Neujahrskonzert im Kulturhaus

Genuss nicht nur im Dreivierteltakt

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Hermann Breuer dirigierte beim Radetzkymarsch nicht nur sein Orchester sondern auch das Klatschen des Publikums.

Lüdenscheid - Manch einer mag es altmodisch finden, andere können vielleicht mit der Walzer- und Operettenmusik wenig anfangen, aber so ein traditionelles Neujahrskonzert ist eine wunderbare Art, locker beschwingt in das neue (Kultur-)Jahr zu starten. Da waren sich wahrscheinlich nicht nur die rund 550 Besucher des Kulturhauses am Freitagabend einig – denn wenn der Theatersaal mehr Plätz gehabt hätte, wären sicher auch noch mehr Tickets verkauft worden.

Und auch das anschließende Büffet im Foyer war mit seinen 100 Plätzen ausverkauft. Der lang anhaltende Beifall, mit dem das Publikum, schließlich auch im Stehen, die Zugaben forderte, sprach für sich: Die Großpolnische Philharmonie Kalisch unter der Leitung von Hermann Breuer und Sopranistin Nathalie de Montmollin als Solistin des Abends verstanden es einmal mehr vortrefflich, mit ihrer Musik zu begeistern und zu unterhalten.

Wie es der Tradition entspricht, dominierte Musik von Johann Strauß das Programm – aber bei den Walzern war das Orchester auch auf anderen Pfaden unterwegs, wilderte in Russland und Amerika mit Stücken von Tschaikowsky und Leroy Andersen. Aus dem Reigen der Melodien von Johann Strauß gleich mehrfach im Programm vertreten war die Operette „Die Fledermaus“.

Deren Ouvertüre zum Auftakt des Abends setzte gleich das entsprechende Zeichen, von Breuer ganz klar eingeordnet: „Die Musik hat auch nach 150 Jahren nichts von ihrer Frische verloren“, sagte er über das 1874 uraufgeführte Werk. Und die Energie, mit der Orchester und später auch Sopranistin Nathalie de Montmollin die Melodien präsentierten, ließ keinen Zweifel daran, das Breuer recht hatte. 

Er führte unterhaltsam und sichtlich mit Genuss durch den Abend, wusste zu jedem Stück etwas zu sagen – und scheute sich nicht, einen Wecker als Instrument selbst zu bedienen. Auch Nathalie de Montmollin gab im zweiten Teil des Abends kokett die beschwipste Dame, die sich am Champagner, den sie besang, berauscht hatte.

Und zu guter Letzt – beziehungsweise als zweitletzte Zugabe, kam dann auch das, worauf viele sehnsüchtig gewartet hatten: Der Radetzkymarsch. Ohne den gibt es einfach kein Neujahrskonzert. Manche liebe Gewohnheiten sind auch bei der mehrfachen Wiederholung immer noch ein Genuss – und das Neujahrskonzert im Kulturhaus gehört zweifelsfrei dazu.

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