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Sportklinik optimiert das Netto-Gehalt für die Beschäftigten

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Von: Bernd Eiber

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Personalleiterin Heike Ketzlin und Geschäftsführer Dirk Burghaus werben für das Vergütungsmodell der Sportklinik. © Eiber

Lüdenscheid. Eine Gehaltserhöhung klingt auf den ersten Blick sehr verlockend. Lange Gesichter gibt’s meistens bei der nächsten Abrechnung. Fiskus und Sozialversicherungsträger genehmigen sich zusammen den kräftigsten Schluck aus der Pulle. Doch es geht auch anders. Wie trotz eines geringeren Bruttogehalts mehr Geld in der Tasche des Mitarbeiters bleibt, zeigt ein Modell der Sportklinik Hellersen.

„Netto-Entgelt-Optimierung“, kurz „Neo“, heißt die Zauberformel, mit der eine lange Gewerkschaftsforderung nach mehr Netto vom Brutto Wirklichkeit wird. Essensschecks, Gutscheine fürs Tanken und Einkaufen (Hellersen-Card) sowie Werbeflächenpauschale machen es möglich.

 Für Sportklinik-Geschäftsführer Dirk Burghaus und Personalleiterin Heike Ketzlin hat dieses freiwillige Angebot, das zusammen mit der Münchner ValueNet Group verwirklicht wurde, eine ganze Reihe von Vorteilen: „Die Zufriedenheit der Mitarbeiter steigt, die Kaufkraft wächst, profitieren kann die gesamte Belegschaft, und der Arbeitgeber präsentiert sich als innovatives Unternehmen.“ 

Was bislang vergleichsweise großen Konzernen vorbehalten blieb, soll nun in den breiten Mittelstand getragen werden. Beispiel: Ein 40-jähriger Mitarbeiter der Sportklinik verdient ohne Neo 2700 Euro brutto. Abzüglich Lohnsteuer, Soli und den Sozialversicherungen bleiben unterm Strich 1763 Euro netto. Die Gesamtkosten des Arbeitgebers liegen bei rund 3220 Euro.

Keine Einbußen bei der Rente

 Mit "Neo" verdient der Mitarbeiter monatlich zwar nur 2470 Euro brutto und knapp 1700 Euro netto, mit Essensschecks über 91,50 Euro, der Hellersen-Card mit 44 Euro und einer Werbeflächenpauschale von 21 Euro kommt der Mitarbeiter unterm Strich auf 1850 Euro. Weil es einen kompletten Versorgungsausgleich zum ursprünglichen Gehalt gebe, habe der Beschäftigte auch keine Einbußen bei Rente, Arbeitslosigkeit oder Krankheit, erklärt Burghaus. Summa summarum ergibt das Optimierungskonstrukt ein Plus von sechs Prozent.

Die Essensschecks lassen sich in verschiedenen Restaurants einlösen, aber ebenso in Discountern oder Supermarktketten. Mit der Hellersen-Card kann bei verschiednen Marken der Tank gefüllt werden, genauso dürfen Parfum, Winterreifen, Brillanten, Schlagbohrmaschinen oder Billy-Regale auf dem Einkaufszettel stehen. Der Vorteil für den Inhaber: Der Kartenbetrag muss nicht in einem Monat eingelöst, sondern kann auch problemlos für den Kauf des neuen Flachbildschirms oder der Gartenmöbel angespart werden. Mit dem Optimierungsmodell sollen die Beschäftigten zugleich als Werbepartner gewonnen werden: Während auf den Nummernschildhaltern häufig die Firmennamen von Autohäusern prangen, sollen die Fahrzeuge dezent als Botschafter der Sportklinik im Straßenverkehr unterwegs sein.

Bislang haben sich seit Auflage des Programms vor knapp einem Jahr 35 der rund 350 Beschäftigten für „Neo“ entschieden – „mit steigender Tendenz“, wie Heike Ketzlin erfreut feststellt. „Der Arbeitgeber übernimmt Ausgaben, die der Mitarbeiter ohnehin von seinem Gehalt zahlen müsste. Das aber völlig steuer- und abgabenfrei.“ 

Klinik will Mitarbeiter motivieren 

In Einzelgesprächen mit dem Münchner Partner, der die Verwaltungsaufgaben übernimmt, wird den Beschäftigten das mit dem Betriebsrat vereinbarte Modell individuell erklärt und ausgerechnet. „Während viele Einrichtungen nur besonders qualifizierten Beschäftigten eine Gehaltserhöhung gewähren, kann mit diesem legalen Konstrukt die gesamte Belegschaft profitieren“, erklärt Burghaus. Der komplette Versorgungsausgleich bei den Sozialversicherungsleistungen mache das Paket richtig attraktiv.

 „Der Gewinn der Sportklinik liegt in der Zufriedenheit und Motivation der Mitarbeiter.“ Auch der Handel reagiere positiv: Bundesweit wachse die Akzeptanz. 

Bei den drei Bausteinen soll es nicht bleiben. Fahrräder und E-Bikes ließen sich ebenfalls steuervergünstigt an den Mann oder die Frau bringen, denkt Burghaus bereits über den nächsten Motivationsschub nach. Der Geschäftsführer hofft, dass mehr mittelständische Unternehmen auf den vom Einkommensteuergesetz zugelassenen Zug aufspringen. Dann könnte aus der Hellersen- vielleicht eine Lüdenscheid-Card werden, um den lokalen Handel zu stärken.

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