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Nächstes Brücken-Desaster in Lüdenscheid - Sperrung an Knotenpunkt

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Von: Jan Schmitz

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In Lüdenscheid bahnt sich nach dem Ausfall der einsturzgefährdeten Rahmedetalbrücke an der A45 das nächste Brücken-Desaster an.

Lüdenscheid. Diesmal betrifft es die Volme-Bahntrasse. Nach Informationen unserer Zeitung hat sich nach den ersten Untersuchungen der maroden Eisenbahnbrücke in Brügge herausgestellt, dass die Schäden so groß sind, das im derzeitigen Zustand kein Zug mehr gefahrlos über die Bahnüberführung unweit der B229 fahren kann. Insider sprechen gar von einem „Totalschaden“.

AutobahnA45
Länge257 km
BundesländerNordrhein-Westfalen; Hessen; Bayern

Die Brügger Brücke liegt direkt auf einem Bahn-Knotenpunkt. Über das 1885 gebaute Bauwerk rollen normalerweise sowohl die RB52 von Dortmund nach Lüdenscheid als auch die RB25 von Köln-Hansaring nach Lüdenscheid. Während die RB52 nach einem Hochwasserschaden in Dahlerbrück seit einem Jahr in Rummenohl endet, erreicht nun auch aus südlicher Richtung kein Zug mehr den Bahnhof Lüdenscheid. Wie berichtet, wurde die Brücke Anfang Juli aus Sicherheitsgründen gesperrt und ein Schienenersatzverkehr zwischen Brügge und Lüdenscheid eingerichtet.

Wie auf Fotos zu erkennen ist, zieht sich ein Riss durch den mittleren Stützpfeiler, an anderer Stelle ist das Bauwerk mehrere Zentimeter abgesackt. Unterwasserbilder vom Mauerwerk zeigen weitere Schäden unter der Wasseroberfläche. Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen. In einem nächsten Schritt soll die Schadstelle trockengelegt werden. Vor Ort wurden dafür Sandsäcke platziert, eine Verrohrung der Volme unterhalb der Brücke wird vorbereitet. Dies alles sind schon Hinweise auf eine längerfristige Baumaßnahme.

Der Riss am Pfeiler der gesperrten Eisenbahnbrücke in Brügge ist nicht zu übersehen. Die Standsicherheit des Bauwerks ist nach Informationen unserer Zeitung gefährdet.
Der Riss am Pfeiler der gesperrten Eisenbahnbrücke in Brügge ist nicht zu übersehen. Die Standsicherheit des Bauwerks ist nach Informationen unserer Zeitung gefährdet. © Cornelius Popovici

Nach Angaben der Deutschen Bahn waren die Schäden bei einer turnusmäßigen Brückeninspektion festgestellt worden. Aus Bahnkreisen war jedoch zu erfahren, dass das Schadensbild mit der Jahrhundertflut in Verbindung zu bringen ist. Demnach wurde die Gewölbebrücke während des Volme-Hochwassers am 14. Juli 2021 offenbar von einem massiven Felsbrocken oder einem großen Gegenstand getroffen und beschädigt. Warum erst ein Jahr nach dem Schaden reagiert wurde und ob alle Brücken entlang der Volme auf Flutschäden geprüft wurden, sind sich aufdrängende Fragen. Eine andere: Wie geht es jetzt auf der Lüdenscheider Bahntrasse weiter?

Nach Informationen unserer Zeitung bleibt die Brücke und damit auch die Volmetalstrecke mindestens mehrere Monate, möglicherweise auch Jahre gesperrt. Die Dauer hängt davon ab, wie die Deutsche Bahn an der Stelle vorgehen will. Derzeit am wahrscheinlichsten ist der Bau einer stählernen Hilfsbrücke, die direkt auf die bestehende Brücke gebaut wird. Ziel ist es, den mittleren Brückenpfeiler vollständig zu entlasten. Die Planungen dazu sind bereits angestoßen. Das Provisorium könnte vergleichsweise schnell in Betrieb genommen werden und die Zeit bis zur Komplettsanierung der Bestandsbrücke oder bis zu einem Neubau verkürzen. Dass die Brücke erneuert werden muss, steht dagegen schon länger fest. Die errechnete Restlaufzeit der Bahnüberführung lag auch ohne den neuerlichen Schaden bei nur noch etwa zehn Jahren.

Es ist nicht die einzige Bahn-Baustelle im Volmetal. Wie berichtet, will die Deutsche Bahn die Hochwasserschäden am Bahndamm in Dahlerbrück noch in diesem Jahr beseitigen, damit der brachliegende Verkehr der RB52 zwischen Rummenohl und Lüdenscheid wieder aufgenommen werden kann. Die Arbeiten sind inzwischen ausgeschrieben. Spätestens im Dezember sollen hier wieder Züge fahren. Ob dann auch die marode Brügger Brücke wieder befahrbar ist, ist – Stand jetzt – mehr als ungewiss.

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