Johannes-Busch-Haus befindet sich im Umbruch

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Thomas Cordt, Leiter des Johannes-Busch-Hauses.

LÜDENSCHEID - Das Johannes-Busch-Haus wird zum Johannes-Busch-Wohnverbund, analog zu den sieben weiteren Einrichtungen des Johanneswerks in Nordrhein-Westfalen.

Mit dem namentlichen Bezug zu Johannes Busch „bleibt aber in Lüdenscheid der Markenkern erhalten“, der sich in den letzten 40 Jahren in Lüdenscheid etabliert habe, wie Thomas Cordt, Leiter des Hauses, im Gespräch mit den LN sagt.

Aus dem „Haus“ wird ein „Verbund“

Doch über die Neufirmierung hinaus ist man an der Bodelschwinghstraße derzeit dabei, die Einrichtung – oder besser, den Verbund – zukunftsfest zu machen. Denn der demographische Wandel erreicht auch die sieben Außenwohngruppen und den Stammsitz am Bräucken mit allein mehr als 50 Bewohnern. Insgesamt sind es zurzeit 300 Menschen mit geistiger Behinderung, für die das Johannes-Busch-Busch das Zuhause ist oder die darüber ambulante Hilfe und Unterstützung finden.

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Für die Öffentlichkeit am augenfälligsten wird aber demnächst ein ambitioniertes Projekt, das auf dem Jahnplatz verwirklicht werden soll: ein Neubau für 24 junge Bewohner zwischen 6 und 18 Jahren, später auch im Alter ab drei Jahren. Den Bedarf dafür hat der Märkische Kreis ermittelt, doch aus der Beratungstätigkeit des familienunterstützenden Dienstes kennt man ihn im Johannes-Busch-Haus ohnehin. Auszugehen sei von 67 Kindern mit geistiger Behinderung, die eigentlich für eine stationäre Unterbringung in Frage kämen. In der Praxis konnte man bislang den Familien nur Plätze andernorts in NRW oder sogar außerhalb der Landesgrenzen anbieten.

Das wird sich nun ändern, wenn auch nicht von heute auf morgen. Im Vorlauf plane man eine zwölfköpfige Wohngruppe mit Kindern und Jugendlichen, die auf bewährte Art in der Stadt eingerichtet werden soll. Sie würde 2017, eher 2018 aufgehen in der größeren Einheit auf dem Jahnplatz, erläutert Cordt. In der Grobplanung geht es um eine Fläche von 2300 Quadratmetern, die man von der Stadt erwerben möchte, um darauf einen Komplex mit drei Vollgeschossen plus Satteldach zu errichten. Ein Neubauvorhaben dieser Größenordnung sei einzigartig in der Geschichte des Johannes-Busch-Hauses, so Cordt.

Auch am Stammsitz selbst wird dezentralisiert. Aus dem Haupthaus werden mittelfristig 24 Bewohner ausziehen in einen Neubau, der nebenan auf dem Gelände des Bolzplatzes entstehen soll.

Enormen Handlungsbedarf sehen die Fachleute und inzwischen auch die Politik mit der Zunahme der Zahl älterer Menschen mit geistiger Behinderung. „Die Seniorenbetreuung wächst massiv“. Waren es vor fünf Jahren noch vier Besucher, die das Angebot an der Bodelschwinghstraße wahrnahmen, sind es inzwischen 28, darunter viele, die in den Werkstätten beschäftigt waren und alters- oder krankheitsbedingt nicht mehr dort arbeiten können. Drei dezentrale Anlaufstellen sind in Regie des Johannes-Busch-Hauses inzwischen aktiv: im Haus selbst, an der Hochstraße und in der Alten Schule Oberrahmede.

Tragende Säule ist der Förderverein

Einen entscheidenden Anteil misst Cordt bei diesen Projekten der Inklusion Behinderter dem Verein der Freunde und Förderer des Hauses zu. Kostenträger des Hauses mit 170 Mitarbeitern und einem Millionen-Etat im Grundsatz ist natürlich der Landschaftsverband Westfalen-Lippe.

Doch alles was an zusätzlichen Leistungen und Angeboten umgesetzt werde, erfordere zusätzliche Mittel, die über den Verein gestellt werden – der für seine Arbeit erst im Januar durch die Stadt Lüdenscheid und eine Spende der Stadtwerke ausgezeichnet wurde.

Ob die Begegnungsstätte „Der Kleine Prinz“, das eigene Reha-Angebot des Vereins oder die Kulturwerkstatt Alte Schule; alle diese Vorhaben wurden erst durch den Verein und damit durch die Unterstützung aller Bürger möglich. „Lüdenscheid ist“, sagt Cordt, „ein gutes Pflaster für Menschen mit geistiger Behinderung.“ - von Florian Hesse

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