Neue Fachhochschule von Studenten „überrannt“

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Es gab schon bei der Schlüsselübergabe durch Dr. Ali Arnaout an den FH-Vizepräsidenten Heinz-Joachim Henkemeier zu wenige Plätze.

LÜDENSCHEID - 150 Gäste aus Politik, Verwaltung und Hochschule kamen am Mittwoch zur Einweihung des Fachhochschul-Gebäudes an die Bahnhofsallee. Bis zu 600 Studenten sollen in Lüdenscheid lernen, 322 und elf Professoren den Neubau ab jetzt mit Leben erfüllen.

Von Thomas Hagemann

Die Einweihung des neuen FH-Standortes Lüdenscheid war die Stunde der Geburtshelfer: „Neun Monate, das entspricht der menschlichen Natur“, schmunzelte Bürgermeister Dieter Dzewas mit Blick auf die rekordverdächtige Bauzeit. „Und der Kollege Schwab nahm das als sein Baby an“, ergänzte FH-Präsident Dr. Claus Schuster. Doch während dieses Baby noch nicht einmal ganz ausgestattet ist, denken viele schon an einen Zwilling.

Denn nahezu alle Redner riskierten am Mittwoch einen rhetorischen Blick auf die benachbarte Fläche für einen Erweiterungsbau. „Vielleicht in zwei oder drei Jahren“ nannte FH-Vizepräsident Heinz-Joachim Henkemeier schon vorsichtig einen Termin. Vor drei Jahren habe er zur Einweihung in Meschede eine ähnliche Rede gehalten; „vor sechs Monaten eröffnete dort der Anbau“.

Zweifellos erlebe die Fachhochschule dank praxisorientierter Verbundstudiengänge einen Boom, bestätigte Staatssekretär Helmut Dockter vom Landesministerium für Wissenschaft und Forschung. Von 3000 Verbundstudenten in NRW lernten jetzt 1500 an den fünf Standorten der FH Südwestfalen.

Dockter skizzierte auch das Auf und Ab der Zukunft. Auf den erwarteten Andrang geburtenstarker Jahrgänge samt doppeltem Abi-Jahrgang reagiere Düsseldorf mit dem Bau vier weiterer FH-Standorte plus acht Ausbauten – das seien 11 000 Studienplätze für 800 Millionen Euro. Ab 2020 werde ein starkes Abfallen der Studentenzahlen erwartet. „Aber dann gilt erst recht, dass wir in Zeiten des Fachkräftemangels kein Talent verlieren dürfen!“

Dzewas hob Kooperationsbereitschaft und Verlässlichkeit der beteiligten Nachbarstädte hervor: „Da gab es kein Kirchturmdenken“, lobte er, und ohne den Einsatz des früheren CDU-Landtagsabgeordneten Bernd Schulte gäbe es den FH-Standort Lüdenscheid womöglich auch nicht. In Lüdenscheid sei die FH im Umfeld der Denkfabrik bestens aufgehoben. Hochschulen erster und zweiter Klasse gebe es ohnehin nicht. „Nur die FH setzt Wirtschaftsinhalte in Studieninhalte um.“

Harald Rutenbeck, Präsident der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen, nannte die enge Verzahnung von Wirtschaft und Bildung in den Instituten, das langjährige Engagement von Industrie und Handwerk in Forschung und Entwicklung sowie die Zusammenarbeit mit kommunalen und Landesbehörden als Erfolgsfaktoren.

Henkemeier erkannte denn auch in der künftigen Brücke über das Gleis zur Phänomenta und dem Entwicklungs- und GründerCentrum eine Symbolik. Allerdings zeitigte die Nähe des Neubaus zum Bahnhof auch praktische Folgen: „Wir mussten eigens ein Gutachten zu der Frage anfertigen lassen, ob der Computertomograph durch Schwingungen vorbeifahrender Züge beeinträchtigt wird.“

Eine Studentin im sechsten Semester, die am Samstag ein Verbundseminar hat und die Computer im PC-Raum einzurichten half, hieb am Ende mit Blick aufs Platzangebot in dieselbe Kerbe wie die Redner im Saal. Schön sei der Bau ja geworden, sagte sie. „Nur die Räume hier sind alle viel kleiner als in Iserlohn.“

Der neue FH-Standort in Zahlen:

-Der Neubau der FH Südwestfalen kostete rund 6 Millionen Euro.

- Die Mietfläche der FH beträgt 3000 Quadratmeter.

- Die Bauzeit durch Generalunternehmer Mees betrug neun Monate.

- Über dem für Parkplätze aufgeständerten Erdgeschoss erheben sich drei Obergeschosse. Das begehbare Dach soll eine Solaranlage aufnehmen.

- Die FH bietet Platz für 600 Studenten im Maschinenbau, der Gebäudesystemtechnik sowie der Kunststoff- und Medizintechnik.

- Das Gebäude gehört der Engel & Völkers Capital AG., die Fondsanteile à 200.000 Euro anbietet.

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