Erhebung startet im August

Neues Erdgas für Lüdenscheid - Das kommt auf tausende Haushalte

+

Lüdenscheid - Weil die Niederlande künftig kein Gas mehr nach Deutschland exportieren, müssen Tausende von Geräten wie Heizungen, Warmwasserbereiter und Gasherde umgerüstet werden – auch in Lüdenscheid und Schalksmühle. Verantwortlich für eines der größten Versorgungsprojekte ist Enervie Vernetzt.  Das kommt auf die Verbraucher zu.

Unmittelbare Kosten entstehen den meisten Verbrauchern nicht, aber sie müssen mitwirken. Die projektverantwortlichen Volker Neumann (Geschäftsführer Enervie Vernetzt) Patrick Gerold (Projektleiter), Henning Karl (Prokurist) und Oliver Bings (Projektmanager) erklären die wichtigsten Punkte. 

Am 25. April 2023 erfolgt die Umstellung von L- auf H-Gas. Bereits im August 2019 beginnt Enervie als Netzbetreiber mit den Vorbereitungen.

Rund 21 000 Geräte in Lüdenscheid

Zum Hintergrund: Nach zum Teil heftigen Erdstößen in Europas wichtigstem Gasfeld Groningen in den Niederlanden hat die Regierung in Den Haag beschlossen, die Lieferungen von sogenanntem L-Gas (Low Caloric Gas) zu drosseln. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, wird auf H-Gas (High Caloric Gas) umgestellt, das vorwiegend aus Norwegen, Dänemark Großbritannien und Russland stammt. Bei der Verbrennung setzt es mehr Energie frei. Aber: Millionen Heizungen funktionieren nur mit L-Gas. Deshalb ist eine noch nie da gewesene Umrüstaktion notwendig. Rund 21 000 Geräte werden in Lüdenscheid vorbereitet, etwa 1500 sind es in Schalksmühle.

Informierten für Enervie Vernetzt über die bevorstehende Gasumstellung: Projektleiter Patrik Gerold, Geschäftsführer Volker Neumann, Prokurist Henning Karl und Projektmanager Oliver Bings (von links).

Dasselbe Heizergebnis mit weniger Kubikmetern Gas

Nach der Umstellung auf das H-Gas wird dasselbe Heizergebnis mit weniger Kubikmetern Gas erzielt als bei der Nutzung von L-Gas. Die gleiche Zahl an Kilowattstunden wird also aus einer geringeren Gasmenge gewonnen. Da für die Gasrechnung aber nicht die Menge, sondern die Kilowattstunden maßgeblich sind, ändert sich für den Kunden praktisch nichts. Volker Neumann: „Veränderungen machen sich allenfalls im Promillebereich bemerkbar.“ Um eine korrekte Verbrauchsabrechnung durch die Umstellung zu gewährleisten, wird bei der Anpassung der Zählerstand abgelesen.

Keine Rechnungen von den Monteuren

Alle von der Erdgasumstellung betroffenen Haushalte in Lüdenscheid und Schalksmühle informiert Enervie Vernetzt ab August 2019 in einem persönlichen Brief zum schrittweisen Vorgehen. So beginnen ab Oktober die Umstellungsarbeiten mit der Erhebung der Gerätedaten.

Nach Terminabstimmung erfassen die beauftragten Monteure systematisch alle notwendigen Daten wie unter anderem Typ und Baujahr. Dies ist erforderlich, um den Gerätebestand zu kennen und die für die Umstellung benötigten Austauschmaterialien bereitzuhalten.

Der Netzbetreiber weist ausdrücklich darauf hin, dass die beauftragten Monteure für die Erhebungsarbeiten keine Rechnungen seitens Enervie Vernetzt, Enervie Service, Eltel Infranet (U-SERV) und NGC.Tec stellen. Die Erdgasumstellung ist für den einzelnen Kunden kostenfrei. Der Gesetzgeber sieht vor, die entstandenen Kosten der bundesweiten Umstellung über die Gasnetzentgelte auf sämtliche Netzbetreiber und damit über alle Gaskunden zu verteilen.

Wie erfolgt die Anpassung der Geräte? 

Die Arbeiten erfolgen in zwei Schritten mit einem Zeitabstand von einigen Monaten. Beim ersten Termin erfasst ein Mitarbeiter der Partnerunternehmen alle Gasgeräte; beim zweiten Termin erfolgt dann die technische Anpassung auf die neue Gasart. Bei rund zehn Prozent der Betroffenen wird jeweils nach der Erhebung oder Anpassung noch ein Termin zur Qualitätskontrolle notwendig. 

Was passiert bei der Erhebung?

Bei der Erhebung wird zunächst geklärt, ob die Zählernummer, der Ansprechpartner vor Ort und der Anschlussnehmer korrekt sind. Anschließend werden die Leitungen, die Aufstellungen und die Installationen auf Mängel überprüft. Danach werden die Daten des Geräts aufgenommen sowie eine Funktionsprüfung und Abgasmessung durchgeführt. Mit einem Aufkleber wird die erfolgreiche Erhebung bestätigt. Das Ganze dauert pro Grasverbrauchsgerät etwa 30 Minuten. 

