Kurzarbeit reichte nicht

Wegen Corona! Tech-Konzern droht das Aus - Hunderte Jobs im MK in Gefahr

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Im März hatte der Technologiekonzern Nanogate SE, zu dem in Lüdenscheid die Nanogate NRW GmbH an der Golsberger Straße gehört, corona-bedingt Finanzhilfen von der Kfw-Bank beantragt.

Märkischer Kreis – Der Technologiekonzern Nanogate mit drei Standorten im Märkischen Kreis ist von Zahlungsunfähigkeit bedroht: Am Dienstag wurde ein Schutzschirmverfahren beantragt. Jobs sind in Gefahr. 

  • Nanogate hat am Dienstag ein Schutzschirmverfahren beantragt
  • Es betrifft auch die Standorte in Kierspe und Lüdenscheid
  • Hunderte Mitarbeiter in den Werken sind betroffen

Update Dienstag, 23. Juni, 18.58 Uhr: Lüdenscheid – Das börsennotierte Unternehmen Nanogate SE hat am Dienstag - wie angekündigt - zusammen mit mehreren Tochterfirmen ein Schutzschirmverfahren in Eigenverantwortung beim Amtsgericht Saarbrücken beantragt. 

Nanogate Kierspe und Nanogate NRW betreiben Werke im MK

Betroffen sind auch die Nanogate Kierspe GmbH und Nanogate NRW GmbH, die Standorte im Märkischen Kreis betreiben. Im Vorjahr waren nach Unternehmensangaben rund 330 Mitarbeiter in den Nanogate-Betrieben in Kierspe (170 Mitarbeiter) und in Lüdenscheid an der Golsberger Straße (160 Mitarbeiter) beschäftigt. Die übrigen deutschen Standorte in Schwäbisch Gmünd und in Böblingen sowie die internationalen Tochtergesellschaften in der Slowakei, den Niederlanden und in den USA sind nicht betroffen. 

Im Schutzschirmverfahren will Nanogate Mitarbeiter und Betriebsräte einbeziehen

Einer am Dienstagabend verbreiteten Ad-hoc-Meldung zufolge wird das Management jetzt gemeinsam mit dem Sanierungsexperten Matthias Bayer und Rechtsanwalt Franz Abel (beide Kanzlei Abel und Kollegen) die Restrukturierungsmaßnahmen erarbeiten. Beide verfügen demnach über Erfahrung insbesondere im Rahmen von Schutzschirmverfahren. 

Ein Unternehmen mit drei Standorten im MK ist von Zahlungsunfähigkeit bedroht.

Bei einem Schutzschirmverfahren werden die Mitarbeiter, Betriebsräte, Banken, Kunden und alle Gläubiger umfassend einbezogen, schreibt Nanogate. In der Eigenverwaltung bleiben der Vorstand beziehungsweise die Geschäftsführungen voll handlungsfähig. Ihnen zur Seite steht Rechtsanwalt Günther Staab (Kanzlei Staab und Kollegen), der vom Amtsgericht Saarbrücken gruppenweit als (vorläufiger) Sachwalter bestellt wurde. 

Konzern will möglichst viele der 1.800 Arbeitsplätze erhalten

„Das gewählte Verfahren ermöglicht es Nanogate, im Rahmen der Eigenverwaltung innerhalb der nächsten drei Monate einen tragfähigen Plan für den Erhalt und die Restrukturierung der betroffenen Standorte zu erarbeiten und umzusetzen. Ziel ist es, möglichst viele der konzernweit fast 1.800 Arbeitsplätze zu erhalten sowie das Unternehmen insgesamt langfristig profitabel auszurichten. Das Geschäftsmodell ist im Wesentlichen nachhaltig und umfasst unterschiedliche Zielmärkte“, so der Generalbevollmächtigte Matthias Bayer. 

Nanogate: Aktie verliert rasant an Wert - vom Höchststand von 54 auf 1 Euro

„Allerdings ist es angesichts des erheblichen Automotive-Anteils kurzfristig anfällig für konjunkturelle Auswirkungen, vor allem durch Corona“, ergänzt Franz Abel laut Mitteilung. Der Aktienkurs lag gestern bei rund einem Euro, nachdem er noch im Februar bei 15 Euro je Aktie gelegen hatte. Ende 2017 hatte sie noch einen Wert von 54 Euro. 

Mitarbeiter in Lüdenscheid und Kierspe erhalten Insolvenzgeld für drei Monate

Der Betrieb in Lüdenscheid und Kierspe soll in vollem Umfang fortgeführt werden. Die Löhne und Gehälter der Beschäftigten sind zunächst über das lnsolvenzgeld bis Ende August 2020 gesichert. Noch im Februar gab es Hoffnung bei Nanogate, nachdem ein Millionenauftrag der Autoindustrie nach Lüdenscheid vergeben worden war. Ein weiterer 50-Millionen-Deal war im Vorjahr bekanntgeworden. Der Konzern befindet sich mitten in einem Restrukturierungsprozess, es gab Pläne zur Zusammenlegung der MK-Standorte

Nanogate kündigt Schutzschirmverfahren an, nachdem sich Banken zurückziehen

Erstmeldung Montag, 22. Juni, 17.17 Uhr: Im März hatte der Technologiekonzern Nanogate SE, zu dem in Lüdenscheid die Nanogate NRW GmbH an der Golsberger Straße gehört, corona-bedingt Finanzhilfen von der Kfw-Bank beantragt und durch die Anmeldung von Kurzarbeit sowie einen geringeren Einsatz von Leiharbeitern Kosten gesenkt. Zwei weitere Standorte des Konzern sind in Kierspe ansässig.

Dennoch soll jetzt ein Schutzschirmverfahren beantragt werden, teilt der Konzern mit. Hintergrund sei, dass hinsichtlich eines Finanzierungskonzeptes keine Einigung mit den Banken gefunden werden konnte. Die Nanogate SE werde „deshalb umgehend aufgrund drohender Zahlungsunfähigkeit die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung“ beantragen. 

Das Ziel des Schutzschirmverfahrens sei, „das Unternehmen im Zuge der laufenden Restrukturierung zu sanieren“. Verhandelt worden sei ein Finanzierungskonzept, um Tilgungszahlungen für bestehende Bankdarlehen deutlich zu verschieben. Eine Einigung sei aber nicht erreicht worden. Deshalb und wegen der „entstehenden außerordentlichen Kündigungsrechte aus Kredit- und Schuldscheindarlehensverträgen“ sei eine „drohende Zahlungsunfähigkeit“ die Folge.

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