Neue Gema-Tarife bereiten Veranstaltern Sorge

Die MK-Total-Partynacht: Werden Veranstaltungen wie diese bald ein teurer Spaß?

LÜDENSCHEID ▪ Die Pläne der Gema, ihre Musik-Gebühren ab 2013 neu zu staffeln, stoßen bei Lüdenscheider Veranstaltern von Festen und Konzerten auf Skepsis. Jürgen Wigginghaus, Rolf Linnepe und Thommy Gnatowski fürchten alte Ungerechtigkeiten und neue Nachteile – auch für Vereine.

Wenn zu erhöhten Sicherheitsanforderungen noch steigende Gebühren kommen, könne dies für traditionsreiche und beliebte Veranstaltungen das Aus bedeuten.

Statt bisher nach elf Kategorien sollen die Gebühren nun nur noch nach Live- und Tonträgerveranstaltungen unterscheiden. Für die Höhe sind die Größe des Veranstaltungsraums und der Höhe des Eintrittspreises ausschlaggebend. Laut Jürgen Wigginghaus (Gaststätte Dahlmann/Nachtflug) kehrt mit dieser Vereinfachung vor allem eine alte Ungerechtigkeit zurück: „Ist ein Live-Konzert schlechter besucht, wirst du mit einer starren Gema-Gebühr doppelt bestraft.“ Seit 2011 gelte dagegen bei Konzerten der Brutto-Umsatz als Kriterium, die Gema-Gebühr sei außerdem gedeckelt – „das ist auch richtig“, meint Wigginghaus. „Denn davor musstest du bei 400 Euro Umsatz noch 150 an die Gema zahlen“, und so etwas drohe mit der Reform jetzt wieder. Nur dass heute auch erhöhte Sicherheitsanforderungen Mehrkosten verursachten, vom „Crash-Barrier“-Absperrgitter bis zum ganzen Feuerwehrzug, der an der Schützenhalle stehen muss.

Die Quadratmeter-Vorgabe der Gema bereitet auch Rolf Linnepe Kopfzerbrechen. Der Vorsitzende des Bürgerschützenvereins befürchtet für den großen BSV-Platz eine Kostenexplosion: „Wie will man das denn für ein Osterfeuer rechnen?“ Mit Veranstaltungs-Einnahmen finanzierten viele Vereine ihre Kern-Aktivitäten, beim BSV etwa Schützenheim und Schießstand, erinnerte Linnepe.

Auch Thommy Gnatowski (Thommy Entertainment) sieht hier das größte Problem: „Es darf nicht sein, dass Vereine existenziell gefährdet werden, weil sich ihre Feste nicht mehr rechnen.“ Allerdings habe er die Erfahrung gemacht, dass man mit der Gema auch vernünftig verhandeln kann.

Laut der Gesellschaft sollen 60 Prozent aller Veranstalter, darunter gerade die kleinen, sogar besser wegkommen, während die Großen draufzahlen. Das bezweifelt etwa der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband: Schon bei etwas mehr als 100 Quadratmetern Veranstaltungsraum – der neuen Gema-Richtgröße – werde es teurer als bisher, sobald Eintritt genommen wird, die Gebühr erhöhe sich mit jedem Ticket-Euro weiter. Und: Dauern Veranstaltungen länger als fünf Stunden, steige der Gema-Satz um 50 Prozent für jeweils weitere drei Stunden. Das sei für Discos unbezahlbar, zumal auch die Zahl der Veranstaltungen neu berechnet werde, erklärte der Dehoga.

Auch Sportvereine zahlen jährlich Gema-Gebühren: Pro Mitglied fließen sieben Cent über die Sporthilfe an den Landessportbund LSB. Damit sind die Ansprüche der Gema an die Vereine, die bei ihren Veranstaltungen Musik einspielen, abgedeckt. Der Betrag wird mit dem Beitrag zur Sporthilfe und der gesetzlichen Unfallversicherung bezahlt. Bei Sporthilfe und Landessportbund ging man gestern davon aus, dass sich an diesem Paket nichts ändert: Der LSB hoffe, dass der aktuelle Rahmenvertrag weiter Bestand haben wird, hieß es.

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