Urteil des OLG Frankfurt

"Skylines": Anwalt aus Lüdenscheid will Netflix stoppen - Fans wütend

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Jan Lehmann alias "Cousin JMF" strengte die Klage gegen Netflix an.

Lüdenscheid - Im Streit mit Netflix hat Andreas Milch, Anwalt mit Lüdenscheider Wurzeln, in zweiter Instanz das Nachsehen. Die Serie Skylines bleibt abrufbar. 

  • Anwalt Andreas Milch aus Lüdenscheid kämpft gegen Netflix
  • Er wollte die Netflix-Serie "Skylines" wegen Parallelen stoppen
  • Das OLG Frankfurt sprach sich jetzt für die Kunstfreiheit aus

Andreas Milch, Anwalt mit Lüdenscheider Wurzeln, kämpft weiter gegen den Streaming-Giganten Netflix. Er wirft dem Unternehmen vor, in der Serie "Skylines" Persönlichkeitsrechte und Namensrechte seines Mandanten, Rapper Jan Lehmann, zu verletzen. 

Den Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz hatte das Landgericht Frankfurt zuvor als unbegründet abgewiesen. Die Beschwerde dagegen vor dem Oberlandesgericht Frankfurt blieb nun ebenfalls erfolglos. Gegenüber come-on.de erklärte Milch, nun das Hauptsacheverfahren anzustrengen. 

In der Entscheidung über die Beschwerde sah das OLG Frankfurt keine Verletzung des Persönlichkeitsrechts von Milchs Mandanten Jan Lehmann durch die Netflix-Serie "Skylines". Rapper Lehmann betreibt in Frankfurt ein Plattenlabel, das wie in der Serie "Skyline Records" heißt. 

Netflix-Serie "Skylines" ist nach Urteil weiter abrufbar

Noch vor einigen Wochen hatte sich Anwalt Milch optimistisch gezeigt. Nach dem Start der sechsteiligen Serie Ende September sah er sich in seiner Sichtweise sogar noch bestärkt. Gegenüber www.come-on.de hatte Andreas Milch aus Lüdenscheid über die Netflix-Serie gesagt: „Es melden sich bei meinem Mandanten viele Fans der Serie, die das Label Skyline Records für das Label aus der Serie halten. Was zur Folge hat, dass der Zuschauer offensichtlich denkt, Skyline Records sei mit Drogengeldern aufgebaut worden und habe mit der organisierten Kriminalität zu tun. Dies ist extrem rufschädigend.“

Beschwerde von Anwalt aus Lüdenscheid - OLG Frankfurt veröffentlicht Urteil

Im am Mittwoch veröffentlichten Urteil vertreten die Richter des OLG Frankfurt eine andere Auffassung als der Anwalt Andreas Milch aus Lüdenscheid und entschieden sich für die Kunstfreiheit. Das Verbreitungsinteresse der Serie durch Netflix wiege schwerer als das Persönlichkeitsrecht des Antragstellers und sein Unternehmerpersönlichkeitsrecht hinsichtlich des Unternehmens "Skyline Records", heißt es in der Urteilsbegründung. Anwalt Milch weist darauf hin, dass "über die Namensrechtverletzung wurde noch gar nicht entschieden" worden sei. 

Netflix-Serie "Skylines": Trotz Parallelen überwiegt die Kunstfreiheit

Die Lebensläufe der Protagonisten und die Geschäftstätigkeit der Firma seien ausreichend künstlerisch verfremdet worden. Die Anknüpfungspunkte der Netflix-Serie an den Werdegang des Antragstellers führten nicht zu einer Verdichtung, durch die "Kunstbild und Urbild der Figuren nicht mehr voneinander unterscheidbar wären".

Obwohl es Übereinstimmungen zwischen dem Antragsteller und dem Protagonisten gebe, seien sie nicht so wesentlich, dass der Durchschnittsbetrachter den Unterschied zwischen Fiktion und Wirklichkeit nicht mehr erkennen könne. 

Richter widersprechen Argumentation des Anwalts aus Lüdenscheid

Die Richter weiter: Die Handlung der Serie sei derartig von Gewalt, Brutalität und Verbrechen geprägt, dass der durchschnittliche Zuschauer eine filmische Übertreibung erkenne, mit der fiktionale Spannung erzeugt werden solle. In einem Beitrag wird das Kanakisch aus der Netflix-Serie für Laien erklärt.

Dem Zuschauer bleibe jederzeit bewusst, dass mit der Serie nicht der Werdegang und die Geschäftspraktiken einer in Frankfurt ansässigen Plattenfirma mit gleichem Namen nacherzählt würden.

Die Fans der Serie sind trotzdem wütend, denn eine Fortsetzung der Serie wird es nicht geben. Nach Medienberichten hat Netflix keine zweite Staffel von "Skylines" bestellt - ohne Angaben von Gründen. 

Am Abend nahm Anwalt Milch Stellung zum Urteil des OLG Frankfurt:

"

Wir haben uns selbstverständlich schon zuvor mit dem Szenario auseinandergesetzt, wenn das OLG unseren Antrag auf einstweiligen Rechtschutz ablehnen sollte. Herr Lehmann wird nun das Hauptsacheverfahren anstrengen.

Es ist wichtig zu wissen, dass das einstweilige Rechtschutzverfahren, über welches das LG und nun das OLG Frankfurt befunden haben, nur ein Eilrechtschutzverfahren ist, welches vorläufigen Rechtschutz bietet. Ohnehin muss darauf ein Hauptsachverfahren folgen, dies selbst wenn das OLG nun zu unseren Gunsten entschieden hätte. 

Der Antrag auf einstweiligen Rechtschutz wurde hinsichtlich der Persönlichkeitsrechte abgelehnt, da trotz erheblicher (so unsere Meinung!) Übereinstimmungen des Cousin JMF mit dem Protagonisten JINN, das Verbreitungsinteresse hier laut dem Gericht überwiege, da die Geschichte angeblich so sehr fiktionalisiert sei, dass der Zuschauer wissen muss, dass es reine Fiktion und nicht die Geschichte des Cousin JMF sei. 

Anwalt: Entscheidung über Namensrechtsverletzung noch nicht getroffen

Ob die Geschichte der Serie in Anbetracht dessen, dass diese in Frankfurt am Main, die laut Kriminalstatistik 2018 die gefährlichste Stadt Deutschland war, in Augen des Zuschauers tatsächlich dermaßen fiktionalisiert ist, dass der Zuschauer keine Verbindung zu Cousin JMF und dessen real existierenden Label Skyline Records sieht, muss diesseits sehr in Zweifel gestellt werden. 

Zudem erhält unser Mandant regelmäßig Anfragen von Fans der Serie über seine Website, die darauf schließen lassen, dass die Grenze zur Fiktionalität hier eben von der Zielgruppe der Serie nicht gezogen wird. Hinsichtlich der Namensrechte hatte das LG Frankfurt seinerzeit kein Eilbedürfnis gesehen. Hier wurde also keine Entscheidung getroffen. Die Namensrechtsverletzung ist zusätzlich zu den verletzten Persönlichkeitsrechten dann Inhalt des Hauptsacheverfahrens."

Und abschließend: "Für Netflix ist dieser Rechtsstreit noch nicht ausgestanden! Es geht also weiter, in dem Rechtsstreit wird es also eine zweite Staffel vor Gericht geben."

Mit Material von afp

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