Neujahrskonzert: Champagner-Polka lässt die Korken knallen

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Ein doch recht ungleiches Paar: Bei den Liebesduetten kamen sich Sopranistin Susanna Risch und Tenor Angelos Samartzis näher.

Lüdenscheid - Jugendliche Frische brachte der stellvertretende Tenor Angelos Samartzis am Samstag gemeinsam mit der Huberman Philharmonie Tschenstochau ins bestens gefüllte Kulturhaus. Unter dem Motto „Dein ist mein ganzes Herz“ spielte das Orchester unter der Leitung von Hermann Breuer das traditionelle Neujahrskonzert: ein Programm mit italienischem Schwerpunkt und natürlich dem Radetzky-Marsch als Zugabe.

Griechische Wurzeln, Gesangsstudent aus Berlin und kurzfristig für den Tenor vom Dienst eingesprungen: Es gab mannigfache Gründe dafür, dass Angelos Samartzis mit großem Wohlwollen empfangen wurde. 

Doch der junge Grieche wusste, was ihm drohte, als er zum Einstand Giuseppe Verdis Arie „La Donna è mobile“ sang. „Ach wie so trügerisch sind Weiberherzen“, übersetzte Hermann Breuer die Warnung recht frei, und er sollte Recht behalten. 

Denn zwar sang Sopranistin Susanna Risch herzerwärmende Duette mit dem jungen Kollegen – als Mimi und Rodolfo in Puccinis Liebesarie „O soave fanciulla“, dazu ein Liebesduett von Giuseppe Verdi und im Klartext der Zugabe „Ich hab’ dich lieb.“ Und natürlich kamen sich die beiden Solisten dabei näher, doch die Zuneigung der Sopranistin erwies sich als genauso wandlungsfähig wie ihre fünf rauschenden Ballkleider. 

„Sie hätte mich doch beinahe aus der Fassung gebracht“, gestand sogar Hermann Breuer, nachdem auch er zum Objekt ihrer Begierde geworden war. Glücklicherweise blieb das heiter aufspielende Orchester trotz der Ablenkung seines Dirigenten auf Kurs. 

Ebenfalls intensiv bei der Arbeit war Mann Nummer Drei – der 1. Geiger der Philharmonie, dem sich Susanna Risch ebenfalls mehrfach annäherte. Kurze Episoden blieben ein Trompeter des Orchesters und ein Herr aus dem Publikum, der einen echten Kuss bekam. „Dir wird viel vergeben, denn du hast viel geliebt“, sprach der Herr Jesus Christus einst versöhnliche Worte gegenüber solchen Formen multipler Zugewandtheit.

„Ein Orchester, bei dem man denkt, es kommt direkt aus Rom“, lobte Hermann Breuer die Philharmonie aus dem polnischen Wallfahrtsort mit der Schwarzen Madonna. Und natürlich bewegte sich das Programm hauptsächlich im Dreieck zwischen Liebesarien, Walzern und jener munteren Marschmusik aus der Donaumonarchie, die tatsächlich Freude macht. Schon die Eröffnung mit Giuseppe Verdis Ouvertüre zur Oper „Nabucco“ verhieß ein unterhaltsames Programm: Der berühmte Gefangenenchor klang an, Dramatik und zum Choral gewordene Religiosität. Auf der anderen Seite des „moralischen“ Spektrums befand sich Johann Strauss Sohn mit seiner „Champagner-Polka“, für die gleich zwei Schlagzeuger die „Korken“ knallen lassen mussten.

Das Publikum im Kulturhaus wusste das unterhaltsame Programm zu schätzen und erhob sich für den Schlussbeifall und die letzte Zugabe von den Plätzen: Hermann Breuer schloss in sein Dirigat des Radetzky-Marsches auch das klatschende Publikum mit ein – das eingespielte Orchester konnte bei diesem unverzichtbaren Klassiker kaum aus dem Tritt kommen.

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