Überraschende Zahlen aus MK

Nicht nur Diesel betroffen: Für jedes dritte Auto aus MK gilt Fahrverbot in NRW-Städten

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Nicht nur Diesel sind von Fahrverboten betroffen. 

Märkischer Kreis -  Halter von mehr als 55.000 Diesel-Autos aus dem Märkischen Kreis sind von den geplanten Fahrverboten betroffen. Aber auch für einige Benziner könnte die eingeschränkte Reisefreiheit gelten.

55.000 Halter können ihre Diesel der Schadstoffklassen Euro 1 bis 5 in den Städten und Gemeinden im Märkischen Kreis zwar ohne Einschränkung nutzen. Sollten die Fahrverbote tatsächlich kommen, kann ihnen künftig aber die Einfahrt nach Essen, Gelsenkirchen oder Köln verwehrt werden. Das gilt übrigens auch für Halter einiger Benziner.

Bundesweit gibt es bereits zehn Fahrverbotszonen

Bundesweit wurden bereits zehn Fahrverbotszonen angeordnet, davon liegen vier in NRW. Betroffen ist die gesamte Umweltzone in Köln sowie zwei vielbefahrene Straßen in Bonn (ab April 2019). Ab Juli sollen zudem Fahrverbote in Essen – einschließlich eines Teilstücks der A40 – und Gelsenkirchen greifen. Die Städte, aber auch das Land NRW versuchen durch Gegenmaßnahmen die Einhaltung des Stickoxid-Grenzwertes noch zu erreichen und so Fahrverbote abzuwenden. 

Drei Millionen Diesel-Pkw in NRW

Welche Auswirkungen die Fahrverbote auf Autofahrer haben, ist längst Gegenstand der politischen Debatte. So fragte die NRW-SPD die Landesregierung, wie viele Autofahrer im Bundesland von den Diesel-Fahrverboten betroffen sind. Die Antwort: Etwas mehr als drei Millionen Diesel-Pkw gibt es nach Angaben des Kraftfahrzeugbundesamtes in NRW, davon entfallen etwa 2,2 Millionen auf die betroffenen Schadstoffklassen Euro 1 bis 5, das sind 70 Prozent. 

Im MK gibt es weniger Euro-6-Diesel als im Schnitt

Mehr als 55.000 Diesel-Fahrer betroffen Im Märkischen Kreis ist der Anteil der Schadstoffklassen 1 bis 5 am Dieselfuhrpark mit 76 Prozent sogar noch etwas höher. Zum Stichtag 1. Januar 2018 führte das Kraftfahrbundesamt 55 542 betroffene Diesel-Autos für den heimischen Kreis auf: 

313 in der Klasse Euro 1

2.537 in der Klasse Euro 2

8.550 in der Klasse Euro 3

15.766 in der Klasse Euro 4 

28.376 in der Klasse Euro 5

Auch Diesel mit Euro 5 sind betroffen. Die Fahrverbote für diese Fahrzeuge sollen frühestens ab September 2019 gelten. 

Auch Euro 6 Diesel könnten ab 2021 betroffen sein

Unproblematisch sind derzeit noch Diesel-Fahrzeuge der Schadstoffklasse Euro 6. Dieser gehören im Märkischen Kreis 17.319 Fahrzeuge an. Das entspricht allerdings nur 23,7 Prozent aller Diesel-Fahrer. Mit anderen Worten: drei von vier heimischen Diesel-Fahrern wären von Fahrverboten in NRW-Städten betroffen. 

Und eine Garantie für die Halter dieser Fahrzeuge gibt es auch nicht. Ab 2021 dürfen auch Diesel mit Euro 6 von Fahrverboten erfasst werden. 

Deutsche Umwelthilfe hatte Städte verklagt

Mit Problemen müssen Diesel-Fahrer in mehreren NRW-Städten rechnen, in denen Gerichte Fahrverbote verhängt haben. Sie sollen im Laufe dieses Jahres in Kraft treten, wie sie kontrolliert und wie Verstöße geahndet werden, steht aber noch nicht fest. 

