Neuer Plan für „Windmühlen“

LÜDENSCHEID ▪ Ein Windrad am Waldrand, das war in Nordrhein-Westfalen bisher fast tabu. Jetzt – nach Fukushima, Atomausstieg und einem entsprechenden Erlass des Landes – soll auch in Lüdenscheid das gesamte Stadtgebiet nochmals auf mögliche Standorte hin untersucht werden, auch innerhalb von Waldflächen. Dafür will die Verwaltung am Mittwoch  grünes Licht von den Politikern im Ausschuss für Planung und Umwelt erhalten.

Ins Auge fassen will die Verwaltung dabei vor allem waldnahe Standorte entlang der Autobahn und in den Bereichen der Stadtränder, in denen auch die Interessen von Nachbargemeinden berührt sind. Das Ziel ist der Beschlussvorlage nach die Erstellung eines „Teilflächen-Nutzungsplans“ für Windenergie-Anlagen.

Darin werden laut Fachbereichsleiter Martin Bärwolf sämtliche sachlich-fachlich geeigneten Areale aufgeführt sein – noch ohne Berücksichtung von möglicherweise entgegenstehenden Interessen von Anwohnern oder der Forstwirtschaft. Die Arbeit an dem Teilplan wird längere Zeit in Anspruch nehmen – deshalb soll der seit langem vorbereitete Flächennutzungsplan (FNP) der Stadt in der Zwischenzeit auch ohne die Darstellungen zur Windkraft erscheinen können.

Mit dem Landeserlass hat sich so viel nicht geändert, ergänzt Stadtplaner Lars Bursian: „Ein Erlass ist kein Gesetz, sondern nur eine Erläuterung dazu.“ So war es auch bisher in absoluten Ausnahmefällen gestattet, ein Windrad am Waldrand zu errichten. Dann nämlich, wenn sonst gar keine andere Möglichkeit blieb. Hier schaffe der Erlass womöglich mehr Freiräume – im wahrsten Sinne des Wortes.

Dass man sich bei alledem mit den Nachbarstädten kurzschließen soll, die ähnliche Teilpläne aufstellen, ist laut Bursian nur sinnvoll: „Windräder sind raumbedeutsam“, zu Deutsch: Man kann sie weithin sehen. Und auch den Lüdenscheidern würde es womöglich nicht passen, wenn etwa die Kiersper knapp vor der Stadtgrenze eine große Anlage zuließen. Umgekehrt könnten sich in den kaum besiedelten Grenzgebieten durchaus geeignete Flächen finden lassen.

Bislang war die Geschichte der Windkraft in Lüdenscheid keine Erfolgsstory: Gerade mal eine Mühle dreht sich am Leisberg, und das auch noch außerhalb der 1999 herausgefundenen beiden Mini-Zonen. Dieses magere Ergebnis hatte zusammen mit der Arbeit am neuen FNP sowie einer neuen Windanalyse des heimischen Energieversorgers Enervie zuletzt für neuerliche Untersuchungen gesorgt. Heraus kam dabei, dass nur eine winzige Fläche am A-45-Rastplatz Hunscheid geeignet für Windräder sei. Doch das war, bevor die Landesregierung nach dem Unfall im Atomkraftwerk Fukushima die Regelungen zu Abstandsflächen und Waldverträglichkeit für Windräder neu definierte.

Thomas Hagemann

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