Schweizer Berge aus Leitern und Lappen

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Michl Thorbecke als Klara und Aischa-Lina Löbbert (links) als Heidi in der Inszenierung des N.N.-Theaters.

Lüdenscheid - Fünf Rollen, drei Schauspieler, fantasievolle Ideen, viel Musik – eben ganz so, wie man’s vom Kölner N.N.-Theater kennt. Zu Gast war das Ensemble am frühen Mittwochabend mit einem Klassiker: Johanna Spyris „Heidi“, jener Geschichte um das kleine Mädchen, das zunächst jahrelang auf die Alm verbannt wird und später in Frankfurt als Spielgefährtin für die gehbehinderte Klara leben soll.

Michl Thorbecke, Aischa-Lina Löbbert und Antje von Wrochem verkörperten gestern mit Leichtigkeit alle anfallenden Rollen, bietet doch das Stück jegliche Zutaten, die man so braucht, um gutes Theater zu machen: Armut und Krankheit, ein bisschen Böses, natürlich das Gute und nicht zuletzt die Gerechtigkeit.

Die Meinung darüber, ob’s nun Kindertheater oder Theater für Erwachsene zur Kinderstunde war, blieb allerdings bis zum Schluss geteilt.

Vor allem die jüngeren Gäste im Saal brauchten doch so manches Mal erwachsene Schützenhilfe, um zu verstehen, warum das platzsparende Wäschetrockner-Rondell nun plötzlich die Ziegenherde und später der Kronleuchter war, zusammengeknüllte Socken die altbackenen Brötchen und das Tüchlein mit den Glocken gleich beide Lieblingsziegen Schwänli und Bärli darstellen sollten.

Die Inszenierung selbst war als Rückblende angelegt – der Geißenpeter, der altersverwirrt und 92-jährig im Altenheim seine ebenso verwirrte Mitbewohnerin für Heidi hält. E

in Stück in leichter Mundart mit fließenden Übergängen von der Gegenwart in die Vergangenheit, zur Alm, nach Frankfurt und zurück in die Berge war nur bedingt das, was die regelmäßigen Theaterbesucher von „Heidi“ erwartet hatten.

Umgesetzt hat das dreiköpfige Ensemble aus Köln die Geschichte des Waisenmädchens genau so großartig, wie man eine Inszenierung der Volksbühne erwartet: Eine multifunktionale Kulisse aus Leitern und Lappen als Schweizer Berge, die hin und wieder bedrohlich schwankte.

Der Rollstuhl, der wahlweise als Gefährt, als Kutsche oder auch als Haustür diente und drei glänzende Schauspieler. Michl Thorbecke als grantelnder Öhi, als wuselhaariger Ziegen-Peter und später als zwölfjährige blonde Klara im Rollstuhl – genial. Aber wie erklärt man eine solche Verwandlung Sechsjährigen? - Jutta Rudewig

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