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„Nicht kontaktiert“: Wie das Brückenbauer-Büro die Lkw-Verbände verstört

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Von: Jan Schmitz

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An der Lennestraße hat sich der Lkw-Anteil nachts auf 48,9 Prozent erhöht.
An der Lennestraße hat sich der Lkw-Anteil nachts auf 48,9 Prozent erhöht. © Cedric Nougrigat

Mit einem ungewöhnlichen Appell richtet sich das Brückenbauer-Büro an die Vorstände von zwei Logistik-Bundesverbänden und lässt Bürger den Aufruf mit der Überschrift „Der Verkehr muss aus der Stadt!“ digital unterzeichnen.

Das Ziel: Die Vertreter der Logistik-Branche sollen nach Lüdenscheid kommen und mit dem Brückenbauer-Büro Lösungen erarbeiten, um so den Lkw-Verkehr in Lüdenscheid um die Hälfte zu reduzieren. Die Angesprochenen zeigen sich irritiert über das Vorgehen des vom Bundesverkehrsministerium finanzierten Brückenbauer-Büros.

Etwa 6.000 Lkw zusätzlich verstopfen seit der A45-Sperrung die Bedarfsumleitung durch Lüdenscheid. Etwa die Hälfte davon – das haben Erhebungen ergeben – ist dem überregionalen Fernverkehr zuzurechnen. In seinem Anschreiben erklärt der Bürgerbeauftragte Sebastian Wagemeyer: „Um eine Entspannung der Situation in Lüdenscheid zu erreichen, werden aktuell die Einführung eines Mautsystems, ein Nachtfahrverbot und weitere Möglichkeiten geprüft. Bei seinem Besuch hat Bundesverkehrsminister Dr. Volker Wissing zugesagt, dass hier nichts unversucht bleiben wird. Doch alle diese Maßnahmen werden Zeit brauchen, um unsere Stadt zu entlasten. Wir sind der Meinung, dass es auch schneller gehen muss.“

Das Brückenbauer-Büro wendet sich daher nun direkt an die Logistik-Lobby, namentlich den Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) und den Bundesverband Spedition und Logistik (DSLV). In dem Appell werden BGL-Vorstandssprecher Prof. Dr. Dirk Engelhardt und DSLV-Hauptgeschäftsführer Frank Huster persönlich aufgefordert: „Unterstützen Sie uns, den Lkw-Fernverkehr von unserer Stadt fernzuhalten. Helfen Sie mit, dass die Lkw Ihrer Mitgliedsunternehmen sich für die vorhandenen Umleitungsstrecken über Kassel und Köln entscheiden und nicht weiter unser Lüdenscheid verstopfen.“ Sebastian Wagemeyer appelliert: „Herr Prof. Dr. Engelhardt, Herr Huster: Kommen Sie zu uns nach Lüdenscheid. Erklären Sie sich dazu bereit, gemeinsam mit uns nach Lösungen zu suchen.“

Dem dadurch erweckten Eindruck, dass man sich in der Vergangenheit einem Dialog verweigert hätte, widersprechen Engelhardt und Huster vehement. Sie hatten erst durch unsere Zeitung erfahren, dass sie im Fokus eines Bürger-Appells stehen. „Wir wurden als DSLV weder auf das Anliegen hingewiesen noch eingeladen“, erklärte Frank Huster auf Anfrage. Verwundert zeigte man sich auch beim BGL. Auf Anfrage erklärte Dirk Engelhardt: „Weder der BGL noch der zuständige Landesverband Nordrhein-Westfalen sind vom Brückenbauer-Büro kontaktiert worden. Grundsätzlich sind wir jederzeit zu Gesprächen in Lüdenscheid bereit, auch wenn die Handlungsmöglichkeiten des BGL begrenzt sein dürften.“ Der BGL vertritt lediglich 7 000 der deutschlandweit etwa 45 000 Logistiker. Richtiger Ansprechpartner sei das Bundesverkehrsministerium, sagt Engelhardt. Dort habe man „übrigens bereits mehrfach die Problematik hinterlegt und sich für eine rasche Verbesserung der Situation ausgesprochen.“

Warum aber fragt das Brückenbauer-Büro nicht direkt bei Huster und Engelhardt an, sondern lässt Bürger einen unstrittigen Appell unterschreiben? Der Grund könnte in der Strategie der beauftragten Agentur Mitmacht liegen, die Menschen zum Mitmachen animieren will (englisch „Engagement“). Daher müssen Unterzeichner für den Appell auch Vorname, Nachname, E-Mail-Adresse und Postleitzahl angeben. Bis Donnerstag kamen so 371 E-Mail-Adressen zusammen.

Schon einmal hatte die Mitmacht GmbH versucht, damals 2020 im Auftrag der SPD Lüdenscheid, möglichst viele E-Mail-Adressen zu gewinnen, indem sie Online-Stimmen für eine vermeintliche Petition sammelte, mit der die Chefs von Peek&Cloppenburg zum Verkauf des P&C-Gebäudes in der Wilhelmstraße aufgefordert werden sollte – mit den Worten „Geben Sie das Gebäude frei für eine neue Verwendung – zu einem fairen Preis!“

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