Das Material liegt schon auf vielen Lüdenscheider Plätzen

Neues Pflaster für die Fußgängerzone: Kritik an gelbem Granit aus Übersee

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Der Übergang vom Sternplatz in die Wilhelmstraße: Das rote Pflaster soll einem hellen Granit weichen.

Lüdenscheid – Flanieren auf Granitplatten aus Übersee: Nach Rathausplatz und Sternplatz soll gelber Granit in Lüdenscheid auch in der Wilhelmstraße (Fußgängerzone) verlegt werden. Weil der ökologische Fußabdruck der Steine womöglich größer ist als bei heimischen Materialien, haben erste Ratsvertreter "Bauchschmerzen". 

Nach den Plänen von Landschaftsarchitekt Franz Reschke für die neue Pflasterung der Wilhelmstraße soll nach Rathausplatz, Sternplatz, Rosengarten und Altenaer Straße ab 2022 auch in der Lüdenscheider Einkaufsstraße Granit aus Übersee verlegt werden. 

Zur Erinnerung: Die in Lüdenscheid bisher verlegten chinesischen Trittsteine waren von Beginn an umstritten. Nachdem 2004 die ersten großen Platten auf den Rathausplatz gelegt wurden, tauchten schon kurz darauf Risse und Brüche bei einigen Steinen auf. Landesweites Aufsehen erregte die Teppich-Anordnung für Fischhändler, um die hellgelben Steine zu schützen. 

Trotz der anfänglichen Probleme entschied sich die Stadt auch bei der Neugestaltung von Sternplatz (2007) und Altenaer Straße (2011) für Granit aus China. Aus den Fehlern der Vergangenheit hatte man gelernt und deutlich kleinere Platten verlegt.

Zweimal im Jahr müssen die Steine nun gründlich gereinigt werden, damit sie und auch die Fußgängerbereiche ihren hellen und freundlichen Charakter behalten. „Nichts gedeiht ohne Pflege; und die vortrefflichsten Dinge verlieren durch unzweckmäßige Behandlung ihren Wert“, zitiert Hans Jürgen Badziura, Fachdienstleiter Umweltschutz und Freiraum, den Gartenbaumeister Peter Josef Lenné (1789-1866) und ergänzt: „Wir haben in den vergangenen mehr als zehn Jahren keine schlechten Erfahrungen mit dem Granit gemacht.“ 

Man dürfe nicht vergessen, dass der Belag durch Lieferverkehr und Feste seit Jahren einer starken Beanspruchung unterliege. „Granit ist das haltbarste Material, das es gibt“, ist Badziura überzeugt. Angesichts des beschlossenen „Aktionsprogramms Klimaschutz“ mit einer Fülle von Maßnahmen für mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit meldete Ratsherr Gordan Dudas (SPD) Bedenken an. Ob man anstatt eines Steins aus Übersee nicht auch auf heimischen Granit zurückgreifen könne. 

Badziura hält das für ausgeschlossen, da heimischer Granit nicht zu annähernd gleichen Preisen zu bekommen sei wie in Übersee. Auf Nachfrage unserer Zeitung machte der Fachdienstleiter deutlich, dass die Auswahl der Steine für die Wilhelmstraße eine Herausforderung sein wird. 

Denn: Das Vorkommen in China, aus dem der Lüdenscheider Granit bislang stammte, ist erschöpft. Man müsse nun einen Stein finden, der farblich zu den vorhandenen passt. Die Chancen dafür sind in Asien, zum Beispiel in Indien, am größten. Die gewünschte Farbe und die Beschaffenheit werden in der Ausschreibung festgelegt. Die Lieferanten müssen zudem nachweisen, dass für Abbau und Bearbeitung des Granits keine Kinder oder politische Gefangene eingesetzt werden. 

Diese Antwort stellte Dudas nicht zufrieden. Er hat nach Gesprächen mit der Verwaltung erfahren, dass grundsätzlich aber auch Granit aus anderen Herkunftsländern oder alternative Materialien wie Betonwerkstein verwendet werden können. Dudas hat deshalb einen Fragenkatalog an die Stadtverwaltung übersandt, will unter anderem beantwortet wissen, mit welchem Verkehrsträger die Pflastersteine nach Lüdenscheid transportiert werden, wie die Klimabilanz der unterschiedlichen Materialien ist und welche Einsparung im Vergleich des teuersten und des günstigsten Materials möglich ist.

Bei der Neugestaltung der Lüdenscheider Altstadt ist übrigens eine andere Pflasterung geplant. Rund um die Erlöserkirche werden heimische Grauwacke und Sandstein verlegt.

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