Was genau erfolgt bei der Anpassung?

Bei der Anpassung wird ebenfalls zunächst der Datenbestand überprüft. Danach wird der Zählerstand abgelesen und dokumentiert. Anschließend werden die Leitungen, die Aufstellungen und Installationen erneut auf Mängel überprüft. Dann erfolgt die Anpassung: Der Handwerker stellt den Druck ein, tauscht Düsen aus und nimmt eventuell weitere notwendige Änderungen vor. Abschließend werden erneut Funktionen und Abgase geprüft und gemessen. Ein Aufkleber „Gasgerät angepasst auf Erdgas Gruppe H“ signalisiert die erfolgreiche Arbeit. Der Zeitaufwand hängt sehr stark vom Gerätetyp sowie der Anpassungsmethode ab. Die Kunden sollten im Durchschnitt mit einer Stunde rechnen.

Können alle Geräte angepasst werden? 

In vereinzelten Fällen – beispielsweise bei sehr alten Anlagen – kann es vorkommen, dass eine Anpassung nicht möglich ist. Volker Neumann: „Dies wird aber nur für eine sehr geringe Anzahl von Geräten gelten.“ 

Was passiert bei einem Mangel? 

Wenn ein Mangel am Gerät festgestellt wird, muss er beseitigt werden, da nur Umrüstungen erfolgen dürfen, wenn die Betriebssicherheit gewährleistet ist. Sind die Abgaswerte zu hoch, muss die Apparatur stillgelegt werden. Dazu erhält der Kunde eine Mängelkarte, die er einem Installateur vorlegen kann. Für Reparaturen sind die Enervie-Monteure nicht zuständig. Patrick Gerold: „Die müssen wie gewohnt von den ortsansässigen Installateuren vorgenommen werden.“ 

Wie erfahren Kunden von den Terminen? 

Karl: „Die Kunden müssen sich um nichts kümmern. Wir schreiben sie rechtzeitig an und erklären ihnen noch einmal den Ablauf des anstehenden Schrittes zur Erdgasumstellung. In einem weiteren Schreiben, etwa zwei bis drei Wochen vor dem geplanten Besuch, nennen wir ihnen einen Termin, zu dem ein Monteur zu ihnen kommt.“ Steht bereits eine längere Abwesenheit fest, bittet Enervie um Informationen an das „Erdgasbüro“. 

„Erdgasbüro“ hält Kontakt zum Kunden 

In der Zeit der Erhebungsarbeiten richtet Enervie Vernetzt ein „Erdgasbüro“ an der Lennestraße 2 (Mo./Di./Do./Fr.) in Lüdenscheid sowie im Energietreff der Stadtwerke Lüdenscheid am Rathausplatz (mittwochs) ein. Oliver Bings: „Hier können sich betroffene Kunden persönlich informieren. Darüber hinaus ist das Erdgasbüro über die kostenlose Hotline 0800 / 123 99 50 oder per Mail übererdgasbuero-sl@enervie-vernetzt.de erreichbar. Ausführliche Informationen gibt es zudem im Internet auf der Homepage von Enervie unter dem Reiter Gas/Erdgasumstellung.

Was passiert bei einer Zutrittsverweigerung? 

Volker Neumann: „Um die Sicherheit zu gewährleisten, sind wir zur Anpassung der Gasgeräte verpflichtet. Ohne die Anpassung der Anlage wären wir gezwungen, den Gasanschluss zu sperren. Das ist aber der allerletzte Schritt. Wir hoffen aber, dass unsere Kunden die Notwendigkeit einsehen und uns mit einer hohen Erreichbarkeit unterstützen.“

Keine Kosten durch die Umstellung 

Erhebung, Anpassung und eventuelle Qualitätskontrollen sind kostenfrei. Den Aufwand trägt Enervie Vernetzt als Gasnetzbetreiber. Die den Netzbetreibern entstandenen Kosten für die bundesweite Erdgasumstellung fließen anschließend in die Netzentgelte ein. Die Kosten werden somit später auf alle erdgasversorgten Haushalte und Unternehmen in Deutschland gleichermaßen umgelegt, egal ob diese zuvor L- oder H-Gas bezogen haben. Das ist gesetzlich so geregelt. Dadurch fallen nur geringe Kosten an. Sie betragen beispielsweise bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 3500 kWh pro Haushalt maximal zwei bis drei Euro im Hauptumstellungsjahr. 

Unterbrechung der Gasversorgung? 

Die Gasversorgung ist zu keiner Zeit unterbrochen. Die Anpassung der Geräte wird mit der Umstellung des Erdgasnetzes koordiniert. „Diesen Massenprozess können wir nicht mit heimischen Installateuren bewältigen“, erklärt Henning Karl. Das sei angesichts des engen Zeitfensters und der vorhandenen Auftragslage bei den Unternehmen gar nicht möglich und werde von der Innung und der Handwerkskammer auch so bewertet. Allerdings machten die Monteure auch kein weiteres Geschäft. Sei ein Gerät defekt und müsse repariert oder ersetzt werden, kämen wieder die Installateure ins Spiel.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare