Vorbestrafter geht mit Freispruch nach Hause

Lüdenscheid - Sie wollte ihm offenkundig richtig einen reinwürgen. Der Grund dafür bleibt verborgen. Klar ist nur: Es hat nicht geklappt. Der vielfach vorbestrafte Arbeiter (45) geht diesmal mit einem Freispruch nach Hause. Und die 14-jährige Schülerin mit dem Makel, eine Lügnerin zu sein, der nicht mal die eigene Mutter glaubt.

Von Olaf Moos

Der junge Rechtsanwalt Timo Saße sagt schon vor Eröffnung des Prozesses, worauf er hinaus will. Nach Aktenlage, so seine Einschätzung, müsse es einen Freispruch für seinen Mandanten geben. Der wirkt gestresst, schaut empört drein und verschränkt die Arme vor der Brust. „Als ich von dem Vorwurf hörte, wusste ich gar nicht, wie mir geschieht.“ In einer Bäckereifiliale soll er das Mädchen mit einem Zungenkuss bedrängt und ihm mit den Händen unter die Kleidung gefahren sein. Das wäre sexueller Missbrauch eines Kindes.

Die Verkäuferin kann sich an das ungleiche Paar am Kaffeetisch erinnern, nicht aber daran, „dass da irgendwas Unfreiwilliges“ oder „Anrüchiges“ passiert sei. Die Version des Angeklagten klingt plausibel. Nahe der Bäckerei gibt es eine Werkstatt, in der er tagelang an seinem Wagen schraubt. Und der Besitzer der Werkstatt kümmert sich seit dem „Girls Day“ um die Schülerin. Deren Mutter schaut auch hin und wieder vorbei. Der 45-Jährige: „Mit der habe ich ein bisschen rumgeschäkert.“

So denkt sich der Mann auf dem Weg zum Bäcker auch nichts dabei, als sich das Mädel anschließt. Der Kfz-Meister sieht die beiden ein paar Minuten später zurückkehren. „Die hatten Spaß an der Backe,“ erinnert er sich. „Friede, Freude, Eierkuchen.“ Und weder der Mutter noch der allerbesten Freundin erzählt sie von Übergriffen. Nur der Polizei. Aber in einer Version, die zu ihrer Aussage vor Gericht nicht passt. Der Richter fragt die Mutter: „Sie glauben ihrer Tochter nicht?“ Die Mutter: „Nee!“

Der Freispruch erfolgt aus „tatsächlichen Gründen“, wie es im Juristendeutsch heißt. Es gibt keine Tatzeugen, es gibt nur eine wackelige Aussage mit hoher Belastungstendenz und einigen Widersprüchen. Und es gibt einen Angeklagten, der alle Vorwürfe von sich weist.

Und es gibt noch eine Geschichte des Kfz-Meisters. Er habe ein Notebook des Vaters der 14-Jährigen reparieren wollen. „Darauf waren 1800 Fotos mit Kinderpornografie.“ Das Gerät habe er zur Polizei gebracht.

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