Ausverkauft

Heiteres Neujahrskonzert im Kulturhaus

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Sopranistin Kayo Hashimoto genoss die heitere Atmosphäre beim Neujahrskonzert.

Lüdenscheid – Hat es der große Edward Elgar wirklich verdient, unter den derzeitigen Dummheiten der Engländer zu leiden? „Wir haben ihn nach dem Brexit gestrichen“, erklärte Moderator Volker Schmidt-Gertenbach im ausverkauften Kulturhaus beim Neujahrskonzert der Slowakischen Sinfonietta aus ´ilina.

Und so blieben englische Komponisten – trotz ihrer erwiesenen Unschuld – außen vor bei einem Programm, das sich „Europa, wie es singt und lacht“ verschrieben hatte. Kayo Hashimoto, der in Tokio und Wien ausgebildeten Sopranistin des Abends, hätte man genauso gut den japanischen Walfang vorwerfen können.

Auch das schöne Medley aus dem Musical „My fair Lady“ schaffte es bei einem musikalischen Ausflug nach Nordamerika nur um Haaresbreite ins Programm: „Durch den Trump hätten wir das auch streichen können“, deutete der Moderator an, wie knapp die Entscheidung ausgefallen war. Das Musical handele von dem „alten Wunsch der Männer, die Frauen so zu formen, dass sie ihnen genehm sind“, fasste Volker Schmidt-Gertenbach George Bernard Shaws Geschichte einer verordneten Emanzipation knackig zusammen und scherzte: „Mittlerweile ist es genau umgekehrt.“ Frederick Loewes Musik führte über die Hintertür doch noch nach London und machte Freude in der Interpretation der von Oliver von Dohnányi geleiteten Sinfonietta. „Schön!“, freute sich eine Zuhörerin schon vorab über das, was da kommen sollte.

Ansonsten ging es quer durch Europa, und natürlich hatte die Auswahl von Jacques Offenbachs berühmtem „Cancan“ aus der Operette „Orpheus in der Unterwelt“ seinen guten Grund: Am 20. Juni 2019 jährt sich der Geburtstag des großen Kölners und Franzosen zum 200. Mal. Es wird also noch viel von ihm zu hören sein im Laufe dieses Jahres. Ansonsten zeigte sich Volker Schmidt-Gertenbach aber auf der Höhe des Geschehens dieser Operette. Im Gegensatz zu seinem antiken Vorbild ist Offenbachs Orpheus froh, dass seine Frau weg ist. „Das muss eine schreckliche Dame gewesen sein“, scherzte der Moderator und verschwieg eine andere Möglichkeit: Der moderne Orpheus könnte auch ein nimmersatter Mann gewesen sein.

Sopranistin Kayo Hashimoto sang kraftvoll und mit sichtlicher Freude über die heitere Atmosphäre das Lied „De España vengo“ des Spaniers Pablo Luna, Robert Stolz’ „Spiel auf deiner Geige“, Franz Lehárs „Meine Lippen, sie küssen so heiß“ und eine Arie aus Gioacchino Rossinis Oper „Der Barbier von Sevilla“. Das Orchester ergänzte die Ouvertüre des Barbiers, spielte bekannte Tänze von Antonín Dvorák und Johannes Brahms und erfreute das Publikum mit einem bemerkenswerten Walzer aus der Feder von Franz Lehár: „Gold und Silber“. Volker Schmidt-Gertenbach freute sich in diesem Zusammenhang besonders über den Anbruch des Jahres 2019: „Lehár ist seit vorgestern GEMA-frei.“ Mindestens 70 Jahre lang zählen die Rechte der Komponisten-Nachfahren mehr als die Interessen derer, die Musik möglichst preiswert genießen wollen. Auch deshalb hat es die „zeitgenössische“ Musik zuweilen schwer.

Große Freude an einem sehr vergnüglichen Abend machte auch der Trompeten-Virtuose Stanislav Masaryk, der ein Rondo von Johann Nepomuk Hummel und Jean-Baptiste Arbans „Karneval in Venedig“ spielte: „Mein Hut, der hat drei Ecken.“ Für die „standing ovations“ des Publikums bedankte sich das Orchester schließlich noch mit dem unverzichtbaren „Radetzky-Marsch“.

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