Nächtlicher Lärm durch Martinshörner: „Fahren nicht grundlos raus“

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Bei Jörg Weber von der Feuer- und Rettungswache Lüdenscheid sind bereits öfter Beschwerden wegen lauter nächtlicher Einsätze eingegangen.

Lüdenscheid - Es ist mitten in der Nacht, auf den Straßen herrscht kaum Verkehr. Plötzlich ertönt ein lautes Signal – ein Rettungswagen überquert die Kreuzung mit hoher Geschwindigkeit, blaues Licht erhellt die Dunkelheit. Für eine Münchner Mutter Grund genug für eine Online-Petition.

Weil ihre Kinder nachts vom Lärm aufwachten, setzt sie sich für einen „angemessenen Einsatz des Martinshorns“ ein. Auch in Lüdenscheid gab es ähnliche Beschwerden. Ist ein derartig lauter nächtlicher Einsatz wirklich nötig? 

„Ja“, antwortet Jörg Weber, Fachdienst Feuer- und Rettungswache Lüdenscheid, ohne Umschweife. „Weil das so im Gesetz steht.“ Die Lage sei eindeutig, erklärt er: Wenn höchste Eile geboten ist und Sonderrechte in Anspruch genommen werden, ist die Verbindung von Horn (also Signalton) und Blaulicht nötig. So steht es in der Straßenverkehrsordnung (STVO; §35 und §38). 

Die erste Information ist entscheidend

Aber von vorne: Entscheidend sei der Anruf bei der Leitstelle, erklärt Weber. „Wichtig ist die Aussage der Person, die sich meldet. Denn daraufhin wird in der Leitstelle entschieden, ob Gefahr in Verzug ist und ein Einsatz mit Sonderrechten nötig ist.“ Die entsprechende Information darüber erhalte jeder im Haus der Feuer- und Rettungswache: akustisch über die Anlage und als Signal über den eigenen Pieper. 

Dann folgt der Einsatz. Um schnell vor Ort sein zu können, müssen die Fahrer der Einsatzfahrzeuge auf sich aufmerksam machen. „Wir sind immer der sogenannte Zustandsstörer im Verkehr, im Falle eines Unfalls tragen wir also auch immer eine Teilschuld“, erklärt Weber. Werden die Signale nicht genutzt und ein Unfall geschieht, handle es sich auch um eine Ordnungswidrigkeit und der Fahrer könne noch anderweitig belangt werden.

Die Martinshörner auf den Feuerwehrfahrzeugen sind durchdringender als elektrische Signaltöne. Meist sind beide verarbeitet.

„Für Außenstehende ist nicht immer ersichtlich, warum wir das Horn einschalten“, sagt Weber weiter. Doch die Verkehrssituation sei oft schwer einsehbar und „wir müssen uns bemerkbar machen. Nicht jeder Autofahrer und Fußgänger hat die gleiche Perspektive wie wir“. 

Sobald der Patient versorgt und im Auto ist, entscheide die Besatzung oder der Notarzt über die Inanspruchnahme von Sonderrechten. „Das kann diverse Gründe haben.“ Wichtig sei der Zustand des Patienten; auch eine besonders schonende und kontinuierliche Fahrweise könne nötig sein. „Man braucht sich daher nicht wundern, wenn ein Rettungswagen (RTW) bei Rot über die Ampel kriecht“, betont Weber. 

Lautstärke und Klangfolge sind genormt

Ein anderes Beispiel sei die Polizei: „Bei einem Einsatz schalten sie die Signale womöglich an, um schnell über eine Kreuzung zu kommen, und danach aus ermittlungstaktischen Gründen wieder aus.“ Bei einem RTW geschehe das nur, wenn ein Einsatz in der Zwischenzeit offiziell beendet wird. 

Übrigens: Neben dem Martinshorn, das mit Pressluft arbeitet und „durchdringender“ sei, wie Weber sagt, gibt es auch elektrische Hörner. „Die werden auch genutzt, um die Bevölkerung zu schonen.“ Die Lautstärke und die Klangfolge seien allerdings genormt. 

"Was ist, wenn man selbst betroffen ist?"

Bei Beschwerden von Bürgern reagiert Weber direkt: „Ich rede mit ihnen und erkläre die Situation. So war es auch bei einer Mutter mit Kind, die an einer Kreuzung in Lüdenscheid wohnte. Sie zeigte schließlich Verständnis.“ Immerhin fahren die Mitarbeiter der Feuer- und Rettungswache oder Polizei nicht grundlos raus. „Die Leute sollten sich überlegen, was ist, wenn sie mal selbst betroffen sind. Das gilt übrigens für viele Bereiche – auch für Rettungsgassen.“

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