Nahost-Konflikt: Eindrücke eines deutschen Studenten

Marcel Duda, der vor drei Jahren sein Abitur am Bergstadtgymnasium machte, studiert seitdem Physik im israelischen Haifa. Trotz der kriegerischen Auseinandersetzungen fühlt er sich in Israel wohl – und möchte für das Thema sensibilisieren.

Lüdenscheid - Wenn Marcel Duda derzeit die Nachrichten über den Konflikt im Nahen Osten verfolgt, dann tut er dies mit gemischten Gefühlen. Denn so schrecklich die Bilder von den Gefechten im Gaza-Streifen sind, so furchtbar die Schicksale ziviler Opfer, so weiß der 22-Jährige, dass es durchaus ein normales Leben in Israel gibt. Doch dieses gerate durch die Medien-Berichte über die kriegerischen Auseinandersetzungen völlig in den Hintergrund.

Und der gebürtige Lüdenscheider weiß, wovon er spricht. Denn seit mittlerweile drei Jahren studiert Duda in Israel, hat in Haifa, der drittgrößten Stadt des Landes, ein neues, vorübergehendes Zuhause gefunden. Und er fühlt sich dort so wohl, dass auch in Zukunft ein endgültiger Abschied für ihn nicht in Frage kommt – und das trotz der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Israelis und radikalen Palästinensern. „Ich habe das Gefühl, dass manchmal ein falsches Bild vom Leben in Israel vermittelt wird. Durch die Fotos von kaputten Häusern, Ambulanzen und verletzten Menschen glauben viele, jeder in Israel lebe in Angst und Terror. Doch das kann ich nicht bestätigen: Denn nicht das ganze Land ist ja von den Gefechten betroffen, die Mehrheit der Israelis versucht, ein normales Leben zu führen. Es ist natürlich nicht einfach, aber es gibt ein normales Leben“, betont der Student.

Er selbst habe in Haifa erst einen Sirenenalarm miterlebt und sei in dem Moment unsicher gewesen, wie er sich verhalten soll. Letztlich sei er in seiner WG geblieben und habe einfach abgewartet. Anders sei es bei einem Besuch bei seiner Cousine gewesen, die etwa 40 Kilometer von Gaza entfernt wohne. „Während meines einwöchigen Aufenthalts dort, musste ich etwa fünf Mal den Keller aufsuchen, obwohl insgesamt täglich etwa 100 Raketen auf Israel abgefeuert wurden“, erzählt Duda weiter. Große Angst habe er dennoch nicht gehabt. „Ziel der Angriffe der Hamas ist natürlich, den Menschen Angst zu machen, doch ich möchte mich davon nicht einschüchtern lassen. Die Gefahr ist mir bewusst, aber sehe sie auch realistisch. Wenn mein Flieger Mitte September abhebt, dann fliege ich auch in jedem Fall zurück nach Israel.“

Und dies liegt nicht allein an dem bevorstehenden Abschluss seines Physikstudiums: „Ich habe das Gefühl, die Menschen genießen und schätzen das Leben viel mehr, – trotz oder vielleicht gerade wegen der Probleme. Das Leben in den Familien hat einen ganz anderen Stellenwert und zugleich leben hier viele Nationalitäten friedlich zusammen“, so der Lüdenscheider. Und: „Hier wird eine exzellente wissenschaftliche Arbeit geleistet, die vielen in Deutschland gar nicht bewusst ist. Deshalb möchte ich nach meinem Studium in irgendeiner Form an der wissenschaftlichen Zusammenarbeit beider Länder mitwirken“, so der Plan.

Der 22-Jährige zeigte sich während seines Heimaturlaubs in Lüdenscheid erschüttert von den antisemitischen Geschehnissen in Europa, zuletzt den Anschlag auf die Synagoge in Wuppertal. „Es erschreckt mich, wie radikal einige Menschen in Europa auf den Krieg in Gaza reagieren und es dann an jüdischen Gemeinden auslassen“, so Duda, der sich besorgt darüber zeigt, wohin der Weg in Europa in Zukunft gehen wird.

Ihm sei wichtig, dass die Menschen wissen, dass auch die Israelis den Krieg mit den Palästinensern nicht möchten, aber auch an ihr Existenzrecht glauben und das Recht, sich gegen die Hamas zu verteidigen. „Es ist ein Krieg mit der Hamas, nicht mit Gaza“, so Duda, der die Problematik auf keinen Fall verharmlosen, aber sensibilisieren möchte. „Denn wer derzeit am meisten leidet, das ist die Bevölkerung in Gaza, die die Hamas nicht gewählt hat – und das weiß auch die Mehrheit der Israelis.“ - kes

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