Neiddenken unter Frauen: die Freundin als Konkurrentin

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Sabine Drescher (in dunkelgrün) nahm Frauen-Freundschaften genauer unter die Lupe.

LÜDENSCHEID - Herzliche Freundschaft und Konkurrenzdenken liegen bei Frauen dicht beieinander. Das behauptet zumindest Sabine Drescher. Mit Beispielen aus den Grimmschen Märchen untermauert sie ihre These. Außerdem erläutert Drescher, wie Neid und Konkurrenzdenken überhaupt erst entstehen.

Trotz des anhaltenden Schneetreibens konnte man beim ersten diesjährigen Frühstückstreffen im Gemeindezentrum der Christuskirche ein „volles Haus“ verzeichnen. Unter der Überschrift „Spieglein, Spieglein an der Wand…“ nahm die Referentin des Morgens, die langjährige CVJM-Kreisverbandssekretärin und jetzige Gemeindepädagogin der evangelischen Kirchengemeinde Brügge-Lösenbach, Sabine Drescher, sich das Thema „Konkurrenz- und Neiddenken unter Frauen“ vor.

Dabei behauptete sie gleich am Anfang, dass herzliche Freundschaft und Konkurrenzdenken bei Frauen eng beieinander liegen. Mit Beispielen aus den Grimmschen Märchen („Schneewittchen“, „Aschenputtel“) und „Konkurrenz-Geschichten“ aus der Bibel (Sarah und Hagar, Maria und Martha) erläuterte sie ihre Ansicht, dass „alles Bemühen, aller Kampf, alle Konkurrenz auf Beziehung ausgerichtet ist“. Das „Spieglein an der Wand“ der bösen Königin stehe als Symbol für das Vergleichen.

Neid entstehe immer aus dem Gefühl der Unterlegenheit. Konkurrenzdenken – so hieß es in dem Vortrag – hänge vermutlich auch ein wenig mit der Situation der modernen Frauen zusammen, die das Leben mit seinen verschiedenen Herausforderungen „möglichst perfekt hinkriegen“ möchten. Sie hätten oft das Gefühl, dass das, was sie in Familie, Beruf, Ehrenamt usw. leisten, nicht genug sei. Obwohl sie vieles besäßen und könnten, beneideten sie andere Frauen um etwas, was sie auch gern hätten oder können möchten.

Impulse für Gespräche in kleinen Gruppen lieferten die Fragen „Wo entstehen bei mir Gefühle der Unterlegen-heit und der Minderwertigkeit?“, „Wann erlebe ich andere Frauen/Freundinnen als Konkurrentinnen?“ und „Wie gehe ich damit um?“

Am Schluss ihres Referats setzte Sabine Drescher dem Konkurrenzdenken Gedanken von Martin Buber („In jedem Menschen ist etwas Kostbares, das in keinem anderen ist“) und aus dem 139. Psalm („.. ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin“) entgegen. Weil Gott jeden Menschen als unverwechselbares Individuum, als einmalige und wertvolle Persönlichkeit geschaffen habe, dürfe der Mensch sich so annehmen, wie er ist. - ih

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