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Neue Grundsteuer im MK: Was Sie jetzt wissen müssen

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Von: Susanne Kornau

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„Wir gehen da ganz entspannt dran“: Die FPP-Steuerberater Martin John (links) und Bernd Nörenberg sehen Stärken und Schwächen der neuen Grundsteuer.
„Wir gehen da ganz entspannt dran“: Die FPP-Steuerberater Martin John (links) und Bernd Nörenberg sehen Stärken und Schwächen der neuen Grundsteuer. © Susanne Kornau

Die beiden Steuerberater Martin John und Bernd Nörenberg beantworten die wichtigsten Fragen zur neuen Grundsteuer.

Lüdenscheid – Warum müssen Steuererklärungen für die „neue Grundsteuer“ abgegeben werden?

Die bisherige Grundsteuer basierte auf den für die Grundstücke festgestellten Einheitswerten nach den Wertverhältnissen auf den 01.01.1964 (alte Länder) bzw. 01.01.1935 (neue Länder). Das BVerfG hat mit Urteil vom 10.04.2018 entschieden, dass die Regelungen zur Einheitsbewertung von Grundvermögen jedenfalls seit 2002 verfassungswidrig sind. Der Gesetzgeber hatte bis zum 31.12.2019 eine Neuregelung zu treffen. Aufgrund dieser gesetzlichen Neuregelung sind Steuererklärungen abzugeben. Die alten, verfassungswidrigen Regelungen dürfen aber bis zum 31.12.2024 weiter angewendet werden. Das neue Grundsteuerrecht findet daher erst ab dem 01.01.2025 Anwendung.

Auf welchen Stichtag findet eine Neubewertung der Grundstücke statt?

Auf den 01.01.2022.

Bis wann ist die Steuererklärung abzugeben?

Die Steuererklärung ist in der Zeit vom 01.07. bis 31.10.2022 abzugeben.

In welcher Form ist die Steuererklärung abzugeben?

Die Steuererklärung kann ausschließlich digital mit dem Elster-Programm an das Finanzamt übermittelt werden. Papierformulare gibt es nicht.

Wer muss die Steuererklärung abgeben?

Wer am 01.01.2022 Eigentümer des Grundstücks war, hat eine Erklärung abzugeben. Jeder Grundstückseigentümer hat für jedes einzelne Grundstück, soweit es sich um eine eigenständige wirtschaftliche Einheit handelt, eine Steuererklärung zu übermitteln. Dabei ist die bisherige Einheitswertnummer als Steuernummer zu verwenden, damit die Finanzverwaltung die Angaben den Liegenschaften zuordnen kann. Das gilt sowohl für Privatpersonen als auch für Firmen/Gesellschaften/Gemeinschaften für jegliche Art von Grundstücken wie zum Beispiel unbebaute Grundstücke, Ein- und Zweifamilienhäuser, Eigentumswohnungen, Mietwohngrundstücke, Geschäftsgrundstücke, Firmengrundstücke sowie land- und forstwirtschaftliche Grundstücke.

Welche Angaben sind in der Steuererklärung zu machen, und kann man die Berechnungen der Finanzverwaltung dabei nachvollziehen?

Es werden nur Fragen zum Sachverhalt abgefragt wie zum Beispiel Einheitswertnummer laut Einheitswertbescheid, Grundbuchangaben, Angaben zu den Grundstücks- und Gebäudeflächen, Baujahr, Angaben zum jeweiligen Eigentümer und andere. Derzeit liegen uns keine Erkenntnisse vor, ob das Elster-Programm eine Berechnung des neuen Grundsteuerwerts beinhaltet.

Gibt es, wie zum Beispiel zur Einkommensteuererklärung, eine Arbeitshilfe des Finanzamts?

Aktuell verschickt die Finanzverwaltung Informationsschreiben für land- und forstwirtschaftliche Grundstücke. Weitere Informationsschreiben für die übrigen Grundstücksarten sollen auch noch versandt werden. Darüber hinaus steht das Online-Portal www.grundsteuer.nrw.de seitens des Finanzamts zur Verfügung, in das nach und nach Informationen eingestellt werden sollen.

Wie berechnet sich die neue Grundsteuer?

Es gibt wie bisher ein zweistufiges Verfahren. Das Finanzamt stellt den Grundbesitzwert und den Grundsteuermessbetrag fest. Der Grundbesitzwert wird entweder als Ertragswert (Wohngrundstücke) oder als Sachwert (Nichtwohngrundstücke, zum Beispiel gemischt genutzte Grundstücke, Betriebsgrundstücke) festgestellt. Die Kommune setzt dann auf der Grundlage des Messbetrags die Grundsteuer in Höhe eines Grundsteuerhebesatzes fest.

Wird die neue Grundsteuer höher als die bisherige?

Die Politik hat sich dahingehend geäußert, dass die Neuregelung der Grundsteuer „aufkommensneutral“ ausgestaltet werden soll, das heißt im Ergebnis soll das Aufkommen der Grundsteuer für die Kommunen unverändert bleiben. Die neuen Grundbesitzwerte werden deutlich höher ausfallen als die bisherigen Einheitswerte (nach unseren bisherigen Berechnungen ca. das drei- bis vierfache).

Der bisherige Messbetrag beträgt 3,5/1.000, der neue Messbetrag nur 0,31/1.000 für Wohngrundstücke und 0,34/1.000 für unbebaute Grundstücke und Nichtwohngrundstücke. Ob die Grundsteuer höher wird, hängt somit entscheidend von den bisher noch nicht bekannten Hebesätzen ab 2025 der einzelnen Kommunen ab.

Gibt es bundesweit eine einheitliche Grundsteuer?

Nein, es gibt zum einen das Bundesmodell und zum anderen eigene Modelle einzelner Bundesländer zum Beispiel von Bayern, Hamburg und anderen. Das Land NRW hat das Bundesmodell übernommen.

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