1. come-on.de
  2. Lüdenscheid

Neues Öko-Wohngebiet auf ehemaliger Sportanlage im MK

Erstellt:

Von: Jan Schmitz

Kommentare

Herscheider Landstraße Lüdenscheid Bebauungsplan
Hinter der Baumreihe an der Herscheider Landstraße gegenüber der Shell-Tankstelle befindet sich der Bereich, für den es bereits einen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan gibt. Auch im neuen Regionalplan wurde die Fläche erneut als Wohngebiet ausgewiesen. © Cedric Nougrigat

In die seit Monaten schwelende Debatte um die Nachnutzung des ehemaligen Sportplatzes Höh kommt eine überraschende Dynamik. Die Stadtverwaltung bereitet eine aktive Bürgerbeteiligung vor, bei der sich Bürger und Anlieger mit ihren Ideen und Vorstellungen einbringen sollen. Das Ziel: Hier soll in naher Zukunft Bauland entstehen. Dabei ist auch eine Wohnbebauung auf den Rätherwiesen nicht mehr sakrosankt.

Lüdenscheid - Anlass für den Vorstoß der Verwaltung sind zwei Anträge von SPD und CDU, die in der jüngsten Ratssitzung behandelt wurden. Während die Sozialdemokraten ein niederschwelliges und transparentes Bürgerbeteiligungsverfahren fordern, bei dem die Lüdenscheider ihre Vorstellung zur künftigen Nutzung und Gestaltung des ehemaligen Sportplatzes Höh einbringen können, hat die CDU schon konkretere Vorstellungen. In ihrem Antrag wird die Verwaltung aufgefordert, die Bebauung des Sportplatzes mit Tiny Houses und Small Homes (bis 80 Quadratmeter Wohnfläche) zu prüfen.

Beide Parteien zogen ihre Anträge in der Sitzung zurück, wollen der angestoßenen Bürgerbeteiligung nicht vorgreifen, die Bedingung für den Beschluss eines Bebauungsplans ist. Die Einladung soll zügig erfolgen.

In der Sache aber demonstrierten die Parteien – mit Ausnahme der Grünen – erstaunliche Einigkeit. Als „Diskussionsgrundlage für eine aktive Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger im Planungsprozess“ präsentierte Fachbereichsleiter Martin Bärwolf eine Skizze möglicher Bebauung aus dem Jahr 2015, die im Rahmen des Aufstellungsbeschlusses für den Bebauungsplan für ein Wohngebiet entstanden ist und die schon damals umstritten war.

Denn: Die Karte zeigte eine Bebauung der Rätherwiesen. Bärwolf betonte, dass es sich nicht um eine fertige Planung handele, machte aber auch deutlich, dass in dem dem gesamten Planbereich rechtlich Wohnbebaung vorgesehen sei. „Wir reden nicht mehr darüber, dass es hier kein Wohngebiet gibt“, erklärte Bärwolf.

Karte Rätherwiesen Lüdenscheid
Die Karte des Plangebietes von 2015 soll laut Stadt als „Diskussionsgrundlage“ dienen. © Stadt Lüdenscheid

2019 hatte die Stadt einen Teil der Flächen in dem Gebiet gekauft, derzeit laufen nach Angaben von Martin Bärwolf Verkaufsgespräche mit weiteren Eigentümern. Parallel dazu soll die Planung vorangetrieben werden.

CDU-Ratsherr Christoph Weiland schlug als Slogan für die Entwicklung des Gebietes „Wohnen und Naherholung“ vor und sprach sich für eine ökologische Wohnbebauung aus. SPD-Ratsherr Gordan Dudas schloss sich an. Ihm schwebt ein ökologischer „Vorbildstadtteil“ vor, der sich an dieser Stelle etablieren ließe. Der Stadtteil solle ökologische Standards setzen und in die Region hineinstrahlen, vergleichbar mit dem 2019 verabschiedeten Klimaschutzkonzept.

FDP-Fraktionschef Jens Holzrichter stieß ins selbe Horn und freute sich auf das „Wohngebiet der Zukunft“. Analog zu einem Kriterienkatalog seiner FDP für die künftige Ausweisung von Gewerbeflächen könne er sich ein solches Instrument auch für künftige Wohnbebauungen in Lüdenscheid vorstellen.

Grünen-Fraktionschef fassungslos

Grünen-Fraktionschef Andreas Stach zeigte sich ob des im dargebotenen „Schauspiels“ und der Dynamik „fassungslos“. „Zwei Parteien stellen einen Antrag, und auf einmal entsteht eine Diskussion über ein Wohngebiet, inklusive der Rätherwiesen“, verlieh Stach seiner Verwunderung Ausdruck. Für seine Fraktion lehnt er eine Wohnbebauung strikt ab. Das gilt übrigens nicht erst seit gestern. Nach Informationen unserer Zeitung war die Nichtbebauung der Rätherwiesen seit 2009 Bestandteil der Kooperationsvereinbarung der Lüdenscheider Ampel. Mit dem Aus für das Bündnis im vergangenen Jahr fühlen sich SPD und FDP daran offenbar nicht mehr gebunden.

Auch interessant

Kommentare