Neues Leben in alter Metallschmelze

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Der Blick aus dem Hinterhof übers Dach der alten Metallschmelze schweift über üppige Wälder. Eine Oase für Ruhe suchende Städter.

BRÜNINGHAUSEN - Schräg gegenüber dem Schmiedemuseum Bremecker Hammer tut sich was. Die alte Metallschmelze, jahrelang dem Verfall ausgeliefert, erwacht aus ihrer Agonie unverhofft zu neuem Leben.

Dass ausgerechnet ein Bestatter, der Lüdenscheider Volker Solmecke, dafür verantwortlich ist, erscheint wie ein ironischer Wink. Tatsächlich hat der 53-Jährige die frühere Messingwalze, mutmaßlich ein Zeugnis früher Industriekultur aus dem 19. Jahrhundert, gekauft und damit begonnen, aufzuräumen und nach und nach auf Vordermann zu bringen.

Der kleine Gebäudekomplex am Ende der Brüninghauser Straße hat seine „heiße Zeit“ trotzdem längst hinter sich. Die Ära Kuhlmann ist hier zu Ende. Jahrzehntelang haben seine Arbeiter in der Abgeschiedenheit des Versetals in zäher Handarbeit bergeweise Metalle, etwa von armdicken Kabeln, voneinander getrennt. Das Ziel war stets, das Material sortenrein weiter zu verkaufen. Zinkreste wurden in einem großen befeuerten Steintiegel eingeschmolzen, die glühende Suppe per Muskelkraft schwitzend und fluchend mit schweren Kellen in Kokillen gegossen – und Stunden später rasselten silberfarbene Zinkbarren zu Boden, wurden aufgeschichtet, verladen und abtransportiert.

Nichts mehr von alledem. Rudolf Kuhlmanns Sohn gab das Geschäft auf, Volker Solmecke wurde auf den verwinkelten Komplex aus Schuppen und Anbauten aufmerksam – und verliebte sich in die Brache. „Hier habe ich Ruhe, hier verbringe ich meine Freizeit.“ Sein Mischlingsrüde Ebby läuft an langer Leine und verbellt mit tiefster Stimme Neugierige. Teile von Solmeckes Sarglager sind schon eingezogen, die ehemaligen Sozialräume nebst Büro warten auf ihre Entrümpelung. Der Schmelztiegel steht noch an seinem Platz. Teile des Daches bedürfen der Sanierung. Solmecke: „Das mache ich alles selbst.“

Neben den Schmiedefans gegenüber hat der Lüdenscheider weitere Nachbarn. Forellenzüchter Michael Kaiser, rund einen Kilometer Luftlinie entfernt, gehört dazu. Und, viel näher, der Friseurmeister Peter Bubert, der hier ebenfalls einen Fischteich bewirtschaftet und die grüne Umgebung des südlichen Brüninghausen nutzt, um zu entspannen.

Dass Volker Solmecke als Fabriksken-Besitzer schalten und walten kann wie es beliebt, hat er übrigens „dem alten Kuhlmann“ zu verdanken, wie er sagt. „Der ist damals tatsächlich extra nach Arnsberg gefahren und hat da verhindert, dass die Bude unter Denkmalschutz gestellt wird.“

Olaf Moos

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