Vom Nebeneinander zum Miteinander

Die Ausstellung „Wir hier“ in den Museen der Stadt öffnete den Blick für ganz unterschiedliche Schicksale und Lebenswege, die eines verband – eine Zukunft in Lüdenscheid und Umgebung.

Lüdenscheid - Der Wunsch, weiterzumachen, etwas erfolgreich Begonnenes gemeinsam fortzusetzen, dazu die Neugier auf die junge Gemeinschaft, die hier gerade entstanden ist, die Freude an neuen Freundschaften, die gleichwohl Anlässe zur Pflege brauchen – das eint sie alle, die Lüdenscheider aus unterschiedlichen Nationen, die jetzt als „Wir hier!“ eine kraftvolle Stimme im Konzert der hiesigen Vereine werden wollen.

„Schwierig war’s nicht“, sagt Deniz Kutlu. „Die Leute kannten sich ja schon.“ Das hatte „das Projekt“ geschafft, wie die „Wir hier!“ rückblickend genannt wird.

Vom 24. März 2012 bis 26. Mai 2013 war sie, die anhand vieler ganz persönlicher Leihgaben Wege nach Lüdenscheid nachzeichnete, Drehscheibe für unzählige interkulturelle Begegnungen gewesen. Die Ausstellung hat Menschen zum Kennenlernen, zum Erzählen und zum Feiern zusammengebracht. Aus dem Nebeneinander wurde ein Miteinander. „Es gibt so viele Migrantenvereine, die sich nicht kennen“, sagt Deniz Kutlu, „aber durch das Projekt haben sie gemerkt, dass sie sich verstehen.“

„Durch die Ausstellung“, ergänzt Potlako Meinhardt Thandiwe Mokgadi, „waren die Berührungsängste aufgehoben. Man wusste, wie spreche ich den an...“

Fast von selbst erfüllte sich damit ein Anspruch, mit dem sich die beiden freien wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Ulrike Tütemann und Dorna Hatamlooy bei der bundesweiten Fachtagung des Arbeitskreises Migration im Deutschen Museumsbund im Herbst 2012 in Berlin konfrontiert sahen: der Frage nach der Nachhaltigkeit. Wie bewahrt man den Geist einer solchen Ausstellung, wie das Erreichte? Und wie verankert man das im Alltag einer Stadt oder gar der ganzen Region?

Die Idee der Vereinsgründung wurde geboren und konnte nach mehrmonatiger Planung am 1. Oktober 2013 umgesetzt werden. Seitdem existiert „Wir hier! Verein für kulturelle Vielfalt in Südwestfalen“ mit offiziellem Gerüst. Mit Schwerpunkten und Motto, Satzung, Zweck und Zielen. 1. Vorsitzende ist Dorna Hatamlooy, ihre Stellvertreterin Ulrike Tütemann.

„Die Ausstellung hat einen tiefen Graben übersprungen, und jetzt ist die bunte Mischung da“, stellt der vereinserfahrene Matthias Wagner zufrieden fest, der sich hier als Schriftführer engagiert: „Kultur soll Brücken schlagen.“ Bunt und friedlich wolle man sein, Vielfalt sichtbar und erlebbar machen. Das heißt eben nicht, dass alles bis zur Unkenntlichkeit ineinander aufgeht. „Die Kultur geht ja nicht verloren“, betont Sambavi Rajagopal.

Diese Vielfalt nutzt dem Verein. Zwei Mitglieder ließen ihre Erfahrung mit Vereinsarbeit und Ideen einfließen, sagt Potlako Meinhardt Thandiwe Mokgadi. „Der Verein hat sich gesucht und gefunden“, findet Günter Stechbarth. Etwas Vergleichbares gebe es ja auch sonst nicht. Der Verein „fördert das Zusammenleben aller Menschen und löst alle politischen, sozialen, religiösen und kulturellen Grenzen auf. Die Welt bei uns Zuhause.“

Das Selbstverständnis ist ein Kulturelles, was andere Lebensbereiche nicht ausgrenzt, nicht ausgrenzen kann. So will man 2014 mit einer Ausstellung an die Öffentlichkeit gehen, die keine leichte Kost ist – eine Fotoausstellung über den Giftgasangriff Saddams auf irakische Kurden im Jahr 1988. „Politik ist, wenn man sich einmischt“, sagt Potlako Meinhardt Thandiwe Mokgadi.

Auch eine Lesung mit Musik im Kulturverein Werdohl steht für Februar auf dem Plan. Je mehr Mitglieder man findet, desto vielfältiger werden die Themen, über deren Umsetzung man gemeinsam abstimmt. „Wir möchten schon, dass sich jeder Migrantenverein beteiligt“, sagt Deniz Kutlu. „Das wäre unser Ziel.“ Das Nahziel. Das Fernziel kennt auch keine Grenzen. Neue Mitglieder – einzeln (30 Euro Jahresbeitrag), als Familie (40 Euro) oder juristische Person (Vereine, Institutionen, Firmen etc./ 60 Euro) – sind willkommen. - sum

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