Urteil im Prozess vorm Amtsgericht

Nackter Mann tanzt am Fenster vor Kindern - Erwachsene stürmen zu seiner Wohnung

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Symbolbild

Lüdenscheid - Richter Wolfram Arnold brachte das Problem eines Strafverfahrens im Amtsgericht auf den Punkt: „Die Justizvollzugsanstalt ist für Sie eigentlich die falsche Einrichtung“, erklärte er einem 34-jährigen Lüdenscheider, der seit Juni in U-Haft gesessen hatte. Die Staatsanwaltschaft warf ihm Belästigung und den mehrfachen sexuellen Missbrauch von Kindern vor.

Von vier Anklagen blieb letztlich nur eine übrig. Ein zwölfjähriger Zeuge konnte den Angeklagten nicht als jene Person identifizieren, die ihm im Sterncenter den Wunsch nach sexuellen Handlungen ins Ohr gesprochen und ihm kurz darauf einen Tritt in den Po versetzt hatte. Damit waren zwei der Anklagen erledigt. 

Bei der dritten Tat sollte der Angeklagte im Hinterhof eines Hauses an der Werdohler Straße völlig nackt vor mehreren Kindern im Alter von sieben bis acht Jahren getanzt haben. Die Kinder schilderten das vor Gericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit offenbar fast genau so. 

Doch sie berichteten auch von einem entscheidenden Unterschied: Sie hätten sich vor dem nackten Mann im Gebüsch versteckt. Damit war der Vorwurf, dass der 34-Jährige sich den Kindern bewusst gezeigt hätte, nicht bestätigt. 

Nackter Mann tanzt vor Fenster: Kinder konnten "alles" sehen

Was blieb, war eine Szene am Fenster der Wohnung des Angeklagten – zwei Tage später: An diesem bis zum Boden reichenden Fenster tanzte er erneut vor mehreren Kindern. Die Umstände, die mithilfe der Kinder und mehrerer Erwachsener aufgeklärt wurden, belegten, dass er die vor dem Fenster stehenden Kinder nicht übersehen konnte. Und die Kinder hätten „alles“ sehen können, bestätigte ein Zeuge. 

Mehrere Erwachsene begaben sich daraufhin zur Wohnung des Angeklagten und stellten ihn zur Rede. Vor Gericht stritt er alles ab. „Ich habe nicht gesehen, dass da Kinder waren.“ Er habe sich doch in seiner Wohnung, also seiner Privatsphäre aufgehalten. Und nackt sei er gewesen, weil er geduscht habe. 

Das mehrfache nackte „Tanzen“ deutet schon an, dass es sich bei dem 34-Jährigen um eine sehr spezielle Persönlichkeit handelt. Dass er an einer Intelligenzminderung leiden soll, ist nicht die ganze Wahrheit. Zu dem darüber hinaus diagnostizierten Autismus passt es, dass er über ein hervorragendes Gedächtnis verfügt und die Staatsanwältin im Amtsgericht mit Namen begrüßte.

Nackter Mann tanzt vor Fenster: Mehrere Freisprüche in der Vergangenheit

Immer wieder wurde er nach diversen Straftaten wegen Schuldunfähigkeit freigesprochen. Doch mittlerweile trauen ihm Justiz und psychiatrische Gutachter offenbar mehr zu. Es wird vermutet, dass der 34-Jährige systematisch Grenzen austestet. Die Staatsanwältin beantragte eine vollstreckbare Haftstrafe. 

Doch diesem Antrag folgte das Schöffengericht nicht: Es verurteilte den 34-Jährigen wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern zu einem Jahr auf Bewährung. 

Im Januar wird er sich erneut im Amtsgericht verantworten müssen: Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, mit seinen Drohanrufen Bombenalarme im Europa-Park Rust und im Moviepark Kirchhellen ausgelöst zu haben.

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