“. Und die Theaterbesucher waren sich einig: Viel schöner kann man eigentlich nicht ins Wochenende starten. - rudi

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