Andreas Rose will sich mit Lüdenscheider Katholiken Herausforderungen stellen

Neuer Pfarrer erwartet Gegenwind

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Seit September ist Andreas Rose Pfarrer in St. Medardus und Pastor in St. Joseph und Medardus.

Lüdenscheid - Es war ein holpriger Anfang für Andreas Rose als Pfarrer der katholischen Pfarrei St. Medardus – was vor allem an einem Wasserschaden im Pfarrhaus lag. Erst mit einer Verzögerung von rund zwei Monaten konnte er in seine Wohnung einziehen. Inzwischen ist Rose etwas mehr als 100 Tage im Amt, ein guter Zeitpunkt, um erste Eindrücke zu verarbeiten und Ziele zu formulieren.

„Jeder Anfang ist schwer“, betont der 50-Jährige im Gespräch mit den LN, zumal alle Pfarreien im Bistum Essen vor der großen Herausforderung stehen, bis Ende 2017 Konzepte vorlegen zu müssen, mit denen sie bis 2030 erhebliche Einsparungen realisieren sollen. Dabei sei es von Vorteil, dass „ich von außen komme und einen unvoreingenommenen Blick auf die Strukturen in Lüdenscheid werfen kann“, meint Rose. Die Situation der Flüchtlinge, die oft nur mit einem Koffer oder einer Plastiktüte ankommen, könne helfen, die Augen zu öffnen – denn in vielen Gemeinden sei Besitzstandsdenken ausgeprägt. Verzicht sei unausweichlich, um die Ziele zu realisieren. Dass die Pfarreien mit ihren Steuerungsgruppen, die es jetzt auch in St. Medardus gibt, selbst Konzepte entwickeln sollen, sieht Rose als Chance, die Strukturen vor Ort an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Zunächst wird geschaut, was da ist und was benötigt wird. Aber es geht auch darum, Träume und Visionen zu entwickeln, „wie wir uns Kirche in Lüdenscheid vorstellen.“

Ob und wie dies gelingt, „wird von den Menschen abhängen.“ Dass das nicht ohne Gegenwind von denjenigen, die in den vier katholischen Gemeinden verwurzelt sind, ablaufen wird, ist Rose klar. Als Pfarrer ist er für die Organisation in der gesamten Pfarrei St. Medardus zuständig. Aktuell versucht er, die Gottesdienstzeiten an die personellen Möglichkeiten des Pastoralteams anzupassen: „Schließlich sind in den vergangenen Jahren vier Priesterstellen in Lüdenscheid weggefallen.“ Aktuell sind neben Rose noch Pastor Hans Ferkinghoff und Pater Rolf Pfahl, Pastor im Ruhestand, für rund 17 000 Katholiken im Stadtgebiet da. Im Februar wird Johannes Broxtermann seine Sabbatzeit beenden und sich ebenfalls als Pastor einbringen. Daneben gibt es vier Gemeindereferentinnen, zwei davon in der Krankenhausseelsorge, eine Gemeindeassistentin und eine Jugendseelsorgerin.

Geboren und aufgewachsen ist Rose in Gelsenkirchen – somit bekennender Schalke-04-Fan. Bevor er nach Lüdenscheid kam, hatte er sich für eine halbjährige Sabbatzeit in ein Kloster zurückgezogen, um „spirituell aufzutanken und sich auf die Grundlagen des Glaubens zu konzentrieren“, wie er sagt. Zuvor war er Pfarrer im Duisburger Norden. Seine erste Pfarrstelle hatte er nicht weit weg von Lüdenscheid – in Ennepetal. Davor war er Kaplan in Duisburg und Essen. Studiert hat er in Bochum und Freiburg. Bisher habe er sich überall zuhause gefühlt. Auch in Lüdenscheid werde das gelingen, „wenn Menschen bereit sind, mich zu unterstützen, mit allen Stärken und Schwächen, die ich habe.“

Seine ersten Eindrücke von der Stadt sind „besser als gedacht“, meint Rose. Lüdenscheid biete trotz der Leerstände vielfältige Einkaufsmöglichkeiten. Für ihn selbst ist wichtig, dass er oft ohne Auto auskommt – viele Wege macht der sportlich aktive Pfarrer zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Auch das Busangebot sei, zumindest tagsüber, gut. Allerdings sei die Stadt nicht besonders fußgänger- und radfahrerfreundlich. Viele Fußgängerampeln funktionierten erst auf Anforderung „und wenn ich als Radfahrer alle Regeln einhalte, muss ich große Umwege machen“.

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