1. come-on.de
  2. Lüdenscheid

Millimeterarbeit in der Altstadt: Kran bringt neuen Aufzug fürs Rathaus

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Susanne Kornau

VHS-Sanierung: Der neue Fahrstuhl kommt.
Millimeterarbeit: Der neue Aufzug an der Alten Rathausstraße kommt. © Nougrigat

Die Arbeiten zwischen den Häusern Alte Rathausstraße 1 und 3 in dieser Woche sind nichts für schwache Nerven. Selbst Falk Dietrich, seit 30 Jahren im Geschäft und bei der Zentralen Gebäudewirtschaft (ZGW) mit dem VHS-Umbau betraut, kann sich an einen vergleichbaren Aufwand nicht erinnern: „Das ist schon eine spannende Sache.“ Der Einbau eines maßgeschneiderten Aufzugs, der den Seminarbetrieb in den benachbarten Altbauten barrierefrei ermöglichen soll, erfolgt in mehreren Etappen.

Puzzlearbeit mit 600 Kilo schweren Stahlträgern: „Könnte passen“, ruft Metallbauer Pierre Preiß nach oben, wo der Kollege auf der Bohle darüber gerade ebenfalls versucht, mit Augenmaß einzuschätzen, ob das Stahlgerüst am Haken des 48-Meter-Auslegers an seinen Platz gesenkt werden kann.

In dieser Woche stellen die Metallbauer der Firma Brüggemann aus Ahlen das Schachtgerüst für den Aufzug auf. Unverzichtbar dabei ist Kranführer Oliver Weckwerth (Firma Dunkel), der seinen Arbeitsplatz in die Alte Rathausstraße quetschen musste und nun – fast liegend und mit Blick längs des steil aufragenden Auslegers – die behutsamen Bewegungen des gewaltigen Arms nach Anweisungen über Funk blind und passgenau steuert. Sehen kann er aus seiner Position nicht, was auf der anderen Seite passiert. Damit man auf alle Eventualitäten vorbereitet ist, wurde die Aktion zuvor in 3-D simuliert. Und trotzdem: Das Arbeiten vor Ort, bei Wind und Wetter, ist noch einmal etwas anderes.

VHS-Sanierung: Der neue Fahrstuhl kommt.
Schon die Vorbereitungen waren eine Herausforderung. © Nougrigat

Schon die Vorbereitungen waren eine Herausforderung. Nachdem der Statiker die erste Idee für einen am Mauerwerk befestigten Aufzug verworfen hatte, musste umgeplant werden. „Jetzt steht der Aufzug für sich“, sagt Falk Dietrich. Das bedeutete aber auch, dass zunächst im Innenhof eine Art Keller-Schacht ausgehoben werden musste, um die „Unterfahrt“ für den Fahrstuhl anzulegen. Schon das war ein ungewöhnlicher Akt, denn der kleine Bagger konnte zwar eigenständig in den Innenhof gelangen, musste nach getaner Arbeit aber mit einem Kran wieder aus seinem selbst gegrabenen Loch über die Hausdächer gehoben werden.

Der Vorteil des Schachts war, dass nun die Digitalisierungskabel zwischen beiden Gebäuden unterirdisch geführt werden konnten. Auch das Mauerwerk in dem Bereich wurde saniert. Danach wurde das Umfeld des Schachts mit rund 40 Tonnen Schotter aufgefüllt. Damit war der Zwischenraum bereit für das hautenge Schachtgerüst, das nun für sich steht, ohne das Mauerwerk durch die Aufzugsfahrten zu erschüttern und so womöglich Risse zu verursachen.

Der eigentliche Aufzug beansprucht eine Grundfläche von 1,60 mal 2,20 Meter. Er überwindet zwölf Meter Höhe und schafft es durch passgenaue Programmierung, auch die beiden versetzten Gebäude Nr. 1 und Nr. 3 nahtlos und gläsern zu verbinden. „Der fährt schon mal nur 40 Zentimeter“, erläutert Dietrich. Barrierefrei eben. Dafür vor allem ist er auch gedacht. Wer nicht darauf angewiesen ist, sollte ihn nach Möglichkeit auch nicht nutzen, das ist der Plan. Allein das Stahlgerüst, das in einem nächsten Schritt den Aufzug aufnehmen wird, kostet rund 170 000 Euro; der Aufzug noch einmal rund 90 000 Euro.

Dazu kommen Gerüst und Ausschachtung. Aber für die barrierefreie Erschließung ist er unverzichtbar, zumal über den Aufzug auch die Erreichbarkeit der Behindertentoiletten vereinfacht wird. Die sind inzwischen ebenfalls ausgebaut. Ebenso ist eine acht Zentimeter dicke Innendämmung angebracht und als so genannte Flankendämmung von der jeweiligen Außenwand immer 50 Zentimeter um die Raum-Ecken geführt. Aus Denkmalschutzgründen war eine Außendämmung nicht möglich. So oder so: Das Energiesparziel von 30 Prozent wird überschritten.

Stand heute ist der VHS-Umzug für 2022 geplant

Falk Dietrich/ZGW

Im Moment sind die Malerarbeiten ausgeschrieben. Alles gehe Hand in Hand, so Dietrich. Der unter anderem wegen der – nicht über das IHK Altstadt geförderten und nachträglich auf Kosten der Stadt aufgesattelten Digitalisierung – ausgedehnte Zeitplan werde eingehalten, bekräftigt Dietrich. Dass die VHS im als Übergangsdomizil gedachten Quartier in der Albert-Schweitzer-Schule unter Corona-Bedingungen bestens aufgehoben ist, nimmt den Druck aus dem Rückzug in die Innenstadt. „Stand heute ist der VHS-Umzug für 2022 geplant“, sagt Dietrich. Komplett fertig sein soll das Alte Rathaus bis Ende des Jahres, „und das wird auch klappen“.

Auch interessant

Kommentare