Nicht ohne Sofi-Brille: Risiko Naturschauspiel

Laura Röhring, Auszubildende bei „Abele, Optik“ im Stern-Center, will auch einen Blick riskieren – aber nur mit der „Sofi-Brille“.

Lüdenscheid - Rolf Becker guckt am Freitag im Kreis seiner Sternenfreunde in den Himmel. Der Lüdenscheider Amateur-Astronom will das Naturschauspiel der partiellen Sonnenfinsternis ab 9.30 Uhr mit dem Teleskop festhalten. „Der richtige Schutz ist wichtig“, betont er. Sein Teleskop bekommt einen stabilen Glasfilter, er selbst trägt „die übliche Brille“.

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Augenärzte warnen

Die beschichtete Folie alter „Sofi“-Brillen kann durch ihr Schubladendasein Kratzer oder Löcher bekommen oder sich vom Rand gelöst haben. Dann schütze sie nicht mehr richtig, warnen Fachleute wie Dr. Susanne Kaskel-Paul, Klinikdirektorin der Augenklinik. Sie betont, dass man keinesfalls schutzlos in die verdunkelte Sonne blicken dürfe; Sonnenbrillen reichten nicht: „Zur Beobachtung der Sonnenfinsternis geeignet sind spezielle Brillen mit einer für die Sonnenbeobachtung vorgesehenen beschichteten Folie, die seit der Sonnenfinsternis 1999 als ‘Sofi-Brillen’ bekannt sind. Die Brillen tragen das CE-Zeichen und sind an einer DIN-EN-Norm ausgerichtet. Von selbstgebastelten Hilfsmitteln wie berußten Glasscheiben, der Rettungsfolie aus dem Auto, Filmstreifen und übereinandergelegten Sonnenbrillen muss dringend abgeraten werden – das Risiko, dass viel zu viel Sonnenstrahlung hindurchgelangt, ist zu hoch. Dann drohen dauerhafte Schäden an der Netzhaut des Auges – die sogenannte Solar-Retinopathie. Das kann bis zum kompletten Verlust des zentralen Sehens führen. Der Augenarzt kann zwar den Schaden feststellen, aber nicht mehr viel tun.“

Die Augenärztin empfiehlt, auch mit einer „Sofi-Brille“ das Naturschauspiel nur kurze Zeit zu beobachten. Nicht geeignet sind die Spezialbrillen für die Verwendung mit Fernrohren oder Teleskopen.

Den Schulen liegt ein Schreiben der Bezirksregierung in Arnsberg vor, in dem das Bundesamt für Strahlenschutz die Erblindungsgefahr betont: „Es gibt kein Warnsignal. Netzhautschäden lösen keinen akuten Schmerz aus. Wenn die Schädigung bemerkt wird, ist es zu spät.“ Heilung sei nicht möglich.

Manche Schulleiter gehen daher auf Nummer sicher und machen am Freitag Unterricht nach Plan. Andere sehen das Ereignis als sinnvolle Massenlehrstunde an: Peter Wagener, Schulleiter der Richard-Schirrmann-Realschule, weiß, dass drei Viertel seiner Schüler – 420 – über die SV Schutzbrillen bestellt haben. Die dürfen das Ereignis auf dem Schulhof miterleben. „Alle anderen werden auf der Nordseite in unserem Gebäude bleiben.“ Die Physiklehrer würden die Zusammenhänge erläutern, „damit“, so lacht er, „das nicht wie im Mittelalter als Weltuntergang gesehen wird“. - sum

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