Auch welche Ausnahmen greifen, ist noch unklar. Die Deutsche Umwelthilfe hatte die Städte wegen langfristig überschrittener Stickoxidgrenzwerte verklagt. 

Beliebte Youngtimer in der Liste

Was viele nicht wissen: Von den Fahrverboten sind teilweise auch Halter von Benzinern betroffen, wenn sich im Fahrzeugschein die Schadstoffklassen Euro 1 und Euro 2 finden. Dabei geht es um Fahrzeuge aus den aus den 1980- und 1990er Jahren, die heute vielfach noch auf den Straßen unterwegs sind. Darunter sind beliebte „Youngtimer“ wie zum Beispiel der Mercedes-Benz der Reihe W124 oder der BMW 3er der Reihe E36. 

Fahrverbote in NRW: Diese Städte sind betroffen

Aachen: noch nicht rechtskräftig

Bochum: noch nicht entschieden

Bonn: Benziner Euro 1 und 2, Diesel bis Euro 4 ab 1. April, Euro 5 ab 1. September auf zwei innerstädtischen Straßen

Dortmund: noch nicht entschieden

Düsseldorf: noch nicht rechtskräftig

Essen (mit Autobahn 40): Diesel bis Euro 4 ab 1. Juli, Euro 5 ab 1. September

Gelsenkirchen: Diesel bis Euro 5 ab 1. Juli

Köln: Diesel bis Euro 4 ab 1. April, Euro 5 ab 1. September

Paderborn: noch nicht entschieden.

So viele Benziner könnte es treffen

Im Märkischen Kreis betrifft das immerhin 19.974 Fahrzeuge. Auch die 2.565 Pkw mit Euro 0 – dabei handelt es sich häufig um Oldtimer – erfüllen die Vorgaben nicht. 

Was passiert mit den Oldtimern?

Aktuell dürfen Oldtimer in Umweltzonen einfahren. Inwieweit sie künftig von Fahrverboten berührt sind, steht noch nicht fest. Insgesamt müssen also Halter von 22.539 Benzinern und 55.783 Diesel-Autos aus dem Märkischen Kreis damit rechnen, von Fahrverboten in NRW-Städten betroffen zu sein. Das ist fast jeder Dritte (31,6 Prozent). 

So viele E-Fahrzeuge gibt es im Märkischen Kreis

Zum Vergleich: Anfang 2018 waren im gesamten Märkischen Kreis gerade einmal 153 Elektro-Fahrzeuge zugelassen. 

Probemessung in Lüdenscheid

Der Anteil der Diesel-Fahrzeuge am Gesamt-Pkw-Bestand liegt im MK bei 29,7 Prozent – und damit sogar noch etwas niedriger als im Landesschnitt. Grundsätzlich sind Halter von Diesel-Autos in ländlichen Räumen von möglichen Fahrverboten aber überproportional betroffen, da die Diesel-Quote in Städten deutlich geringer ist. 

Hier an der Lennestraße stand 2015 der Messcontainer des Landesamts für Umwelt und Naturschutz.

Laut Kraftfahrtbundesamt sind in Lüdenscheid 40.480 Pkw zugelassen. Lokale Zahlen über die Schadstoffklassen der Fahrzeuge in den Kommunen stehen nicht zur Verfügung. Legt man ähnliche Verhältnisse wie im Kreis zugrunde, wären mehr als 12.000 Halter betroffen – wenn sie in Städte mit Fahrverboten fahren wollen.

Immerhin: Fahrverbote in der Heimat drohen nicht. Eine einjährige Probemessung im Jahr 2015 an der Lennestraße ergab für Lüdenscheid: Die Grenzwerte für Stickoxid und Feinstaub wurden deutlich unterschritten. 

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