Inbrunst und „Sprötzer Achterrüm“

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Voller Inbrunst sangen die Musiker im Rahmen der neapolitanischen Nacht ihre Lieder. - Foto: bot

LÜDENSCHEID - „Jene Lieder, die in der klassischen Variante der neapolitanischen Musik verpflichtet sind, handeln meist vom schweren Leben der italienischen Menschen“, erklärte Antonella Di Cataldo, Veranstalterin des „Neapolitanischen Abends“, der im Foyer des Geschichtsmuseums am Sauerfeld im Rahmen der Ausstellung „Wir hier“ stattfand. In ihrer modernen Ausprägung dreht sich die neapolitanische Musik allerdings um das wohl größte Thema der populären Musik überhaupt: die Liebe.

Wer in die Pop- und Schlagerwelt Neapels eintauchen wollte, erhielt bei der „Neapolitanischen Nacht“ einen repräsentativen Querschnitt der Szene, denn Antonella Di Cataldo, die im Laufe des Abends sogar selbst zum Gesangsmikro griff, hatte eine Fülle von Interpreten für ihre Musikveranstaltung zusammengetrommelt. Eine der größten musikalischen Überraschungen war im Vorfeld gar nicht angekündigt worden. Der erst 13-jährige Diego Russo machte mit einer beeindruckenden, facettenreichen Stimme auf sich aufmerksam und interpretierte seine neapolitanischen Liebeslieder mit einer Leidenschaft, die selbst im Vergleich mit den gestandenen Künstlern an diesem Abend ihresgleichen suchte. Vermittelt hatte den jungen Musiker, wie auch zahlreiche weitere Künstler des Abends Enzo Settembre, der das Programm als Sänger eröffnete. Settembre ist ein alter Hase im Musikgeschäft. Die in München lebenden Sänger und Moderatoren Claudio Fiorello und Giovanni Fusco nennen sich die „Lasciateci Cantare“, angelehnt an den Refrain in dem berühmten Schlager „L’Italiano“ von Tutto Cutugno und interpretieren, lässig in weiße Anzüge gekleidet, neben Songs italienischer Größen wie Adriano Celentano auch zahlreiche Titel in anderen Sprachen. Beide moderierten nicht nur das Programm, sondern rockten mit guter Laune und Energie den Saal. Für beste Stimmung sorgte auch Tano Rinoldo. Er ist seit 25 Jahren im Musikbusiness aktiv und arbeitet derzeit in seinem Wohnort Saarbrücken an seiner vierten CD. Ein Vertreter der klassischen neapolitanischen Musik war mit Tonio Novembre im Museum zu Gast. Der Sänger lebt seit 33 Jahren in Mannheim und arbeitet derzeit an seinem zweiten Studioalbum. Daniele Cardaci, der an diesem Abend ebenfalls mit von der Partie war, ist bereits von den beiden vorangegangenen italienischen Veranstaltungen im Museum bekannt. Das Finale des gelungenen Programms gestalteten schließlich die „KC Boyz“ Francesco Romio und Timo Harth, die seit eineinhalb Jahren für deutschsprachige Rap-Musik stehen. „Wir rappen aber nicht im Bushido-Stil“, erklärt Francesco Romio, „von uns gibt es echten Gefühls-Rap.“ Auf der Internetseite www.italiatv-colonia.de sieht man mehr Bilder dieses Abends, denn mit Pasquale Manolio war ein Kameramann des Internet-Fernsehsenders vor Ort.

Am kommenden Sonntag, 26. Mai, wird die Ausstellung „Wir hier“ beendet. Bereits zum Auftakt der Ausstellung trafen die Nussknacker des Sachsen-Thüringer-Heimatvereins und der Tanzverein Thrakien aufeinander, zum Abschluss der Ausstellung wird es nun einen gemeinsamen Auftritt geben.

Es hat bereits einige Tanztreffen von Mitgliedern beider Vereine gegeben. Bereichernd ist das für beide Seiten: „Wir studieren nicht nur neue Tänze ein, wir werden auch mit für uns völlig fremder Musik vertraut“, so Thomas Dahlhaus von den Nussknackern. In einem Treffen wurden unter der Leitung von Dahlhaus eine Sternpolka und der sogenannte „Sprötzer Achterrüm“ eingeübt. Letzteres ist ein Tanz aus dem gleichnamigen Ort in der Lüneburger Heide, erklärte Dahlhaus.

Unter der Leitung von Ioannis Chatzoudis lernten die „Nussknacker“ dagegen mit „Sirtos“ und „Zonaradikos“ gleich zwei beliebte griechische Folkloretänze aus Regionen Thrakiens kennen. Es sei vor allem der Spaß am gemeinsamen Tun, das Kennenlernen, die Annäherung der Kulturen, von der beide Seiten profitieren, so Chatzoudis. Beim Fesrival der Kulturen am Sonntag in den Museen ist ein gemeinsamer Auftritt geplant, ein weiterer am 8. Juni im Haus der Vereine. - bot/maya

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